Ende gut heißt nicht alles gut

Forschung: Das Gehirn lässt sich bei Entscheidungen manchmal vom Happy End blenden und vernachlässigt Entwicklungen

Wenn wir eine Entscheidung treffen, dann lassen wir uns von unseren Erfahrungen leiten. Aber oft bewerten wir Teile dieser Erfahrungen unverhältnismäßig hoch – nämlich dann, wenn sie gut ausgegangen sind. Wir neigen dann dazu, das ganze Ergebnis positiv einzuschätzen, auch wenn es im Verlauf durchaus Schwankungen gab. Dies kann zu schlechten Entscheidungen führen, wenn wir überlegen, ob eine Erfahrung wiederholt werden soll. Das kann eine ganz banale Situation betreffen: Gehe ich in dieses Restaurant noch einmal?

War bei einem erst kürzlich zurückliegenden Besuch in diesem Restaurant das Dessert hervorragend, behalten wir vermutlich den ganzen Besuch in bester Erinnerung, während eine köstliche Vorspeise bei mäßigem Nachtisch uns weniger überzeugt, noch einmal dort zu essen.
Viele Menschen erliegen offenbar dieser Begeisterung für Happy Ends, sie beeinflussen unsere Entscheidungen stärker als andere Erfahrungen, vor allem wenn diese lange zurückliegen.

Das Ende hat zu viel Gewicht
Martin Vestergaard von der Fakultät für Physiologie, Entwicklung und Neurowissenschaften der Universität Cambridge und seine Kolleg_innen haben das auch experimentell überprüft. Sie zeigten ihren Testpersonen in verschiedenen Durchläufen Münzen, die in einen Topf fallen und unterschiedliche Größen hatten (je größer die Münze, desto höher der Wert). Währenddessen zeichnete ein Hirnscanner mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) auf, was in ihrem Gehirn passierte. Die Testpersonen sollten dann einen Topf wählen, der ihrer Ansicht nach den höchsten Wert enthielt, und die Testpersonen wählten systematisch den falschen Topf, wenn beim eigentlich wertvollsten Topf am Ende nur noch kleine Münzen hineinfielen. Weil das Ende nicht gut war, wertete das Gehirn den gesamten Münzeinfall als schlecht.

Im Gehirn verankert
Bei der Entscheidungsfindung auf der Basis von Erfahrungen spielen im Gehirn offenbar zwei Bereiche eine Rolle:
Zum einen die Amygdala, die eher den Verlauf bewertet - zum Beispiel den Gesamtgeschmack eines Drei-Gänge-Menüs - und die Insula, in der vor allem Sinneswahrnehmungen verarbeitet werden und die offenbar eine Vorliebe für das gute Ende befeuert. Sie war bei den Testpersonen besonders aktiv, die sich vom Ende der Münzsequenz täuschen ließen. War hingegen die Amygdala aktiver, so kam eine Entscheidung heraus, die sich stärker am Gesamtergebnis orientierte.

Vorsicht Falle: Politiker_innen präsentieren sich am Ende ihrer Amtszeit besonders stark
Die Anziehungskraft auf die letzten Momente einer Erfahrung ist also offenbar in unserem Gehirn verankert und es sei wichtig, sich dessen bewusst zu sein, finden die Forscher_innen. Während es klare Vorteile habe, darauf zu achten, ob sich die Dinge auf einem Aufwärts- oder Abwärtspfad befinden, können unsere Urteile versagen, wenn wir versuchen, eine Gesamterfahrung  abzuleiten. Das mag für den Restaurantbesuch keine größere Tragödie sein, wohl aber beispielsweise für die Entscheidung, wen wir wählen, wie die Forscher_innen betonen. Demnach versuchten Politiker_innen vor allem zum Ende ihrer Amtszeit hin, besonders stark und erfolgreich zu wirken. Wer darauf hereinfalle und nicht den Gesamtverlauf der Amtszeit in den Blick nehme, treffe möglicherweise eine schlechte Wahl.

Die Ergebnisse der Studie sind im Journal of Neuroscience erschienen.

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung