Diskriminierung im Studium

Subtile Diskriminierung führt bei Frauen zu geringeren Erwartungen auf Studienerfolg - besonders in frauendominierten Fächern

Laut einer repräsentativen Studierendenbefragung bei 9.512 Studierenden, darunter 5.825 Frauen in Deutschland zum Thema Geschlecht und erlebter Benachteiligung berichten Studentinnen häufiger von Diskriminierungserfahrungen als Studenten. Besonders groß ist der Unterschied in männerdominierten Studienfächern: Dort berichten rund 49 Prozent der Studentinnen von subtiler und 29 Prozent von offener Diskriminierung.

Als subtile Diskriminierung erfasst die Studie weniger offensichtliche Erfahrungen, etwa die Herabsetzung von Leistungen oder sozialen Ausschluss. Offene Diskriminierung umfasst unter anderem Beleidigungen sowie sexuelle oder körperliche Übergriffe. Während sich die Forschung zu Diskriminierung an Hochschulen bislang häufig auf offene Formen konzentriert, ist über die Bedeutung subtilerer Formen weniger bekannt. Die Studie nimmt deshalb beide Formen in den Blick.

Diskriminierung führt zu geringeren Erfolgserwartungen

Studentinnen schätzen ihre Wahrscheinlichkeit, das Studium erfolgreich abzuschließen, im Durchschnitt geringer ein als Studenten. Auch unter Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren beträgt der Unterschied rund fünf Prozentpunkte.

Solche Erfolgserwartungen sind aber wichtig, denn sie hängen mit dem tatsächlichen Studienerfolg und dem Verbleib im Studienfach zusammen. Dabei spielt insbesondere subtile Diskriminierung eine Rolle: Studentinnen, die von solchen Erfahrungen berichten, glauben viel eher, dass sie keinen Erfolg haben werden. Sind die Diskriminierungserfahrungen dagegen offen, zeigt sich dagegen kein vergleichbarer statistisch signifikanter Zusammenhang.

Überraschender Befund

Ein überraschender Befund ergibt sich beim Vergleich unterschiedlich zusammengesetzter Studienfächer. Obwohl Studentinnen in männerdominierten Fächern besonders häufig von Diskriminierung berichten, zeigt sich in Fächern, die vor allem von Frauen belegt werden, dass dort subtile Diskriminierung zu geringeren Erfolgserwartungen führt. Die ursprüngliche Annahme, dass sich Diskriminierung gerade in männerdominierten Fächern besonders stark auf die Erfolgserwartungen auswirkt, bestätigt sich damit nicht.

Die Autorinnen diskutieren als mögliche Erklärung, dass Erfahrungen wie soziale Ausgrenzung oder Herabwürdigung in einem Umfeld, von dem Studentinnen eher Unterstützung und Zugehörigkeit erwarten, besonders unerwartet sein könnten und sie nicht damit gerechnet haben. Frauen in männerdominierten Fächern könnten dagegen stärker darauf vorbereitet sein, mögliche Barrieren überwinden zu müssen, und sich deshalb spezifische Bewältigungsstrategien angeeignet haben. Diese Erklärungen wurden in der Studie allerdings nicht direkt untersucht.

Für Hochschulpraxis und Forschung bedeuten die Ergebnisse, Diskriminierung umfassender in den Blick zu nehmen. Neben offenen Formen sollten auch subtilere Diskriminierungserfahrungen berücksichtigt werden. Ebenso lohnt es sich, Unterschiede zwischen Studienfächern stärker zu beachten.

Grundlage für die Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) waren Daten aus der Studierendenbefragung in Deutschland 2021, an der insgesamt rund 188.000 Studierende an 250 Hochschulen teilnahmen. Die Fragen zu Diskriminierungserfahrungen wurden einem Teil der Befragten vorgelegt. Nach Stichprobenauswahl und Datenbereinigung umfasst die vorliegende Analyse 9.512 Studierende, darunter 5.825 Frauen.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: LizzyNet - Stand: 18. September 2026