Abnehmen mit ChatGPT? Keine gute Idee!
Warum Diätpläne von KI-Modellen für Jugendliche riskant sind
Immer mehr Teenager, die glauben, Gewichtsprobleme zu haben, lassen sich von ChatGPT und Co. Diätpläne zum Abnehmen erstellen. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass diese Vorschläge nicht immer ausreichend Nährstoffe enthalten und sogar gesundheitsgefährdend sein können.
Forscher:innen in der Türkei verglichen die Fähigkeiten von fünf KI-Modellen, indem sie sie Ernährungspläne für diätwillige Teenager erstellen ließen und verglichen die Ergebnisse mit den Empfehlungen einer offiziellen Ernährungsberatung. Dabei stellte sich heraus, dass die von der KI erstellten Pläne viel weniger wichtige Nährstoffe enthielten als von professionellen Ernährungsberater:innen empfohlen. „Die Anwendung solcher unausgewogenen oder übermäßig einschränkenden Ernährungspläne während der Teenagerjahre kann sich negativ auf das Wachstum, die Stoffwechselgesundheit und das Essverhalten auswirken“, warnt Dr. Ayşe Betül Bilen, Assistenzprofessorin an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Istanbul Atlas University.
Eine Mahlzeit auslassen
Mithilfe kostenloser Versionen von ChatGPT 4, Gemini 2.5 Pro, Bing Chat-5GPT, Claude 4.1 und Perplexity ließen die Forschenden Speisepläne erstellen, die das Alter, die Größe und das Gewicht der adressierten Personen berücksichtigten. Der Plan sollte für drei Tage mit drei Mahlzeiten und zwei Snacks pro Tag generiert werden. Es wurden Speisepläne für vier 15-jährige Teenager erstellt, einen Jungen und ein Mädchen, die in den Bereich Übergewicht fallen, sowie einen Jungen und ein Mädchen, die in den Bereich Adipositas fallen.
Im Vergleich zeigte sich, dass die KI-Modelle den Energiebedarf im Durchschnitt um fast 700 Kalorien niedriger berechneten als der professionelle Ernährungsberater. Dieser Unterschied, der einer vollständigen Mahlzeit entspricht, ist groß genug, um schwerwiegende klinische Folgen zu haben, warnen die Forscher:innen. „Die von KI erstellten Ernährungspläne wichen durchweg von der empfohlenen Makronährstoffbalance ab, was für Jugendliche besonders problematisch ist“, betonte Bilen.
Die KI-Diäten empfahlen eine höhere Proteinzufuhr, etwa 20 g mehr als die Ernährungsberaterin, was dazu führte, dass etwa 21–24 % der Energiezufuhr aus Proteinen (Eiweiß) stammten. Auch die von der KI empfohlene Lipidzufuhr war deutlich höher als in den von Ernährungsberatern erstellten Plänen, wobei Lipide (Fette) 41–45 % der Energiezufuhr ausmachten.
Dagegen war die Menge an Kohlenhydraten in den KI-Plänen deutlich geringer, sodass nur etwa 32–36 % der Energiezufuhr aus Kohlenhydraten stammten.
Zum Vergleich: Die US-amerikanische National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine empfiehlt, dass 30–35 % der Kalorienzufuhr aus Fetten, 15–20 % aus Eiweiß und 45–50 % aus Kohlenhydraten stammen sollten.
Ansprechende Pläne statt ausgewogene Ernährung
Zwar sind viele offizielle Leitlinien zu gesunder Ernährung online verfügbar, doch die Ergebnisse von KI-Tools scheinen nicht darauf zu basieren. „KI-Modelle sind in erster Linie darauf trainiert, Antworten zu generieren, die plausibel und benutzerfreundlich erscheinen, anstatt klinisch präzise zu sein“, so Bilen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie sich möglicherweise auf verallgemeinerte oder populäre Ernährungsempfehlungen stützen, anstatt altersspezifische Ernährungsbedürfnisse zu berücksichtigen.“
Da nicht alle Teenager Zugang zu Ernährungsberater:innen haben, die sie bei ihrer Mahlzeitenplanung unterstützen, rät das Team allen, die KI zur Erstellung von Diätplänen verwenden, zur Vorsicht. Teenager sollten übermäßig einschränkende Diäten oder Empfehlungen, die auf extrem protein- oder fettreichen Speiseplänen basieren, besser vermeiden.
Die Forscher:innen hoffen, dass ihre Ergebnisse dazu beitragen, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass KI-Tools nur begrenzte Möglichkeiten haben, ausgewogene Ernährungspläne zu erstellen. Vielmehr sollte die Entwicklung sicherer Tools gefördert werden, die sich stärker an den von Fachleuten entwickelten Richtlinien orientieren. Obwohl sich KI-Modelle rasch weiterentwickeln und seit der Analyse möglicherweise verbessert wurden, sollten sie eher als ergänzende Hilfe in der Ernährungsberatung dienen und nicht als Ersatz für professionelle Ernährungsberatung, insbesondere für gefährdete Bevölkerungsgruppen.
„Die Pubertät ist eine entscheidende Phase für das körperliche Wachstum, die Knochenentwicklung und die kognitive Reifung“, schlussfolgerte Bilen. „Eine geringere Energie- und Kohlenhydrataufnahme in Verbindung mit einem erhöhten Protein- und Fettanteil kann während der Wachstumsphase im Jugendalter Risiken mit sich bringen.“
Die Ergebnisse wurden in Frontiers in Nutrition veröffentlicht.
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 16. März 2026