Anonym, aber sozial

Menschen zeigen ihre Gefühle im Internet ähnlich wie außerhalb des Internets. Auch dann, wenn sie unter einem Pseudonym unterwegs sind.

Stimmt es wirklich, dass die Anonymität im Internet dazu führt, dass alle Hemmungen fallen und man sich vor Pöbeleien nicht mehr retten kann? Nein, die große Mehrheit der Teilnehmer von Internet-Chats verhält sich auch im Schutz eines Pseudonyms nach den gängigen sozialen Normen. Sie reagieren zumeist positiv, weniger häufig neutral und nur selten negativ. Damit ist die Diskussion in Chatrooms absolut vergleichbar mit anderen Formen der zwischenmenschlichen Kommunikation. Zu diesem Schluss kamen ETH-Forscher unter der Leitung von Frank Schweitzer, Professor für Systemgestaltung, in einer neuen Studie.

Die Wissenschaftler werteten für ihre Arbeit die Diskussionsbeiträge – die sogenannten Posts – aus, die Nutzer während eines guten Monats in verschiedenen Chat-Kanälen veröffentlicht haben, die zu einem großen Netzwerk gehören (EFNET). In diesen Chats äußern Nutzer ihre Meinung nicht unter ihrem richtigen Namen, sondern unter einem Pseudonym. Insgesamt flossen über 2,5 Millionen Posts von mehr als 20 000 Nutzern in die Auswertung. Jeden einzelnen Post ordneten die Wissenschaftler einer emotionalen Grundstimmung zu: von negativ über neutral bis positiv. Sie benutzten dazu einen ausgeklügelten Computeralgorithmus, der unter anderem Schlüsselwörter auswertet sowie den Kontext, in dem sie stehen. Die Themen der untersuchten Chat-Kanäle waren vielfältig und reichten von Fussball und Computerproblemen bis hin zu politisch gefärbten Fragen wie dem Hanfanbau.

Nur wenige Stänkerer
In der Auswertung stellten Schweitzer und seine Kollegen fest, dass die Mehrheit der Nutzer in ihren Posts tendenziell positive Emotionen ausdrückt, und zwar unabhängig vom Thema des Kanals. «Das entspricht offensichtlich dem menschlichen Kommunikationsverhalten», sagt Schweitzer. «Es ist interessant, dass Menschen dieses Verhalten auch im Schutz eines Pseudonyms beibehalten.»

Die Mehrheit äußert sich in den Chats selbst dann positiv, wenn sie auf negative Äußerungen von anderen Diskussionsteilnehmern antwortet. Insgesamt konnten die Wissenschaftler anhand der Daten eine bemerkenswerte Beständigkeit in den Emotionen der Nutzer zeigen. Nur wenige Nutzer zeigen sich emotional launisch. Noch kleiner ist die Gruppe der notorischen Stänkerer, deren Beiträge durchweg negativ sind.

Schnelle Antworten
Die Forscher untersuchten außerdem, wie lange die Nutzer brauchten, um auf Nachrichten im Chat zu antworten. Dabei stellten sie fest, dass diese Aktivität einem weitverbreiteten Kommunikationsmuster folgt, das mathematisch beschrieben werden kann. In den Online-Chats antworteten 88 Prozent innerhalb von weniger als einer Minute. Nur 0,2 Prozent der Antworten erfolgten später als eine halbe Stunde. Schweitzer und seine Kollegen können die Ergebnisse ihrer Auswertung auch in einem Modell reproduzieren, welches das Kommunikationsverhalten der Nutzer mathematisch beschreibt. Zwar ist es damit nicht möglich, das Verhalten jedes einzelnen Nutzers vorherzusagen, wohl aber das Verhalten der Nutzergemeinde als Ganzes. «Anders als oftmals vermutet, können wir also durch Modelle sehr gut beschreiben, wann und wie Nutzer im Internet auf emotionale Information reagieren und wie dadurch Kommunikation entsteht», sagt Schweitzer.

Programme mit emotionaler Intelligenz
Mit ihren Modellen wollen die Wissenschaftler unter anderem verstehen, wie neue Internet-Massenphänomene mit starker emotionaler Komponente zustande kommen. Beispiele dafür sind Kampagnen, wie sie in den letzten Jahren über Facebook geführt wurden. Die Erkenntnisse der Forscher könnten bald in Computerprogramme einfließen, die zum Beispiel selbstständig auf emotional aufgeladene Diskussionen im Internet reagieren und Spannungen abbauen, aber auch depressive Störungen von Nutzern erkennen oder in emotional aufgeladenen Konflikten vermitteln.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Fabio Bergamin/ETH Life
 
 
 

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