Deine Laune ist auch meine

Studie untersuchte, wie Teenager Stimmungen von Freund_innen auffangen

Die meisten von uns kümmern sich um ihre Freund_innen, wenn es ihnen schlecht geht. Wir trösten, heitern auf und fühlen mit. Aber: es geht oft so weit, dass wir uns hinterher genauso fühlen wie die Person, der wir helfen wollten. Das zeigen jetzt auch Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie der Universitäten Oxford und Birmingham, nach der Teenager Stimmungen von Freund_innen auffangen und schlechte Stimmungen ansteckender sind als gute.

Die Autoren Dr. Per Block von der Uni Oxford und Dr. Stephanie Burnett Heyes von der University of Birmingham kommen zu dem Schluss, dass fast jeder Mensch davon beeinflusst wird, wie sich andere um ihn herum fühlen. Stimmung sei nunmal ansteckend, und das in beide Richtungen - also sowohl positiv als auch negativ. Allerdings scheinen schlechte Stimmungen ansteckender zu sein als gute Laune.

An der Studie nahmen 79 Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren in zwei Gruppen teil. Jede Gruppe befand sich auf einer kurzen Tournee, bei der sie klassische Musik aufführte. Dabei sollten die jungen Musiker_innen täglich Stimmungen und soziale Interaktionen aufzeichnen. Dieses Setting machte es möglich, dass die Forscher_innen sehr gut beobachten konnten, wer mit wem interagierte und wie sich das auf die anderen auswirkte, weil alle die gleiche Umgebung erlebten und ihre Zeit gemeinsam verbrachten.

"Wir sahen zuerst die Interaktion und dann, wie sich die Stimmung anglich. Da sich die Stimmung häufig ändert und von verschiedenen Umweltfaktoren beeinflusst wird, die sich von Person zu Person unterscheiden, ist es für viele Studien schwierig, umfassende Daten zu sammeln. Aber da unsere Teilnehmer_innen zusammenlebten, haben wir auch diese Herausforderung gemeistert", so die Forscher_innen.

Die bei beiden Gruppen identischen Ergebnisse widersprechen teilweise Erkenntnissen aus früheren Forschungen. Diese hatten nämlich nahegelegt, dass gute Stimmung ansteckender sei als schlechte, und dass schlechte Stimmung mit sozialem Rückzug verbunden sei. In der vorliegenden Untersuchung gab es dagegen keine Hinweise darauf, dass sich Jugendliche, die sich schlecht fühlen, auch vor anderen zurückziehen. Zum Glück gab es auch keine Hinweise darauf, dass Stimmungen über die Beliebtheit entscheiden. Das heißt, oft schlechtgelaunte oder traurige Jugendliche werden nicht weniger gemocht als die Sonnenscheine - auch wenn sich das oft für die Betroffenen gar nicht so anfühlt.

Dr. Burnett Heyes: "Diese Studie wirft so viele offene Fragen auf, besonders in Zeiten von COVID-19, wie zum Beispiel: Was verlieren wir, wenn die Interaktion nicht von Angesicht zu Angesicht stattfindet, und was bleibt erhalten? Und schließlich: Wenn es allen schlecht geht, ist es dann emotional zu riskant, mit anderen in Kontakt zu treten und sich möglicherweise deren schlechte Stimmung 'einzufangen'?"

Wir glauben, dass Menschen in erster Linie soziale Wesen sind und im Ernstfall immer bereit sind, auf andere zuzugehen, auch wenn die eigene Stimmung vielleicht dadurch sinkt. Was meint ihr?

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Autorin / Autor: Redaktion /Pressemitteilung