Die vielen Väter des Hasses

Autor: Gerd Schneider

Krieg ist schlecht – das ist zumindest in Deutschland eine weit verbreitete Meinung. Trotzdem werden in diesem Moment etwa 38 bewaffnete Konflikte und Kriege geführt. Die meisten von ihnen dauern schon mehrere Jahre an. Doch wie kommt es dazu?
„Wer Frieden will, muss wissen, wie Kriege entstehen“ lautet der Untertitel von Gerd Schneiders Buch. Dieser Slogan beschreibt den Inhalt des Buches sehr gut. Es gibt 15 Kapitel, die sich jeweils mit einem Aspekt des Themas beschäftigen. Zu Beginn jedes Kapitel steht ein Zitat zu Frieden. Diese stammen von bekannten Persönlichkeiten: Kurt Tucholsky, John F. Kennedy und Voltaire sind nur einige Vertreter. Schneider geht in seinem Buch auf „neue“ und „alte“ Kriegsformen ein. Zu den alten Kriegen gehört zum Beispiel der Dreißigjährige Krieg, der hier ein ganzes Kapitel einnimmt. Dieser Teil gefällt mir besonders gut. Geschickt werden hier fiktive Geschichten und Briefe mit dem Sachtext verknüpft. Infokästen sind sinnvoll eingebunden (z.B. am Ende eines Textabschnittes). Der Leser begleitet historische Persönlichkeiten in fiktiven Dialogen. Das ist so spannend gemacht, dass auch jüngere Leser gerne am Ball bleiben.
Auch aktuelle Ereignisse greift Gerd Schneider auf. An einigen Stellen kann man zum Beispiel über den arabischen Frühligen lesen.
Zwischenzeitlich verliert das  Buch leider an Struktur. Einige Kapitel scheinen völlig zusammenhangslos eingeordnet worden zu sein. So steht zwischen dem Kapitel über den Dreißigjährigen Krieg und den Konflikten zwischen Deutschland und Frankreich ein Text über Schach und Computerspiele. An vielen Stellen unterbrechen (die durchaus wichtigen) Infokästen den Lesefluss. Hier hätte ich mir eher ein Glossar gewünscht.
Auch ließt sich das Buch gerade am Anfang wie ein Lexikon. Unter der Überschrift „Was Krieg auslösen kann“ findet der Leser eine Definition nach der anderen. Diese Definitionen sind weder anschaulich, noch leicht verständlich. Einige Begriffe muss selbst ich als angehende Politikstudentin nachschlagen. Mich hat das erst einmal abgeschreckt.
Oft findet sich in dem Buch eine Pro- und Kontra-Diskussion. Das Thema wird in der Überschrift festgelegt. Allerdings lassen sich die Aussagen nicht sofort zuordnen, da der Leser die These hinter der Überschrift suchen und dann Argumente verstehen muss. Die verschiedenen Positionen sind schwer zu verstehen, wenn man noch so gar keine Ahnung vom Thema hat. Der Autor benutzt sie aber, um in einen neuen Bereich einzuführen. Von diesen Dialogen hat man nur etwas, wenn man sie am Ende des Kapitels noch einmal liest. Dann bieten sie dem Leser sogar interessante Denkanstöße.
„Die vielen Väter des Hasses“ versucht einen Rundumschlag durch die Kriegsgeschichte vom Mittelalter bis heute zu bieten. Wirklich werden auch alle großen und wichtigen Ereignisse angesprochen. Meist geschieht dies aber in einem einzigen Satz nach dem Motto: Ein Beispiel hierfür ist der Krieg... Man kann den Krieg eben nicht auf 165 Seiten erklären. Aus diesem Grund werden ja auch viele Bücher zu nur einem einzigen Krieg geschrieben. Dieses Sachbuch eignet sich eher, um Interesse am Thema zu wecken. Es geht nicht wirklich in die Tiefe. Ob ich nun weiß, wie Kriege entstehen? Ich glaube nicht. Ich weiß jedoch, dass „jeder Krieg [...] eine Niederlage [ist]. Denn Krieg vernichtet Leben“ (K. Tucholsky).

Erschienen im Arena Verlag

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Autorin / Autor: missmarie - Stand: 6. Oktober 2011
 
 
 

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