Zwei Beine machen den Unterschied

Von Insektenforscher_innen mit Spinnenangst und anderen Merkwürdigkeiten. Die Ig Nobel Preise wurden verliehen!

Von Insektenforscher_innen gefürchtet?

Erst lachen, dann denken - das ist das Motto der wissenschaftlichen Spaßpreise Ig Nobel für unwahrscheinliche Forschung. Honoriert werden jährlich abwegige, skurrile oder merkwürdige Forschungsarbeiten, die aber dennoch das Zeug haben, zum Nachdenken anzuregen. Wenn auch "Ig" für "ignoble" also "unehrenhaft" oder "unedel" steht, ist die Auszeichnung kein bösartiger Negativ- oder Spottpreis und wird von den Nominierten sogar häufig persönlich entgegengenommen. Die humorvolle Preisverleihung, bei der die Geehrten mit Papierfliegern beworfen werden, hat Kultstatus und gilt auch unter Wissenschaftler_innen als liebenswerte Institution. Die Preise wurden in der Nacht zum 18. September - in diesem Jahr in einer Online-Veranstaltung - verliehen.

In diesem Jahr ging es aber nicht nur spaßig, sondern auch sehr politisch zu. So wurden unter anderem Jair Bolsonaro, Boris Johnson, Alexander Lukashenko, Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan und Vladimir Putin mit dem Preis für medizinische Ausbildung ausgezeichnet. Den bekamen sie dafür, dass sie der Welt mit Hilfe der Corona-Pandemie bewiesen hätten, dass Politik einen unmittelbareren Einfluss auf Leben und Tod hat als Wissenschaft und Medizin.

Daneben gab es natürlich auch reichlich Auszeichnungen, die vor allem für großen Spaß sorgten - etwa der Akkustikpreis, der an ein internationales Forschungsteam ging. Es hatte einen weiblichen chinesischen Alligator in einer mit Helium angereicherten luftdichten Kammer zum Brüllen gebracht, um dessen besondere Frequenzen zu untersuchen.

Der Wirtschaftspreis ging - sehr berechtigt - an eine Studie, die versuchte hatte, das Verhältnis zwischen der nationalen Einkommensungleichheit verschiedener Länder und der durchschnittlichen Zahl der Mund-zu-Mund-Küsse in Beziehung zu setzen. Hä? Glückwunsch!

Beim Physikpreis setzen sich Ivan Maksymov und Andriy Pototsky durch, die erforscht hatten, was passiert, wenn man einen Regenwurm den Schwingungen hoher Frequenzen aussetzt.

Der Entomologie-Preis (Entomologie=Insektenkunde) ging an Richard Vetter, der Beweise gesammelt hatte, dass Insektenforscher_innen Angst vor Spinnen haben. Seine Arbeit trug den Titel "Arachnophobische Entomologen: Wenn zwei weitere Beine einen großen Unterschied machen" und er nahm mit diesem tollen Thema auch persönlich an der Preisverleihung teil.

Den Medizinpreis konnten Forscher_innen für sich verbuchen, die eine seit langem unbekannte psychiatrische Störung entdeckten: Misophonie. Diese betrifft Menschen, die es nicht ertragen können, anderen beim Kauen und Schmatzen zuzuhören.

Der Managementpreis ging an chinesische Auftragskiller, die durch ein ausgeklügeltes Managementsystem dafür gesorgt hatten, dass ein Mordauftrag mit einem kleinen Prozentsatz des Honorars immer weiter an Subunternehmer weitergegeben und schlussendlich nie ausgeführt wurde. So zumindest berichteten es verschiedene Zeitungen.

Die Regierungen Indiens und Pakistans durften sich über den Friedenspreis freuen, weil ihre Diplomaten Zeitungsberichten zufolge offenbar nächtliche Klingelstreiche beieinander ausführten.

Ihr seht, man kann manchmal nur staunen. Nicht nur die Wissenschaft sorgt mit skurriler Forschung für neue Erkenntnisse, die zum Lachen bringen, auch die Politik verschafft uns überraschende neue Einblicke. Das Lachen dürfte einem hier aber eher im Halse stecken bleiben.

Die Veranstalter_innen der Ig Nobel Preise haben sich den Spaß jedoch nicht verderben lassen und ihre Preisträger_innen auch online hinreichend geehrt. Es flogen wie immer Papierflieger und merkwürdige Kurzopern sorgten immer wieder für angemessene Unterhaltung zwischen den einzelnen Würdigungen.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 18. September 2020