Essen to go in nachhaltig: Kann das glücklich machen?

Interview mit den Machern von Häppy Bowl®

Die meisten kennen es und viele geben dem Wunsch allzugerne nach.
Denn ab und zu hat man einfach keine Lust oder Zeit, zu kochen. Keines der Lebensmittel, die in den Schränken lagern, sieht ansprechend aus, auf nichts hat man Appetit. Für ganz schlimme keinen-Bock-auf-Kochen-Tage gibt es zum Glück selbst in diesen turbulenten Zeiten die Möglichkeit, Essen zu bestellen oder im Restaurant abzuholen.
Damit kann der bohrende Hunger zwar gestillt werden, einen ziemlich großen Nachteil hat die Sache allerdings schon: Meist entstehen Berge an Plastikmüll, die man sich zusammen mit der leckeren Mahlzeit ins Haus schleppt. Nachhaltig ist das leider nicht. :-(

Das finden auch einige Unternehmen, die Mehrwegbehälter für Essen-to-go entwickeln.
Dazu gehören auch Frederik Feuerhahn und Olaf Regener von Greenbox. Mit der Häppy Bowl® haben sie eine Mehrwegschale entwickelt, die zu 98% biobasiert ist. Genauer genommen besteht die Schale zu 40% aus Holzmehl und zu 58% aus einem Biopolymer, also einem Biokunststoff. Die restlichen 2% sind Zusatzstoffe, die für eine feste Bindung zwischen Holz und Kunststoff sorgen.

Nachdem wir dem Mischverhältnis der Schüsseln schon mal auf den Grund gegangen sind, haben wir Olaf von Häppy Bowl® noch ein paar Fragen gestellt.

Wie ist es eigentlich zu Häppy Bowl® gekommen?
Wir sind schon länger im Verpackungs-Game: Schon seit 2010 beliefern wir mit Greenbox Gastronomen mit umweltfreundlichen Verpackungs-Alternativen. Und der Großteil unserer Produkte wird aus nachwachsenden, pflanzlichen Rohstoffen hergestellt. Das ist uns wichtig, denn diese sind nicht nur erneuerbar, sondern auch biologisch abbaubar. Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber unserer Umwelt durchaus bewusst (und sind der einzige Anbieter in Europa, der alle Artikel zu 100% klimaneutral anbietet).

Auf dieser Grundlage entstanden und entstehen natürlich auch Fragen hinsichtlich der weiteren Entwicklung von Greenbox.
Vor ca. 3 Jahren haben wir dann angefangen, uns mit Alternativen zum Einweg zu beschäftigen. Als erstes kam unser Mehrwegbesteck. Im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projektes, haben wir eine besondere Materialrezeptur mitentwickelt. Dabei handelt es sich um einen Verbundstoff, der aus Holzmehl und Bio-Kunststoffen besteht.
Im Nachgang wurde dann unser Greenbox Best-Seller, die 1.000 ml Kartonschale, als Vorbild genommen, um eine nachhaltige Mehrweg-Schale zu entwickeln und die Rezeptur darauf angepasst. Daraus ist unsere Mehrwegschale, die Häppy Bowl® entstanden.

Und was ist die Idee dahinter?
Mit unserer Häppy Bowl® im Gepäck können Verbraucher ihre Einkäufe nachhaltig gestalten. Durch den Verzicht auf einen Mehrwegdeckel, erhöhen wir weiterhin auch die Wiederholungsrate, da die Häppy-Bowl eben keine weitere „Tupperware“ Alternative ist. Zudem bieten wir – im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern auf dem Markt – einen geschlossenen Recyclingkreislauf und die einzige aus nachwachsenden Rohstoffen bestehende Mehrwegschale!
Frei nach dem Motto: Es ist besser, nachwachsende Rohstoffe zu verwenden als endliche Ressourcen zu verbrauchen.
Durch den Einsatz von Holzmehl, reduzieren wir nachhaltig auch die eingesetzte Menge des Bio-Polymer. Zudem besitzt unsere Häppy Bowl® durch den hohen Holz-Anteil auch noch eine natürliche antibakterielle Wirkung.

Woher bezieht ihr die Rohstoffe für die Schalen?
Unsere Materialien stammen aus Europa, und wir lassen unsere Schalen in Deutschland von einem auf Spritzguss spezialisierten Betrieb fertigen.

Wo kommen die Häppy Bowls zum Einsatz?
Bisher sind wir noch in der Erprobungsphase mit verschiedenen Unternehmen. Wir bieten "nur" eine Bowl an, die aber in mehreren Anwendungsbereichen funktioniert: Lebensmitteleinzelhandel, Selbstbedienungs-Theken, Unverpackt-Läden, Kantinen und Catering. Es können darin Obst und Gemüse, frische Salate aber eben auch Nüsse und Cerealien aus Spendern abgefüllt werden.

Habt ihr für die Bowls ein Pfandsystem geplant, oder sind sie dafür nicht geeignet?
Ob Pfand, oder nicht, ob der Einkaufspreis der Schale 1 zu 1 weitergegeben wird oder nicht – diese Entscheidungen wollen wir niemanden vorgeben. Uns ist wichtig, dass es eine nachhaltige Mehrwegalternative zu den üblichen, aus Mineralöl bestehenden Mehrwegschalen gibt. Am Ende entscheidet der Betrieb, der unsere Schalen einsetzt, was für ihn am besten passt.

Wie kann die Mehrwegidee in euren Augen attraktiver werden?
Wir sehen im Moment als größte Hürde nicht die Akzeptanz der Verbraucher, sondern eher die zögerliche Bereitschaft der Inverkehrbringer. Die Ursache dafür liegt aber auch hier nicht in der Akzeptanz, oder an dem mangelnden Willen, Mehrweg einzusetzen.
Sondern einfach darin, dass es noch viel zu viele Unklarheiten gibt, was rechtliche Belange angeht, welches System eingesetzt wird oder wie Mehrwegvarianten einfach in einen bestehenden Prozess etabliert werden können.

Was sind eure nächsten Schritte als Unternehmen?
Wir werden weiterhin mehr Mehrweg-Alternativen in unser Sortiment übernehmen und auch die Entwicklung von eigenen Artikeln weiter vorantreiben – manche Ideen liegen auch schon in der Schublade. Man darf also gespannt sein, was die nächsten Jahre noch kommen wird! :-)

Und wo seht ihr die Verpackungsbranche allgemein in 10 Jahren?
Die Verpackungsbranche befindet sich im Moment in einem starken Umbruch. Neben der Single-Use-Plastic-Directive (dem sogenannten Einmal-Plastikverbot) gibt es generell immer weitere Entscheidungen zu Gesetzen, die entweder auf ein Verbot oder eine Reduzierung von Plastik- oder Verpackungsmüll zielen. Aus diesem Grund sehen wir den Trend hin zu nachhaltigen Verpackungs-Alternativen oder eben Mehrweg.
Ich denke aber, dass es leider auch in 10 Jahren noch Einwegverpackungen geben wird.

Vielen Dank für das Gespräch

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Autorin / Autor: Olaf Regener, Karla Groth - Stand: 08. Januar 2021