Airpaq

Design-Rucksäcke aus Airbags und Sitzgurten

Adrian Goosses aus Köln und Michael Widmann aus Südtirol haben ein ganz besonderes Upcycling-Unternehmen aufgebaut: Mit ihrer Airpaq UG  geben sie ausgedienten oder fehlerhaften Sicherheitsgurten, Gurtschlössern und Airbags ein neues Leben als stylishem und überaus praktischem Rucksack. Die Materialien dafür holen sie sich nicht nur aus den Autowracks auf Schrottplätzen, sondern sie verwenden auch Ausschussware eines großen Airbag-Produzenten. Dadurch verarbeiten sie eine große Vielfalt von Material, was jeden Airpaq durch kleine aber bemerkbare Details zu einem echten Unikat macht.

Begonnen hat alles mit einem Uniprojekt als Adrian und Michael ihren Master in Strategic Entrepreneurship in Rotterdam starteten. Schon im ersten Kurs keimte die Idee von Airpaq auf und begleitete sie durchs Studium. Im September 2015 schnitten sie zum ersten Mal Sicherheitsgurte und Airbags aus alten Autos auf einem Schrottplatz. Wirkliche Näh- und Designkenntnisse hatten die Beiden nicht, dennoch entwickelten sie zahlreiche Prototypen und gründeten nach ihrem Abschluss die Airpaq UG.

Adrian Goosses und Michael Widmann

Nach langer Entwicklungsphase verkaufte das Kölner Startup dann auf der Crowdfunding Plattform Kickstarter im Juli 2017 seine ersten Rucksäcke. Seit Abschluss ihres Masters arbeiten Adrian und Michael pausenlos an der Verwirklichung ihres Traums. Ihre Mühen scheinen sich auszuzahlen, denn die Airpaq Crowdfunding Kampagne hatte bereits innerhalb der ersten zwei Stunden das Mindestziel von 10 000 € erreicht. „Wir saßen vor unseren Laptops und konnten es selbst kaum glauben, ein unbeschreibliches Gefühl“, schwärmt Michael Widmann. Noch innerhalb der ersten Woche stieg die Anzahl von verkauften Rucksäcken schon auf über 300 Stück.

Direkt im Anschluss stellten sie die Airpaqs bei der Ethical Fashion Show Berlin vor, einer Fachmesse zu nachhaltiger und ethisch hergestellter Mode, und ernteten durchweg positive Resonanz unter Fachbesucher_innen und Journalist_innen. Alles im allem, ein sehr gelungener Start. „Airpaq ist für uns eine absoluten Herzensangelegenheit, deshalb freut uns die positive Resonanz riesig“, sagt Adrian.

Was ist das Innovative an Airpaq aus Design- und Umweltsicht?
"Die Materialien, die wir verarbeiten, sind Abfälle, die durch eine direkte und effiziente Verarbeitung einen neuen Nutzen erhalten. Gegenüber konventionell hergestellten Produkten schaffen wir es so, den Ressourcenverbrauch maßgeblich zu reduzieren. Airbags und Sitzgurte sind entworfen, um in Extremfällen ausnahmslos zu funktionieren. Die Textilien, die für die Airbag-Produktion verwendet werden sind daher enorm strapazierfähig und eignen sich ideal für die Herstellung von langlebigen Produkten. Für unsere Kunden entsteht ein Produkt mit Geschichte und eigenem Charakter, das ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit miteinander zu vereinen. Die Nachhaltigkeit eines Produktes hängt auch davon ab, inwieweit es benutzt bzw. inwieweit es ein konventionelles Produkt ersetzen kann. Wir haben daher großen Wert darauf gelegt, dass Airpaq in den Punkten Ästhetik (Farbauswahl, Schnitt etc.) und Funktionalität (Tragekomfort, Aufteilung etc.) mit jedem konventionellen Produkt mithalten kann", so das Airpaq-Team.

Inwiefern trägt euer Produkt zur Umweltentlastung bei?
"Betrachtet man Upcycling als solches, ist eine Umweltentlastung selbsterklärend. In der Praxis ist es allerdings wichtig, diese Prinzipien in allen Punkten der Lieferkette zu durchdenken. Für unser Konzept war vor allem die Materialbeschaffung und -aufarbeitung eine Herausforderung, da unsere Ressourceneinsparungen durch viele Transportwege und zusätzliche Prozesse wie Waschen, Schneiden, etc. schnell verloren gehen können. Deswegen wählten wir als Produktionsstandort Timisoara in Rumänien, denn die Airbags und Sicherheitsgurte für unsere Produktion sind Ausschussware eines Produzenten, dessen Produktionsstandort nur 30 km von unserem entfernt liegt. Durch diese Kooperation erhalten wir Airbags und Sitzgurte nicht nur mit wenig Fahraufwand, sondern auch in einem Zustand, der wenig Aufbereitung fordert. Als EU-Mitgliedsstaat erfüllt Rumänien für uns wichtige Arbeits- und Umweltstandards. Wir haben dort einen Produzenten gefunden, der unserem Konzept entspricht und bei dem wir hochqualitative und langlebige Produkte unter besten Bedingungen produzieren. Auch für die Auslieferung zum Kunden ist die geografische Nähe zu unserem Absatzmarkt von Vorteil, da die Emissionsbelastung durch die Auslieferung ebenfalls verhältnismäßig klein ist. Im letzten Schritt des Lebenszyklus würden wir gerne ein Rücknahmesystem einführen, noch sind wir aber zu klein, um dies effizient zu gestalten.

Unser Anspruch ist es, Produkte zu erzeugen, die nicht nur nachhaltig sind, sondern durch ihr Design, ihre Geschichte und ihre Funktionalität überzeugen. Wir möchten mit dem Airpaq Menschen erreichen, die sonst konventionelle Produkte kaufen würden, dadurch sensibilisieren wir sie für einen nachhaltigeren Lebensstil. Der Rucksack ist ein ideales Vehikel, um diese Botschaft zu kommunizieren, da er als Alltagsgegenstand in der Öffentlichkeit getragen wird und auffällt. Zum Beispiel besitzt das Gurtschloss eine starke Symbolkraft, da es ein Gegenstand ist, den jeder aus seinem Alltag kennt. Es vermittelt unmissverständlich, dass ausgediente Gegenstände und Ressourcen in anderen Kontexten neue Verwendung finden können und dass Nachhaltigkeit nicht nur Gewissenssache ist, sondern faszinierend und cool sein kann. Wir sind der festen Überzeugung, dass Tätigkeiten wie Recycling/Upcycling feste Bestandteile einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Zukunft sind. Außerdem sind wir schlichtweg fasziniert von dem Charme und der Einzigartigkeit, die Upcycling-Produkte ausstrahlen.

Hätte uns jemand vor einem Jahr erzählt, wir würden zahlreiche Nächte vor einer Nähmaschine verbringen, um einen Rucksack aus Schrottautos zu designen, so hätten wir ihn oder sie ganz sicher für vollkommen verrückt erklärt. Vor diesem Projekt hatte keiner von uns beiden auch nur den geringsten Bezug zur Modewelt, und wir wären beide mit Sicherheit schon beim Annähen eines Knopfes vollkommen überfordert gewesen. Wir sind sehr gespannt wie es weiter geht."

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