Einen Monat mit nur 11 Kleidungsstücken

Neele hat bei einer „Fashion for Future-Challenge“ mitgemacht und erzählt, wie es sich mit weniger Klamotten so lebt

Neele ist 19 Jahre alt und macht zurzeit ein FSJ beim Haus der Kirche und Diakonie in Steinfurt. Bei ihrer Arbeit im Bereich der evangelischen Jugend im Münsterland stieß sie auf die Initiative "Exit Fast Fashion", die Jugendliche über die ökologischen Folgen der Fast Fashion-Industrie aufklären will. Im Rahmen dieses Projektes fand im Herbst letzten Jahres die „Fashion for Future-Challenge“ statt. Dabei ging es darum, einen Monat lang mit nur 11 Kleidungsstücken aus dem eigenen Kleiderschrank auszukommen. Wir fragten sie, wie sie das Experiment gemeistert hat.

Welche Kleidungsstücke hast du dir ausgesucht?

Innerhalb der Challenge haben wir die ausgesuchten Kleidungsstücke "Mein Lieblingsteam" genannt. Es bestand aus 2 Schuhpaaren, einem langen Rock, einer Hose, 2 Langarmhemden, 3 T-Shirts, einem Zipper und einer Winterjacke.

Ist es dir leichtgefallen, dich zu entscheiden?

Ja, die Auswahl war recht einfach, da ich mich im Moment nur oversized oder in einer dunklen Art und Weise kleide. Dementsprechend fiel meine Wahl dann auf meine Lieblingsartikel der jeweiligen Kategorie (Schuhe, Hosen/Rock, Oberteil, Jacke) plus die beiden Unterziehhemden, um die Übergangszeit zu überstehen.

Wie war das dann, diesen Monat nur mit einer kleinen Auswahl auszukommen?

Ich hätte nicht gedacht, wie leicht es mir fallen würde, mit nur 11 Kleidungsstücken auszukommen. Es war fast befreiend, sich nicht jeden Morgen Gedanken machen zu müssen, was man anzieht und mit der Wahl dann manchmal unglücklich das Haus zu verlassen. Auch wenn es anfangs echt hart war, ging es mit der Zeit immer besser und nach etwas über einer Woche hatte ich bereits keine Probleme mehr.

Was hat dir gefehlt?

Es wäre hilfreich gewesen, wenn ich noch eine weitere Jacke für den Regen und ein Hoodie für die fehlende Kapuze an meiner Winterjacke gehabt hätte, aber ansonsten konnte ich mein Outfit mit Accessoires ausreichend aufpeppen, sodass ich emotional eigentlich kein Kleidungsstück so richtig vermisst habe.

Wie haben deine Familie und Freund_innen reagiert?

Mein Umfeld hat in keinster Weise anders als sonst reagiert, was nur mal wieder gezeigt hat, dass es den Leuten ganz egal ist, was und wie oft du es trägst. Somit kann ich nach genau einem Monat nun sagen, „probiert es aus und verlasst eure Komfortzone“ um zu erkennen, dass auch 11 Kleidungstücke 19 Kombinationen oder mehr zulassen, dass lüften meist schon reicht und dass man dabei nicht nur Wasser, sondern auch den morgendlichen Stress spart.

Könntest du dir auch vorstellen, diesen Minimalismus länger als einen Monat zu praktizieren?

Das könnte ich mir durchaus vorstellen, allerdings nicht jetzt. Ich bin jetzt 19 Jahre alt und entwickle immer noch meine Interessen. Deswegen möchte ich diese Zeit auch nutzen, mich auszuprobieren und mich selber noch besser kennenzulernen. Klar gehören solche Challenges auch dazu, aber ich würde sie frühestens dann verlängern, wenn ich mit der Berufsausbildung fertig bin. Das heißt aber nicht, dass ich das nachhaltige Einkaufen vernachlässigen werde.

Hat diese Challenge deine Einstellung zum Klamottenkonsum verändert?

Durchaus, obwohl ich vorher auch schon meinen "Klamottenkonsum" relativ minimal gehalten habe. Ich habe in dieser Zeit aber deutlich mehr über das Thema Fast Fashion gelernt und welche nachhaltigen Alternativen es dazu gibt (Dazu erscheint auf Exit Fast Fashion auch bald ein Bericht von mir). Somit gehe ich nun nach der Challenge nur noch sehr selten shoppen, also nur, wenn ich wirklich was brauche. Dann weiß ich genau, was ich will und kaufe keine Sachen, die meiner Vorstellung nicht zu 100% entsprechen. Meine Anlaufstellen sind dann aber nicht Fast Fashion Marken, sondern meist Secondhandläden oder ähnliche, die gebrauchte Klamotten verkaufen.

Dazu muss ich aber auch sagen, dass die Umstellung nicht ganz leicht war und immer noch nicht ist. Wenn die Klamottenshops etwas anbieten, was genau meinem Geschmack trifft, ist es schwer, nicht in Versuchung zu geraten. Meine Strategie ist: einfach nicht mehr in solche Läden reinzugehen und so gut es geht jede Werbung solcher Shops zu blockieren. Mit der Zeit habe ich aber einfach gemerkt, dass Secondhand für mich und meinen Style passender, einzigartiger und im Vergleich mit Fast Fashion deutlich günstiger ist, weil die Stücke einfach eine bessere Qualität haben und länger halten.

Was ich noch aus der Zeit mitgenommen habe: wenn man will, dass Klamotten länger halten, sollte man auf jeden Fall mehr lüften und weniger oft waschen, was sich bei bedruckten T-Shirts auf jeden Fall empfiehlt. Dabei sollte dann auch klar sein, Kaputtes zu reparieren, und nicht gleich das ganze Kleidungsstück wegzuschmeißen. Eine andere Option, um zum Beispiel auch an trendy Klamotten zu kommen, wäre die Upcycling-Methode, also "aus alt macht neu" oder auch selber mal Kleidungsstücke oder Accessoires zu häkeln oder zu stricken.

Was würdest du anderen empfehlen, die etwas ähnliches ausprobieren wollen?

Es ist auf jeden Fall hilfreich, wenn ihr Menschen findet, mit denen ihr die Challenge zusammen machen könnt, denn so könnt ihr euch gegenseitig motivieren und euch austauschen. Bei der Klamottenauswahl kann ich auf jeden Fall empfehlen, sich im Vorhinein sein Klamottenverhalten anzuschauen, heißt: was trage ich und wie oft und diese Kleidungsstücke dann mit in die Challenge zu nehmen. Man muss aber damit rechnen, dass nach Ende der Challenge diese Klamotten erstmal im Schrank liegen bleiben, da man sie echt nicht mehr sehen kann. So war es zumindest bei mir, denn ich habe die Oberteile bis heute nicht mehr wirklich getragen. Natürlich empfiehlt es sich auch Sachen auszuwählen, die zu fast jedem anderen Kleidungsstück passen, um so möglichst viele Kombinationen zu erschaffen, die etwas Variation in die Challenge bringen.

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Autorin / Autor: Neele Maaß/ Redaktion - Stand: 1. April 2022