Big mother is watching you
US-Umfrage: Viele Eltern verfolgen den Standort ihrer Kinder noch, wenn diese erwachsen sind
Viele Eltern wollen wissen, wo sich ihre Kinder befinden. Sind sie in Sicherheit? Sind sie da, wo sie sein sollen? Dank all der Tools, die das Standort-Teilen ermöglichen, ist der elterliche Kontrollwille auch gut umsetzbar. Aber was passiert eigentlich, wenn die Kinder volljährig werden? Thematisieren die Eltern dann ein Ende des Trackings? Oder lassen sie es still und leise weiterlaufen?
Eine Umfrage unter 1.542 US-amerikanischen Eltern der University of Michigan zum Thema Kindergesundheit hat gezeigt, dass die Hälfte der Eltern auch den Standort ihres jungen erwachsenen Kindes im Alter von 18 bis 25 Jahren zumindest gelegentlich verfolgt. Der kuriose Nebeneffekt: ein Viertel der Eltern, die ihre Kinder dann immer noch tracken, fühlt sich dadurch eher beunruhigt als beruhigt.
Getrackt werden häufiger junge Erwachsene zwischen 18 und 20 Jahren und vor allem eher die Töchter als die Söhne. In vielen der befragten Familien wird die Ortung nicht nur gelegentlich genutzt, sondern ist eine ständige Begleiterscheinung: Mehr als zwei Drittel der Eltern, die die Ortung nutzen, geben an, dass die Funktion immer aktiviert ist. Weniger als ein Drittel nutzt die Ortung nur in bestimmten Situationen.
Sicherheit und Beruhigung als Hauptgründe
Der häufigste Grund, den Eltern für die Standortverfolgung angeben, ist die eigene Beruhigung (auch wenn das ja offensichtlich nicht immer gut funktioniert). Die meisten sagen, sie nutzten Standortfreigabefunktionen, um sich hinsichtlich der Sicherheit ihres Kindes sicher zu fühlen oder für den Notfall vorbereitet zu sein, während etwa jeder Fünfte angibt, dass es ihnen hilft zu wissen, wann ein guter Zeitpunkt für einen Anruf ist.
Ein geringerer Prozentsatz gibt an, die Funktion zu nutzen, um über die Aktivitäten ihres Kindes auf dem Laufenden zu bleiben oder um sicherzustellen, dass es sich an Orten aufhält, die die Eltern gutheißen. Bemerkenswert ist, dass 11 % der Eltern, die den Standort ihres Kindes verfolgen, angeben, keinen konkreten Grund dafür zu haben.
Die Autor:innen der Umfrage werfen die Frage auf, ob diese Art der elterlichen Kontrolle noch angemessen ist. Sie empfehlen zu überdenken, dass junge Erwachsene die Sicherheitsfunktionen ihres Smartphones auch ohne Eltern nutzen können, etwa indem sie ihren Standort mit engen Freund:innen teilen, wenn sie nachts allein unterwegs sind.
In der Umfrage zeigte sich auch, dass die Standortteilung in den meisten Fällen auf Gegenseitigkeit beruht. Kinder konnten demnach auch den Standort ihrer Eltern verfolgen. Die Forscher:innen empfehlen Eltern für sich zu überprüfen, wie sich das eigentlich anfühlt, wenn jemand immer genau weiß, wo man ist. Und diese Einsicht dann nutzen - etwa um ihren Kinder etwas mehr Privatsphäre zuzugestehen.
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 16. Juni 2026