Den Schmerz wegsingen

Studie untersuchte, wie Musik helfen kann, mit Krankheiten umzugehen

Kennt ihr, oder? Bei Liebeskummer, schlechten Noten oder nach einem Streit mit der besten Freundin hilft es oft, unser Lieblingsstück anzuhören oder sogar laut mitzusingen. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Musik aber auch dazu beitragen kann, körperliche Schmerzen bei einer Vielzahl von Erkrankungen wie Krebs oder Arthrose zu lindern. Allerdings ist immer noch weitgehend unklar, wie und warum. Eine neue Übersichtsstudie unter der Leitung von Dr. Joke Bradt an der Drexel University, untersuchte nun biologische, psychologische und soziale Mechanismen, die die schmerzlindernde Wirkung von Musik erklären könnten und nutzte mit ihrem Forschungsteam 57 Studien für die Auswertung. Dabei fanden die Wissenschaftler:innen übereinstimmende Belege für drei vielversprechende Mechanismen, die dazu beitragen, dass musikbasierte Therapien funktionieren: dazu gehört, dass Musik eine positive emotionale Bedeutung hat, dass sie das Gefühl der Kontrolle oder Eigenwirksamkeit auslöst, besonders dann, wenn sie selbst ausgewählt wird, und wenn Musik mit eigenen Bewegungen kombiniert wird, wie beispielsweise Mittrommeln.

Mitsingen ist besser als nur Zuhören

Wenn Musik in therapeutischen Zusammenhängen zur Schmerzbewältigung eingesetzt wird, sei es daher wichtig, dass Menschen ihre eigene Musik auswählen, die ihnen gefällt und dass sie sich aktiv einbringen, indem sie mitklopfen, mitspielen oder sich zur Musik bewegen, sagte Bradt, die das Music4Pain Research Network leitet. „Die Ergebnisse unserer Studie tragen dazu bei zu erklären, warum Musik ein wirksamer, risikoarmer Ansatz für das Schmerzmanagement sein kann."
Die Studie fand außerdem heraus, dass Mitsingen wirksamer ist als das bloße Hören von Musik. „Bildgebende Untersuchungen des Gehirns ergaben, dass Musik sowohl die frühe Schmerzverarbeitung im Gehirn als auch übergeordnete kognitive und emotionale Reaktionen auf Schmerzen beeinflussen kann.“

Durch ein besseres Verständnis der Mechanismen, wie Musik Schmerzen beeinflusst, können gezieltere, personalisierte und wirksamere musikbasierte Therapien für Menschen entwickelt werden, die unter akuten oder chronischen Schmerzen leiden, erklärte Bradt.

Allerdings ist die Erforschung der Auswirkungen von Musik auf Schmerzen nicht so einfach, weil sowohl Musik als auch Schmerzen sehr komplex sind. Es müsste mehr Studien dazu geben, welche Wirkung aktives Musizieren oder Singen auf chronische Schmerzen hat. Die Erforschung der Mechanismen, die dem aktiven Musizieren zugrunde liegen, sei aber viel anspruchsvoller als die des Musikhörens. Beim bloßen Zuhören sei es wesentlich einfacher, bildgebende Untersuchungen des Gehirns durchzuführen als beim aktiven Musizieren, da man beim Musikhören in der Regel  besser still sitzen kann.
Die positiven Wirkungen von „aktivem“ Musikgenuss sind jedoch auch jetzt schon sichtbar. In vielen klinischen Praxen setzen Musiktherapeut:innen deshalb hauptsächlich auf aktives Musizieren; daher sei es wichtig, dass Forscher:innen diese Arbeit vertiefen, um die Mechanismen besser zu verstehen.

Die Studie  wurde kürzlich in „PAIN Reports“ veröffentlicht.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: LizzyNet - Stand: 10. September 2026