Das schönere Geschlecht

Studie: Frauengesichter werden attraktiver bewertet als Männergesichter - weltweit und von allen Geschlechtern

Bild: Sarema Babayeva

In der Tierwelt gelten oft die Männchen als das "schöne Geschlecht", keine Wunder, denn sie haben oft auffälligere und attraktivere Merkmale wie zum Bespiel die bunteren Federn. Das auffälligste Beispiel ist wohl der Pfau. Beim Menschen gelten hingegen Frauen als das „schöne Geschlecht“ - und das nicht nur weil sie sich oft auffälliger kleiden, sondern allein schon ihr Gesicht. Warum ist das so? Eine neue, groß angelegte Studie unter Leitung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) in Frankfurt am Main liefert nun erstmals klare empirische Befunde.

Das internationale Forschungsteam analysierte die Daten von über 28.500 Studienteilnehmer:innen mit insgesamt mehr als eineinhalb Millionen Bewertungen von Gesichtern aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Dabei zeigte sich, dass Gesichter von Frauen im Durchschnitt als attraktiver bewertet werden als die von Männern. Dieser Effekt, den die Autoren der Studie als „Gender Attractiveness Gap“ (GAP) bezeichnen, tritt unabhängig von Alter, kulturellem Hintergrund oder Herkunft auf.

Besonders interessant war für das Forschungsteam, dass Frauen andere Frauen deutlich attraktiver bewerten als Männer, während männliche Gesichter von beiden Geschlechtern ähnlich – und insgesamt relativ niedrig – bewertet werden. "Der Unterschied besteht also nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch innerhalb derselben Geschlechtsgruppe“, berichtet Erstautor Eugen Wassiliwizky vom MPIEA.

Das Team stellte auch fest, dass dieser Effekt verschwindet, wenn sich Menschen selbst bewerten: Männer und Frauen unterscheiden sich nicht, wenn sie ihre eigene Attraktivität einschätzen sollen. Allerdings urteilen Männer insgesamt kritischer als Frauen. Im Vergleich zum GAP ist dieser Effekt jedoch deutlich schwächer und abhängig von der kulturellen Sozialisierung.

Um besser zu verstehen, woher dieses Muster kommt, untersuchten die Forscher:innen auch objektive Merkmale der Gesichter. Mithilfe morphometrischer Analysen – also einem Verfahren mit dem man Gesichtsstrukturen vermisst – bestimmten sie, wie feminin oder maskulin ein Gesicht ist. Die Ergebnisse zeigen, dass Unterschiede in dieser geschlechtstypischen Gesichtsstruktur einen erheblichen Teil des Phänomens erklären.

Insgesamt zeigt die Studie, dass menschliche Urteile über Schönheit nicht allein eine Frage individueller Vorlieben sind. Sie entstehen aus einem Zusammenspiel von biologischen Merkmalen, individuellen Bewertungsmustern und sozialen Einflüssen. Der „Gender Attractiveness Gap“ weist darauf hin, dass es systematische Unterschiede in der Wahrnehmung von Männern und Frauen gibt. Dieses Phänomen wurde bislang zwar oft vermutet, aber nie empirisch belegt. Die Ergebnisse zeigen nun erstmals ein globales Muster.

Die Studie fußt auf der bislang größten Datensammlung zur Bewertung von Gesichtsattraktivität weltweit. Um Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten und zukünftige Forschung zu unterstützen, stellen die Forscher alle Daten und Analysen öffentlich zur Verfügung.
Die Ergebnisse sind soeben in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B erschienen.

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Autorin / Autor: Redaktion  / Pressemitteilung - Stand: 2. Juni 2026