Bambusbecher? Mangelhaft!

Gut gemeint, schlecht gemacht: Coffee-to-go-Becher aus Bambus sind in mehrfacher Hinsicht problematisch. Die Stiftung Warentest verteilte schlechte Noten, der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert ein Verbot.

Symbolbild

Wer auf seinen Coffee-to-go nicht verzichten kann, aber die Umwelt nicht mit Wegwerfbechern belasten will, nimmt einen Mehrwegbecher. Das Angebot ist riesig und gerne greift man da zu einem, der aus einem natürlichen Stoff hergestellt wird und als 100% recyclebar beworben wird. Becher aus Bambus sind hier allerdings keine gute Wahl, wie gerade die Stiftung Warentest herausgefunden hat. Die Untersuchung von 12 getesteten Bambus-Bechern zeigt, dass keiner davon ohne Kunststoff auskommt. Denn tatsächlich bestehen die Becher aus fein gemahlenen Bambusfasern und die brauchen einen Klebstoff, um zusammenzuhalten. Die Tester fanden in allen Bechern Melaminharz, eine Mischung aus Melamin und Formaldehyd. Melaminharz gilt bei ordentlicher Verarbeitung als nicht problematisch, wenn es nicht gerade über 70 Grad erhitzt wird.

Teilweise hohe Werte von Melamin und Formaldehyd in der Flüssigkeit
Die Tester füllten also die Bambusbecher mit einer leicht sauren, heißen Flüssigkeit – so, wie Kaffee auch eine ist - und analysierten dann, wie viel Melamin und Formaldehyd nach drei und sieben Abfüllungen in die Flüssigkeit überging. Das Ergebnis: In vier der zwölf Becher fanden die Tester_innen bereits nach drei Abfüllungen sehr hohe Gehalte von Melamin, in drei weiteren nach der siebten Befüllung. Auch Form­aldehyd wurde in teils hohen Mengen in der Flüssig­keit gefunden. Es zeigte sich zudem, dass die Werte nach der siebten Nutzung noch höher lagen, sich also auch nach längerem Gebrauch nicht verflüchtigen. Da sowohl Melamin als auch Formaldehyd als gesundheitsgefährdend gelten, empfehlen die Tester: Finger weg von solchen Bambusbechern. Insgesamt wurden 6 Becher als mangelhaft bewertet, andere erhielten schlechte Noten für irreführende Darstellungen. Lediglich ein Produkt war "ohne Auffälligkeiten". 

Abbaubar? Von wegen!
Zudem seien die Becher anders als behauptet keineswegs biologisch abbaubar oder besonders umweltfreundlich. Was für Bambus zwar stimme, stimme nicht für den Kunststoff, der ihn zusammenhält. Weil die Mischung sich auch nicht wieder auftrennen lasse, können die Becher auch nicht recycelt werden.

Verbraucherzentrale Bundesverband: Hersteller sollen vor Verkauf Sicherheit nachweisen
Angesichts der Ergebnisse fordert nun der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ein Verbot solcher Produkte. Denn bereits 2018 und 2019 seien insgesamt 37 Bambusgeschirr-Proben untersucht wurden, dabei überschritten alle den Formaldehydgrenzwert und eine auch den Grenzwert für Melamin. Der vzbv fordert darum eine "Vorführpflicht" für Bedarfsgegenstände aus Bambus, wenn sie für Lebensmittel verwendet werden sollen. Dadurch müssten Importeure und Hersteller solcher Gegenstände nachweisen, dass diese sicher sind, bevor sie verkauft werden dürfen. Auch bei Aussagen zu Recyclingfähigkeit und Kompostierbarkeit müsse sich etwas ändern. Damit klar erkennbar sei, woraus Geschirr besteht, sollten Hersteller verpflichtet werden, die verwendeten Materialien am Produkt anzugeben, so die Verbraucherschützer_innen.

Zum Glück gibt es gute Alternativen für Mehrwegbecher. Für heiße Flüssigkeiten eignen sich besonders wiederverwendbare Becher aus Edelstahl, Porzellan oder Glas - und wenn es unbedingt Plastik sein soll, dann ein schadstoffarmes Plastik wie Polypropylen (PP).

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 25. Juli 2019
 
 
 

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