Will ich mit dir gehen?

Urteil Fremder zählt bei Partnerwahl

Hat man einen neuen Freund, kann man es meist kaum abwarten, ihn der Familie und den Freunden vorzustellen. Und natürlich möchte man auch wissen, was diese von dem neuen Partner halten. Denn dass die Meinung nahestehender Personen die Partnerwahl beeinflusst, ist nichts Neues. Mögen alle den neuen Freund, findet man ihn selbst meist noch toller, mögen sie ihn aber nicht, verliert er oft schnell an Attraktivität. Nun haben die ForscherInnen um Jens Asendorpf von der Humboldt-Universität zu Berlin aber herausgefunden, dass auch die Meinung völlig fremder Menschen bei der Partnerwahl zählt.

Aus der Tierwelt ist bereits bekannt, dass diese sich auf der Suche nach einem Partner durch die Wahl ihrer Artgenossen beeinflussen lassen. In der Wissenschaft wird dies als "mate choice copying" bezeichnet.

Ob das bei den Menschen auch der Fall ist, untersuchten Jens Asendorpf und sein Team in einem Experiment mit 80 Personen (jeweils 40 Frauen und Männer). Ihre Aufgabe war es, sich ein Video anzugucken, das 16 fremde Frauen und Männer beim Speed-Dating zeigt. Nach den jeweils 3-minütigen Gesprächen, mussten die Speed-Dating-Teilnehmer auf einem Fragebogen ankreuzen, ob sie den Gesprächspartner wiedersehen möchten.
Die ProbandInnen des Experiments sollten - nachdem sie sich das Video angeschaut hatten - beurteilen, ob die Gespräche ihre Meinung nach erfolgreich verlaufen waren, wie attraktiv die beiden Gesprächspartner sich gegenseitig fanden und ob sie sich selbst mit dem Speed-Dating-Teilnehmer des jeweils anderen Geschlechts treffen würden. Dies sollten die 80 VersuchsteilnehmerInnen nach den beobachteten Speed-Datings angeben und auch noch einmal, nachdem sie die Ergebnisse der Fragebögen zu sehen bekamen.

Wie sehr sie sich dabei durch Fremde beeinflussen ließen, zeigten die Versuchsergebnisse: Auffällig war, dass sie ihre Meinung über die Personen im Video änderten, wenn diese ihrem Speed-Dating-Gegenüber besonders positiv oder negativ aufgefallen waren.

Das Interesse der männlichen Versuchsteilnehmer, die Frauen aus dem Video kennenzulernen, stieg nach der Betrachtung des Videos deutlich an. Gesteigert wurde es aber noch, wenn der männliche Speed-Dating-Gesprächspartner die Frau als attraktiv beurteilte. Voraussetzung für diesen Effekt war jedoch, dass der Versuchsteilnehmer den Mann im Video mindestens genauso attraktiv wie sich selbst fand.

Die Frauen ließen sich nicht ganz so schnell beeinflussen: Nur durch die Beobachtung des Videos stieg ihr Interesse nicht an. Sie machten ihre Beurteilung vor allem von der Bewertung der beobachteten weiblichen Speed-Dating-Gesprächspartnerinnen abhängig. Wollten diese die Gesprächspartner nicht wiedersehen, zeigten die 40 Versuchsteilnehmerinnen auch kein großes Interesse an ihnen.

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 9. Juni 2010