So genau will ich´s nicht wissen

Was bei der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine (noch) schief läuft

Mädchen vor Einsen und Nullen hält sich die Ohren zu

Warum macht das Navi nicht, was ich will? Und wieso ist die Fernbedienung eigentlich so kompliziert? Sobald Menschen mit Maschinen kommunizieren müssen, scheint es statt einfacher zu werden leider oft schwieriger. Woran das liegt haben nun Forscher_innen der Universität Paderborn und der Queensland University of Technology untersucht.

Dabei stießen sie auf Studienergebnisse aus der Vergangenheit, die zeigten, dass Menschen ihre Fähigkeiten oft erheblich überschätzen, wenn es um die Interaktion zwischen Mensch und Maschine geht. „Viele Systeme und Maschinen sind zwar von Menschen für Menschen entwickelt und hergestellt worden, sie berücksichtigen menschliches Verhalten in vielen Fällen jedoch nicht“, so Prof. Dr. Quevedo von der TU Queensland in Brisbane, Australien. Dabei liege das Problem aber nicht bei dem System oder der Maschine an sich, sondern bei uns Menschen, weil wir die Systeme nicht richtig verstehen und bedienen könnten, erklärt er weiter. Es bringe aber nichts, nun die ganze Schuld auf die Menschen abzuwälzen, sondern man müsse die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine effizienter gestalten.

In ihrer Studie versuchten sie darum herauszufinden, wie das gehen kann. Sie stellten ihren Proband_innen die Aufgabe, eine Drohne zur Verkehrsüberwachung zu lenken. Dabei stellte sich erstaunlicherweise heraus, dass die Drohnen-Pilot_innen immer fehlerhafter entschieden, je mehr Rückmeldung sie über die Präzision der Überwachungsaufnahmen erhalten hatten. Ein fatales Ergebnis, denn dieses menschliche Verhalten steht im direkten Gegensatz zu dem Lernverhalten von Maschinen, die ihre Leistung nur verbessern können, wenn sie direktes und häufiges Feedback bekommen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass wir Menschen dazu neigen, unsere Fähigkeiten zu überschätzen, sobald wir in einer bestimmten Sache erfolgreich waren. „Das wirft natürlich unweigerlich die Frage auf, welche Informationen Menschen dann noch erhalten sollten, damit sie fortlaufend gute Entscheidungen treffen. Sollte man ihnen jedes Mal, wenn sie erfolgreich waren, eine positive Rückmeldung geben oder sollte man solche Informationen unter gewissen Umständen besser zurückhalten?“, so Prof. Dr. Fahr vom Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn.

Ein gutes Beispiel sei ein GPS-Navigationsgerät, das uns verschiedene Routen zu einem bestimmten Ziel vorschlägt. Es kann die schnellste Route berechnen, weil es zum Beispiel auch  ein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf einer Strecke berücksichtigt. Trotzdem würden wir oft eine andere Route auswählen, weil wir sie für schneller halten, erklärt Fahr. Wir orientieren uns offenbar mehr an unseren Vorlieben als an äußeren Faktoren.

Laut der Forschungsgruppe werden Fragen wie diese in den kommenden Jahren immer wichtiger, da die Interaktion zwischen Mensch und Maschine immer mehr Teil unseres Alltags wird. Arbeitsplätze, an denen autonome Roboter Hand in Hand mit Menschen arbeiten, sind schon jetzt keine Seltenheit mehr. Quevedo erklärt hierzu: „Cybertechnologie ist bereits jetzt Teil unserer Lebenswelt und wird in Zukunft immer weiter verbreitet sein. Aus diesem Grund müssen wir verstehen, wie Menschen und Maschinen miteinander agieren. Häufig ist es nämlich der menschliche Einfluss, der zu einem Engpass führt.“

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 7. Januar 2021