Lieber nur Mitlesen

Studie „Jugendliche und Selbstdarstellung“ zeigt, dass viele Befragte eher zu einer passiveren Nutzung sozialer Netzwerke übergehen

Klar ist, dass fast alle Jugendlichen mindestens einen Account in einem sozialen Netzwerk haben. Aber was dort passiert, verändert sich ständig. Das Vorurteil, Instagram, TikTok, Facebook und Co. dienten den meisten in erster Linie zur Selbstdarstellung, stimmt wohl so nicht mehr. Anlässlich des diesjährigen internationalen Safer Internet Day präsentiert Saferinternet.at eine aktuelle Studie zum Thema „Jugendliche und Selbstdarstellung“. Die Ergebnisse zeigen: Jugendliche sind im Durchschnitt 11 Jahre bei der erstmaligen Nutzung Sozialer Netzwerke. Und bei den Nutzungsmotiven zeichnet sich eine Verschiebung vom Teilen von Fotos hin zum Kontakt halten mit Freund_innen und Familie ab.

Soziale Netzwerke in Pandemiezeiten
Praktisch alle Befragten gaben an, soziale Netzwerke im Alltag zu nutzen. Aber die eigene Rolle wird zunehmend passiv beschrieben - es wird weniger geteilt und mehr einfach nur mitgelesen. Das wichtigste ist vielen Befragten, mit Freund_innen und Familie in Kontakt und über aktuelle Themen auf dem Laufenden zu bleiben. Nur 22 Prozent richten ihren Online-Auftritt darauf aus, andere an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Die fünf meistgenutzen Plattformen sind übrigens Whatsapp, Youtube, Instagram, Snapchat und Netflix.

Schutz der Privatsphäre wird wichtiger
Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass der sichere Umgang mit dem eigenen Account vielen immer wichtiger wird. So treffen immer mehr eine bewusste Auswahl der Plattformen, auf denen sie sich anmelden. Und: 34 Prozent nehmen bereits bei der Neuanmeldung Einstellungen zum Schutz ihrer Privatsphäre vor und 29 Prozent überprüfen diese auch regelmäßig. Jugendliche scheinen sich mit zunehmendem Alter reflektierter mit ihrem Online-Auftritt und der damit verbundenen Außenwahrnehmung - sei es im privaten oder im beruflichen Umfeld - aueinanderzusetzen. Selbstbestimmt entscheiden zu können, wer welche Inhalte sehen kann, gewinnt an Bedeutung. Aufklärung und Workshops in Schulen, die kritische Reflexion des eigenen Verhaltens und die Unterstützung der Eltern hätten laut den Befragten dazu beigetragen, sich verantwortungsvoller im Netz zu bewegen.

Digitaler Nachlass
Je länger man in Sozialen Netzwerken aktiv ist, desto mehr Konten sammelt man natürlich auch an. Auf viele kann man dann irgendwann zum Teil gar nicht mehr zugreifen. So sagten 41 Prozent der Befragten, dass dies bei zumindest einem Konto der Fall ist. 67 Prozent gaben zum Beispiel an, dass das mit dem Profil verknüpfte E-Mail-Konto nicht mehr zugänglich ist. Auch die Zwei-Faktor-Authentifizierung wurde bereits für 26 Prozent zur Stolperfalle, weil das mit dem Konto verbundene Smartphone nicht mehr vorhanden war. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass die Auseinandersetzung mit den eigenen Spuren im Internet in Zukunft zusätzlich an Bedeutung gewinnen wird und es hier einer gezielten Bewusstseinsbildung bedarf.

Zur Studie
Die Studie zum Thema „Das Leben im Online-Stream: Soziale Netzwerke & Selbstdarstellung“ wurde vom Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung im Auftrag von Saferinternet.at und ISPA - Internet Service Providers Austria durchgeführt. Bei der repräsentativen Online-Umfrage wurden 400 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren befragt. Ergänzt wurde die Studie durch drei Fokusgruppen mit Jugendlichen und Praxiserfahrungen aus den österreichweiten Saferinternet.at-Workshops.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 11. Februar 2021