6 Monate Lernrückstand durch Social Media?

Italienische Studie: Kinder und Jugendliche, die früh in sozialen Netzwerken unterwegs sind, weisen durchschnittlich einen Lernrückstand auf

Über Verbote und Altersbeschränkungen in sozialen Netzwerken wird immer wieder diskutiert. Viele Expert:innen stimmen darin überein, dass das suchterzeugende Scrollen und die oft nicht jugendgerechten Inhalte Kindern und Jugendlichen schaden können - wie sehr, ab welchem Alter und ab welcher Dauer und Art der Nutzung ist noch unklar. Nun werden auch Lerndefizite in einer aktuellen Studie von Marco Gui von der italienischen University of Milano-Bicocca mit dem frühen Einstieg in soziale Netzwerke in Zusammenhang gebracht.

In der Studie wurden über zwei Jahre lang Daten zum Social Media Gebrauch von 5.227 Schüler:innen gesammelt und dann mit standardisierten Leistungstests in Italienisch, Englisch und Mathematik in Beziehung gesetzt. Dabei kam heraus, dass Schüler:innen, die ihre ersten Social Media Accounts erst im Alter von 14-15 Jahren eröffneten, in Italienisch und Mathe messbar besser abschnitten als Jugendliche, die bereits in jüngerem Alter (11-12 oder 13-14) eingestiegen waren. Der Unterschied lag bei einer Abweichung von 0,22 vom Standard in Italienisch und bei 0,27 in Mathematik. Eine Abweichung von 0,2 entspricht den Forscher:innen zufolge einem Lernrückstand von ca. 6 Monaten. In Englisch hingegen konnte keine Unterschiede festgestellt werden.

Die Forscher:innen betonen, dass die Ergebnisse nicht bedeuten, dass frühe Social Media Nutzung grundsätzlich zu schlechteren Leistungen führt. Sie sind lediglich eine Hinweis dafür, dass sie zumindest in dieser untersuchten Gruppe den Schulerfolg negativ beeinflussen haben könnte - vielleicht, weil Schüler:innen, die früh auf TikTok und Instagram rumhängen, schlichtweg weniger Zeit mit Lernen verbringen, stärker abgelenkt sind oder eine Art "cognitive overload" erleiden, also eine Art geistige Überlastung.

Dass im Fach Englisch keine Defizite sichtbar waren, könnte daran liegen, dass in sozialen Netzwerken Englisch sehr präsent ist, so dass Schüler:innen Sprache auf einem anderer Weg lernen, so dass eventuelle Lerndefizite dadurch ausgeglichen werden. Das aber ist nur ein möglicher Grund und kein gesicherter Befund.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 5. August 2026