"Draußen Musik machen"

Sie machen Musik, wie sie ihnen gefällt. Sie sind Musiker aus Leidenschaft und wollen sich nicht verbiegen (lassen). Deshalb nehmen sie das ganze Drumherum selbst in die Hand: Sie produzieren ihre Songs selbst und lieben es, auf der Straße zu spielen – gerne auch mal ganz spontan. Jetzt haben sie ihr erstes Album herausgebracht - natürlich in Eigenregie.

Bild: [c] Fabien Raclet

AnnenMayKantereit - das sind Christopher Annen (Gitarre und Mundharmonika), Henning May (Gesang und Klavier) und Severin Kantereit (Schlagzeug, Cajón). Und nun ist auch geklärt, wie der etwas ungewöhnliche Name zustande gekommen ist. Über ihren Youtube-Kanal sind die drei auch über Köln hinaus bekannt geworden, wo sie zuerst als Straßenmusiker von sich reden gemacht haben. Ihre selbstinszenierten Musikvideos (gefilmt von Martin Lamberty) und Clips über Liveauftritte in der Fußgängerzone haben der Band mittlerweile zahlreiche Fans beschert. Wir haben AnnenMayKantereit zu ihrer Musik, ihrer Erfolgsgeschichte und ihrem ersten Album befragt.

AnnenMayKantereit im Interview:

Wie hat das mit euch als Band angefangen?
Wir drei haben uns in der Schule (Schiller-Gymnasium, Köln-Sülz) kennen gelernt. Henning und Severin waren in der selben Stufe, Christopher hat ein Jahr früher Abi gemacht. Christopher hat ein Konzert organisiert, bei dem Henning auch immer aufgetreten ist. Richtig angefangen hat es aber erst nach der Schule. Weiberdonnerstag 2011, als Henning und Christopher von Donnerstag morgen bis spät in die Nacht Straßenmusik gemacht haben. Severin kam wenige Wochen später auch fest dazu. Seit dem sehen wir uns fast täglich und arbeiten an der Musik.
 
Was lernt man, wenn man auf der Straße beginnt, Musik zu machen bzw. diese dem Publikum zu präsentieren?
Man lernt vorallem einfach seine Musik zu machen, für alle, auf Hut. Es kostet schon immer wieder ein wenig Überwindung. Die Leute gehen ja nicht in die Stadt um Musik zu hören, sind oft im Stress und genau diese Leute dazu zu bewegen, stehen zu bleiben und zu zuhören, ist nicht so einfach. Ein wichtiger Punkt ist, dass man ganz unmittelbar den Reaktionen der Leute ausgesetzt ist: wir hatten da schon viele lustige Situationen, angefangen bei einem kleinen Kind, das uns immer Geld aus dem Koffer genommen hat, über ein altes italienisches Paar, das vor uns angefangen hat zu tanzen, bis hin zu Ladenbesitzern, die meinten, wir sollten jetzt endlich machen, dass wir weiter kommen.
 
Könnt ihr von eurer Musik leben?
Wir arbeiten dran. Ist aber nicht so einfach. Mal hat man einen Monat viele Konzerte, aber zwischendurch ist halt auch mal wenig los.
 
Was haltet ihr von Castingshows?
Nicht so viel. Die meisten, die da mitmachen, wollen einfach schnell bekannt werden. Wir wollen das lieber langsam aufbauen. Man kann nicht mit Konzerten vor ein paar tausend Leuten anfangen, da fehlt einem einfach ganz viel live-Erfahrung, aus vielen kleinen Club-Gigs. Außerdem gehts bei den allermeisten Casting-Shows halt mehr um die Show, als um die Musik und das entspricht ebenfalls nicht unserer Vorstellung.
 
Was ist das Besondere an eurem ersten Album, das vor kurzem erschienen ist?
Unser erstes Album ist komplett in Eigenregie und vor allem live entstanden. Die erste Hälfte haben wir draußen auf einem alten Bahnsteig aufgenommen, die zweite Hälfte in einer kleinen Galerie in Köln-Sülz. Uns war wichtig unseren "Straßen-Sound" so gut es geht aufs Album zu packen. Mit dem Ergebnis waren wir sehr zufrieden.
 
Wovon handeln eure Songs? Wovon lasst ihr euch inspirieren?
Neben der Musik sind wir drei auch sehr gut befreundet. Wir reden über Dinge, die uns gerade beschäftigen, das können Alltagstehmen sein, oder ein guter Film, dann fällt irgendwann eine schöne Zeile und daraus entsteht dann ein Song. Das dauert aber meistens was, bis dann der fertige Text auf dem Papier steht.
Wir schreiben alle auch unabhängig von einander. Manchmal kommt dann einer von uns mit einem eigenen Text an. Henning hat da sicherlich den größten Anteil, er singt das am Ende ja auch.
 
Ihr macht alles selbst, habt kein Plattenlabel, das hinter euch steht. Warum?
Wir wollten uns vor allem gerade unsere Unabhängigkeit bewahren und die ganzen Abläufe, die hinter der Musik stehen selbst erleben, haben aber auch keine Angst davor, nach und nach Kompetenzen abzugeben, um uns mehr auf die Musik konzentrieren zu können. Wir schließen also nicht aus, vielleicht mal irgendwann zu einem Label zu gehen. Momentan sind wir aber ganz glücklich ohne.
 
Wird euch das nicht manchmal zu viel? Was macht ihr, um runterzukommen?
Bisher hält sich der Stress noch in Grenzen. Als wir das Album rausgebracht haben, gab es sehr viel zu tun, da haben wir dann gemerkt, wie viel Arbeit im Hintergrund tatsächlich geleistet werden muss. Aber das sind auch immer Phasen zwischendurch.
Wir treffen uns jeden Morgen, beantworten Mails und besprechen, was so ansteht und dann machen wir Musik. Dabei kommen wir immer am besten runter.
 
Wo möchtet ihr noch hin?
Wir möchten auf jeden Fall immer bessere Musiker werden, den Spaß daran nicht verlieren und vielleicht irgendwann davon leben können. Im Februar 2014 steht erstmal eine kleine Deutschland-Tour an. Berlin, Hamburg, München, Münster und Göttingen. Da freuen wir uns riesig drauf. Danach schauen wir weiter und halten euch auf dem Laufenden.

Bleibt ihr der Straßenmusik treu trotz Album und Konzertsälen? Dürfen wir hoffen, euch irgendwann mal ganz unvermutet an einer Straßenecke zu begegnen? Oder ist das jetzt endgültig vorbei?
Wir werden immer irgendwie draußen umsonst Musik machen. Das auf Hut spielen machen wir immer weniger. Auf Einkaufsmeilen und Einkaufsstraßen spielen wir auch nicht mehr so gerne, da werfen zwar die meisten Leute was in den Hut, aber es ist unglaublich anstrengend.
Wir spielen mittlerweile lieber in Parks, vor Cafes oder auf kleinen Plätzen mit ner Cola oder so. Das ist dann auch weniger "Straßenmusik", eher "Draußen Musik machen".
 
Danke für dieses Interview

Verfolgt AnnenMayKantereit im Netz

Autorin / Autor: Alina / Redaktion; Bild: Fabien Raclet - Stand: Februar 2014
 
 
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