Kuschel mich, tröste mich!

Forschung: In der Pandemie kommt Haustieren eine besondere Bedeutung zu: sie schenken Berührungen. Vor allem für einsame Menschen kann das lebenswichtig sein.

Wer einen Hund, eine Katze oder ein Meerschweinchen hat, weiß vermutlich schon länger wie tröstlich eine Kuscheleinheit mit einem flauschig-warmen Haustier sein kann. In Corona-Zeiten, wo allein lebenden Menschen das grundlegende Bedürfnis nach Körpernähe oft verwehrt bleibt, können sie sogar Leben retten.
Das meinen Forscher_innen der University of South Australia, die gerade eine Studie zu diesem Thema veröffentlicht haben. In einem Beitrag des Journal of Behavioural Economics for Policy (JBEP) legen sie dar, welch entscheidende Rolle Haustiere in dieser Zeit spielen.

Berührungen spielen große Rolle für das Wohlbefinden und die Gesundheit
Hauptautorin Dr. Janette Young sagt, dass körperliche Berührung ein Gefühl ist, das als selbstverständlich vorausgesetzt - sogar übersehen - wurde, bis uns COVID-19 Anfang dieses Jahres ereilte. Die gesundheitlichen Auswirkungen und die Lebensqualität seien in dieser Zeit enorm gesunken, sagt die Forscherin. Berührung sei ein noch wenig untersuchter Sinn, aber es gebe Hinweise, „dass sie für Wachstum, Entwicklung und Gesundheit von entscheidender Bedeutung sind und die Werte des Stresshormons Cortisol im Körper senken. Es wird auch vermutet, dass der Tastsinn für ältere Menschen besonders wichtig sein könnte, da andere Sinne nachlassen".
In der Pandemie-Zeit sei die Nachfrage nach Haustieren extrem gestiegen – Züchter_innen und Tierheime seien von Anfragen überflutet worden. Vor allem bei sozialer Isolation spielten Haustiere demnach eine große Rolle, "da sie Trost, Gesellschaft und ein Gefühl des Selbstwertgefühls vermitteln", sagt Young.

Suchen Nähe, wenn es dem Menschen schlecht geht
In Interviews mit 32 Personen gaben mehr als 90 Prozent an, dass das Berühren ihrer Haustiere sowohl beruhigend als auch entspannend wirke. Dabei hätten die Haustiere offenbar auch Interesse an der Berührung. Viele sagten, dass ihre Haustiere sie dann berührten, wenn sie verzweifelt oder traurig seien. In den Augen ihrer Besitzer_innen scheinen sie zu wissen, wenn ihr menschliches Gegenüber sich nicht wohl fühlt, und kämen ihnen genau dann körperlich näher.
Die Befragten erwähnten nicht nur Hunde und Katzen, auch Vögel, Schafe, Pferde und sogar Reptilien sollen auf Berührungen reagieren.
Der Forscherin zufolge haben Menschen ein angeborenes Bedürfnis, mit anderen Menschen in Verbindung zu treten. Fehlt diese Möglichkeit, können Haustiere helfen, diese Leere zu füllen.

Haustiere auch politisch betrachten
Sie müssten daher aus einem politischen Blickwinkel betrachtet werden, um dazu beizutragen, einige der mentalen und physischen Stressfaktoren abzuschwächen, denen Menschen in dieser Zeit ausgesetzt sind. So sollten Krankenhäuser, Hospize und Altenpflegeeinrichtungen den Kontakt von Haustieren mit ihren Bewohner_innen fördern.
"Die Altenpflege in Heimen hat den Wert der Mensch-Tier-Beziehungen noch nicht erkannt. Hätten mehr Haustiere bei ihren Besitzern in der Altenpflege gelebt, als die COVID-19-Beschränkungen angewendet wurden, hätte dies den Menschen unermesslich helfen können", sagt sie.

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