Der Weizen gedeiht im Süden

Autorin: Erik D. Schulz

Ein normales Leben ist in Deutschland nicht mehr möglich. Große Städte sind zerstört. Das gesamte Land liegt unter einer Decke aus Schnee und Eis. Und überall herrscht eine unsichtbare Gefahr: nukleare Strahlung. Unvorstellbar?
Nicht in dem Roman „Der Weizen gedeiht im Süden“ von Erik D. Schulz. Der Allgemeinmediziner und Schriftsteller will damit auf die zunehmende Gefahr eines Atomkrieges hinweisen. Und das macht er auf den ca. 400 Seiten des Taschenbuches sehr realitätsnah und mit gründlich recherchierten Fakten. Die erste Auflage erschien 2020 im acabus Verlag.

Dabei ist die Geschichte in drei Teile und diese jeweils in mehrere Kapitel unterteilt. Nach einem Atomkrieg lebt Dr. Oliver Bertram gemeinsam mit seiner Tochter und knapp 300 weiteren Menschen in einem Bunker in den Schweizer Alpen. Seine Frau war in Südamerika als die Bomben fielen. Ob sie noch lebt, weiß Oliver nicht. Als er herausfindet, dass das Leben im Bunker aufgrund von Getreidepest und verseuchtem Wasser nicht mehr lange möglich sein wird, wagt Oliver mit seiner Tochter in einer zehnköpfigen Gruppe die Flucht aus dem Bunker. Ihr Ziel ist noch recht ungewiss; in Afrika ist vermutlich noch ein Leben möglich. Aber wie sollen sie dorthin gelangen? Neben Krankheiten, Nahrungsknappheit und der ständigen Gefahr durch die Strahlung müssen sie sich mit Plünderern und der allgegenwärtigen Kälte auseinandersetzen. Eine lange, beschwerliche Reise ins Ungewisse liegt vor der Gruppe.
Dabei wird Oliver Bertram von Selbstzweifeln und Sehnsucht nach seiner Frau geplagt; Verzweiflung und Ausweglosigkeit wechseln sich ab mit Tatendrang und Hoffnung. Neben dem puren Kampf ums Überleben geht es um Zusammenhalt, Liebe, Familie und Kameradschaft sowie die Folgen des Atomkrieges auf die Natur, Gesundheit und die gesamte Menschheit.

Trotz des spannenden Themas habe ich tatsächlich eine Weile gebraucht, bis ich in der Geschichte angekommen war. Doch dann hat sie mich komplett mitgerissen. Die Spannung des Buches ist ein ständiges Auf und Ab, Sicherheit und Ungewissheit wechseln sich nahtlos ab, schon zu Beginn des Buches geschieht ein Mord. Durch die Beschreibungen wirkt die Handlung erschreckend echt; man möchte sich eine solche Situation nicht vorstellen, aber kann die Gefühle und Handlungen der Personen gut nachvollziehen; man fühlt und fiebert als Leser mit ihnen mit.

Insgesamt ist es ein sehr lesenswertes Buch, welches sich aber nicht zum Entspannen eignet. Durch seine detallierten, wohlüberlegten Beschreibungen regt es zum Nachdenken und besonders zum Weiterlesen an.


Erschienen bei acabus

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    Autorin / Autor: Inga - Stand: 29. April 2020