Besorgniserregende Substanzen

Studie der ETH Zürich: Ein Viertel aller in Plastik vorkommenden Chemikalien sind bedenklich

Plastikmonster von Greenpeace

Plastik, Plastik, Plastik. Kaum ein Thema dominiert die mediale Diskussion um Umweltbelastungen so sehr wie Kunststoffe. Umso seltsamer, dass die Vielzahl an Chemikalien, die in ihnen vorkommen, bislang nicht hinreichend untersucht sind. Forschende um Stefanie Hellweg von der ETH Zürich haben darum in einer großen Studie rund 10.500 Chemikalien in Plastik unter die Lupe genommen, darunter solche aus Verpackungen (auch mit Lebensmittelkontakt), Kinderspielzeug, medizinischen Gegenständen und Textilien. Von den 10.500 identifizierten Substanzen ordneten die Forschenden 2480 Stoffe oder 24 Prozent als potenziell besorgniserregend ein. Diese sind entweder nicht abbaubar, reichern sich im Organismus an oder sind toxisch. Bei etwa der Hälfte handele es sich um Chemikalien, die in der EU oder den USA in großen Mengen produziert werden. Helene Wiesinger, Doktorandin am Lehrstuhl für Ökologisches Systemdesign und Erstautorin der Studie, erklärt, diese Stoffe seien häufig für Wasserlebewesen giftig, verursachten Krebs oder schädigten bestimmte Zielorgane. Bemerkenswert sei, "dass viele der fraglichen Substanzen kaum kontrolliert oder unzulänglich beschrieben sind". Tatsächlich werden 53 Prozent aller potenziell bedenklichen Stoffe weder in den USA, der EU noch in Japan reguliert. Hingegen sind 901 gefährliche Substanzen in diesen Regionen für die Verwendung in Kunststoffen mit Lebensmittelkontakt zugelassen. Schließlich fehlen bei etwa 10 Prozent der identifizierten potenziell besorgniserregenden Stoffe wissenschaftliche Studien.

Deutlich mehr Plastik-Chemikalien potenziell gefährlich

Bisher hatte sich die Forschung vornehmlich auf bekannterweise in Kunststoffen vorkommende Stoffe konzentriert wie etwa Weichmacher oder Flammschutzmittel. Es gebe aber schon länger Hinweise, dass weltweit deutlich mehr Plastik-Chemikalien potenziell gefährlich sind. Die Forschenden waren von der unerwartet hohen Anzahl potenziell gefährlicher Stoffe dennoch negativ überrascht. Sie können Ökosysteme belasten, negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben und auch Probleme beim Recycling bereiten.

Vor allem die mangelnde Transparenz fanden die Forschenden problematisch, die bei ihrer Detektivarbeit mehrere kritische Wissens- und Datenlücken entdeckt hatten.
Für ihre Studie durchforsteten sie in über zweieinhalb Jahre lang mehr als 190 öffentlich zugängliche Verzeichnisse und Datenquellen aus Forschung, Industrie und von Behörden; lediglich 60 Verzeichnisse enthielten ausreichende Informationen über Zusätze in Plastik. Dies erschwere Verbraucher_innen letztlich, sichere Kunststoffprodukte zu wählen, kritisieren die Forscher_innen. Aus Sicht der Forschenden wäre hier ein globales Chemikalien-Management erforderlich, das transparent und unabhängig ist und einen offenen und niederschwelligen Zugang zu gesicherten Informationen biete.

Die Studie ist im Fachmagazin Environmental Science & Technology erschienen.

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Autorin / Autor: Redaktion / Medienmitteilung