"Chemiecocktail mit Ansage"
Deutsche Umwelthilfe schickt Ultra-Fast-Fashion von Shein ins Labor: In 15 von 18 Produkten befinden sich problematische oder verbotene Chemikalien. Auch Kinderkleidung ist betroffen.
Die Preise und die Auswahl sind einfach zu verlockend. Tausende Damen-Tops für 7,49 € oder Kleider für 11,20 €. Wie wäre es mit einem "figurbetonten" Tank-Top Shirt mit Rock für "Kleinkind Mädchen" für 9,49 €? Selbst wenn man die drängende Frage ausblendet, wie Kleidung zu diesen Preisen überhaupt produziert werden kann und auch die Augen vor den sehr seltsamen Beschreibungen verschließt, sollte einem der Spaß an den Billigklamotten spätestens dann vergehen, wenn man (mal wieder) hört, was alles darin steckt.
5 von 18 Produkte des Ultra-Fast-Fashion-Konzerns Shein enthalten Schadstoffe oder auffällige chemische Produktionsrückstände – knapp 40 Prozent der untersuchten Artikel verstoßen gegen geltende EU-Chemikalienvorschriften und dürften demnach gar nicht verkauft werden. Das zeigen aktuelle Labortests im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH). In einem Damenstiefel wurde beispielsweise die zulässige Höchstmenge des fortpflanzungsschädigenden Weichmachers Diethylhexylphthalat (DEHP) um das 179-fache überschritten.
PFAS-Ewigkeitschemikalien, Weichmacher, organschädigende und krebserregende Schwermetalle
Bei den auf besonders problematische PFAS-Ewigkeitschemikalien untersuchten Produkten überschritten sogar 75 Prozent die EU-Grenzwerte. In einer speziell für Jugendliche beworbenen Kapuzenjacke wies das akkreditierte Labor einen PFAS-Stoff in einer Menge nach, die mehr als 12.000-fach über dem erlaubten Grenzwert liegt. In den Textilien auch gerade für Kinder und Jugendliche finden sich neben PFAS-Chemikalien auch organschädigende und krebserregende Schwermetalle wie Blei, Chrom und Nickel, weitere fortpflanzungsschädigende Weichmacher sowie das lebertoxische Lösungsmittel Dimethylformamid (DMF).
Die DUH fordert Shein nun per Unterlassungsantrag auf, die umwelt- und gesundheitsschädlichen Produkte von ihrer Online-Plattform zu nehmen.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Die Kleidung von Shein ist ein giftiger Chemiecocktail mit Ansage. Der Ultra-Fast-Fashion-Konzern macht Profite mit immer mehr Billigmode in immer kürzeren Abständen auf Kosten von Umwelt, Gesundheit und Ressourcen. Doch das eigentliche Problem steckt nicht im Stoff – sondern im System." Die DUH fordert Bundesumweltminister Schneider auf, solchen Ultra-Fast-Fashion-Modellen mit dem neuen Textilgesetz konsequent entgegenzutreten. Er hatte beim EU-Umweltrat in Brüssel zu Recht gefordert, dass billige Wegwerfkleidung keinen Wettbewerbsvorteil mehr haben dürfe, müsse das jetzt aber auch zu Hause umsetzen. Hierzu müsse er "konsequent die Herstellerbeiträge an verbindliche Umweltkriterien knüpfen. Wenn Unternehmen giftige, kurzlebige und schwer recycelbare Fast-Fashion-Produkte auf den Markt bringen, dann sollten diese drastisch höhere Beiträge zahlen müssen als Hersteller langlebiger, schadstoffarmer und kreislauffähiger Textilien,“ fordert die DUH.
Viola Wohlgemuth: "Wofür haben wir Chemikalien-Grenzwerte, wenn sie nicht eingehalten werden?"
Viola Wohlgemuth, Senior Expertin für Textilien und Kreislaufwirtschaft der DUH: „Giftige Chemikalien sind kein Betriebsunfall. Sie sind der Preis eines Geschäftsmodells, das auf maximale Geschwindigkeit setzt. Wofür haben wir Chemikalien-Grenzwerte, wenn sie nicht eingehalten werden? Die Europäische Union und die Bundesregierung müssen jetzt konsequent dafür sorgen, dass Plattformen, die wiederholt gegen europäische Produkt- und Chemikalienvorschriften verstoßen, wirksam sanktioniert und bei wiederholten Verstößen vom Markt ausgeschlossen werden.“
Think twice
Wenn ihr also demnächst verlockt seid, euch mit Tonnen von Billigklamotten einzudecken, dann überlegt euch lieber drei mal, ob ihr diesen Giftcocktail wirklich auf der Haut tragen wollt. Die Klamotten mögen supergünstig sein, könnten eure Gesundheit aber teuer zu stehen kommen.
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung; Bild: Laura Pizzini - Stand: 3. Juli 2026