Depressiv? Raus aus dem Bett!

Studie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Zu viel Schlaf kann depressive Symptome verschlechtern

Depressiv Erkrankte fühlen sich häufig erschöpft und haben eine große Sehnsucht nach erholsamem Schlaf. Weil sie von einer chronisch erhöhten Wachheit betroffen sind, sich dauerhaft angespannt fühlen und trotz Müdigkeit nur schwer zur Ruhe kommen, ziehen sie sich zurück und vermeiden äußere Reize wie soziale Kontakte oder laute Musik. Sie neigen dazu, früher ins Bett zu gehen, morgens länger liegen zu bleiben und sich auch tagsüber hinzulegen – immer in der Hoffnung, zu entspannen und wieder zu Kräften zu kommen. Allerdings beginnt ein Teufelskreis: Denn Schlaf führt bei vielen Betroffenen zu einer Zunahme der Depression, bei vielen Betroffenen sind deshalb morgens die Depressionssymptome am stärksten.
Darauf weist die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hin. In einer Studie mit 22 an Depression erkrankten Studienteilnehmer_innen konnte gezeigt werden, dass sich bei der Hälfte der Erkrankten  die depressiven  Symptome verstärkten, wenn sie ihre Schlaf und Bettzeit verlängerten. Nur bei sechs Patient_innen verschlechterten sich die Symptome, wenn sie die Bettzeit verkürzten.

Schlafentzug ist eine etablierte Behandlungsform der Depression
Wenn Betroffene erkennen, wie sich bei ihnen eine längere oder eine kürzere Schlafenszeit konkret auswirkt, könnte daraus eine Therapieempfehlung abgeleitet werden, die dann möglicherweise öfter heißt „Raus aus dem Bett“ statt „Ruh dich aus“. Beobachte ein_e Patient_in etwa, dass er/sie sich nach längeren Bett- oder Schlafzeiten noch erschöpfter fühlt, so könne eine Verkürzung der Bettzeit auf circa 8 Stunden sinnvoll sein, erläutert Prof. Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Inhaber der Senckenberg Professur an der Universität Frankfurt/M. Schlafentzug ist eine etablierte Behandlungsform der Depression, die in vielen Kliniken angeboten wird. „Der Schlafentzug zeigt den Erkrankten, dass die Depression durchbrochen werden kann und vermittelt dadurch wieder Hoffnung“ erläutert Hegerl. Auch Sport ist eine gute unterstützende Maßnahme bei Depression, da Bewegung müde macht und der hohen Wachheit entgegenwirkt.

Aktuell arbeitet die Stiftung Deutsche Depressionshilfe an einer App, die Patienten zur Dokumentation des Schlafverhaltens und der Stimmung zur Verfügung gestellt werden kann. Die App soll 2021 kostenfrei zugänglich sein.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion