Canvas (Cryptos, Band 2)

Autorin: Ursula Poznanski

Was wäre, wenn unsere eigene Welt irgendwann so unattraktiv geworden ist, dass wir lieber in künstlichen Welten leben? Genau diese Vorstellung fand ich beim Lesen von Ursula Poznanskis „Canvas“ besonders spannend. Während Umweltkrisen, Ressourcenknappheit und soziale Ungleichheiten das Leben außerhalb prägen, verbringen viele Menschen ihre Zeit in digitalen Welten, die schöner, sicherer und grenzenloser erscheinen als die Realität.
Aber kann eine künstliche Welt irgendwann wirklich schöner sein als die reale? Und was passiert, wenn wir anfangen, unsere eigene Realität immer weniger auszuhalten und lieber in eine digitale Welt flüchten? Und wer entscheidet eigentlich darüber, welche Welten wir sehen und welche Wahrheiten verborgen bleiben?

Genau diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Romans. Dabei verbindet Ursula Poznanski eine spannende Handlung mit Themen, die heute aktueller wirken denn je. Besonders gut hat mir an dem Buch gefallen, dass Poznanski nicht einfach nur die klassische Frage stellt, ob Technologie gut der schlecht ist. Vielmehr musste ich beim Lesen immer wieder darüber nachdenken, wie schnell wir uns an technische Möglichkeiten gewöhnen und irgendwann vielleicht gar nicht mehr merken, wie sehr sie unseren Alltag bestimmen. Und auch die Folgen des Klimawandels sind keine fernen Zukunftsversionen mehr, sondern Entwicklungen, die bereits begonnen haben.

Besonders interessant finde ich die Verbindung von technologischer Innovation und gesellschaftlichen Problemen. Die virtuellen Welten bieten Freiheit und unbegrenzte Möglichkeiten, gleichzeitig werfen sie die Frage auf, ob sie nicht auch zur Flucht vor den Herausforderungen der realen Welt werden. Dadurch regt das Buch immer wieder dazu an, über das eigene Verhältnis zu Technik, Medien und Realität nachzudenken.

Vor allem die Vorstellung, dass Menschen eines Tages lieber in digitalen Welten leben könnten als in ihrer tatsächlichen Umgebung, hat mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Können virtuelle Räume ein Ersatz für echte Erfahrungen, Beziehungen und Natur sein? Oder riskieren wir dabei, den Bezug zu unserer Umwelt und zu uns selbst zu verlieren?

Für mich zeigt „Canvas“ eindrucksvoll, wie eng die Zukunft von Technologie und Gesellschaft miteinander verknüpft ist. Der Roman macht deutlich, dass technischer Fortschritt zwar enorme Chancen bietet, gleichzeitig aber auch neue Fragen nach Verantwortung, Freiheit und Wirklichkeit aufwirft. „Canvas“ ist spannend, nachdenklich und erschreckend aktuell, eine klare Leseempfehlung für alle, die sich für Zukunftsfragen und die Auswirkungen moderner Technologien interessieren.

Erschienen bei Loewe

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Autorin / Autor: Sarah S. - Stand: 15. September 2026