Exkursionen zum Thema Verpackungen

Besuche von Forschungseinrichtungen, Firmen, Läden im Zusammenhang mit Verpackungsmüll

Vorbemerkung

Die Themenschwerpunkte im Projekt AUSGEPACKT können durch Exkursionen vertieft werden. Hierfür möchten wir Vorschläge und Ideen liefern, können aber keine Gewähr übernehmen, dass man die Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen auch tatsächlich besuchen oder in die Schule/zum Online-Gespräch einladen kann. Zudem gibt es nicht überall Forschungseinrichtungen oder passende Unternehmen, die besucht werden können. Besuche vor Ort sind besonders in Zeiten der Corona-Pandemie schwierig. Daher haben wir in der Projektlaufzeit solche Begegnungen über Online-Seminare ermöglicht. Für kleinere, einfach zu organisierende Exkursionen eignet sich schon ein Supermarkt um die Ecke, vielleicht ein Unverpackt-Laden in der Nähe oder auch der örtliche Recyclinghof. Zur Supermarktexkursion gibt es eine Beschreibung mit detaillierten Fragen für die Schüler_innen, die von einer Lehrerin in der Testphase des Projektes ausgearbeitet wurde.

Besuch eines Unverpackt-Ladens

  • Thema
    Nachhaltige Lösungen gegen die Verpackungsflut
  • Ziel
    Was leisten Unverpackt-Läden zum Thema „Vermeidung von Verpackungsmaterial“? Was unterscheidet sie von herkömmlichen Läden (Sortiment, Aufmachung, Preise)? Wo gibt es Grenzen? Wie kann man dort clever einkaufen? Was sagen die Inhaber_innen zu ihrem Konzept? Wie sind sie zu der Idee gekommen? Welche Highlights (positive Rückmeldungen) gab es?
  • Zeitbedarf
    Vorbereitung: 1-2 Std.
    Exkursion: 1 Std.
    Nachbereitung: 1 Std.
  • Methode
    Gruppenarbeiten zur Erstellung von Fragen für den Ladenbesuch und Interview der Inhaber_innen
  • Material
    Internetrecherche, Papier, Schreibmaterialien, Listen, Fragebögen

Ablauf

Vorbereitung
*Schritt 1*: Ein bis zwei Schülergruppen schauen sich den Internetauftritt des Unverpackt-Ladens in der Nähe an unter den Fragestellungen: Welche Produkte bietet der Laden? Welche Produkte würden euch fehlen, wenn das euer Einkaufsort wäre? Welche Informationen gibt es für die Kunden_innen? Wie wirkt der Internetauftritt? Würdet ihr dort einkaufen gehen? (Warum/warum nicht?)

Eine weitere Schülergruppe bereitet die Interviewfragen an die/den Inhaber_in vor.

*Schritt 2*: Die Gruppen stellen untereinander ihre Ergebnisse vor.

*Exkursion*: eventuell den Schüler_innen weitere Aufgaben stellen, die sie im Laden lösen sollen, ansonsten Führung durch den Laden und Interview

*Nachbereitung*: Die Ergebnisse der Vorbereitung mit dem Besuch vor Ort abgleichen. Fragen diskutieren wie z.B. Wie ist der Eindruck vom Laden vor und nach der Besichtigung? Was war neu für euch, was hat euch erstaunt? Was gefällt euch nicht? Was nehmt ihr mit? Was würdet ihr anderen Schüler_innen an der Schule von dieser Exkursion erzählen wollen?

Supermarktbesuch

  • Thema
    nachhaltige Lösungen gegen die Verpackungsflut
  • Ziel
    Was leisten Supermärkte jetzt schon zum Thema „Vermeidung von Verpackungsmaterial“? Wie kann man clever einkaufen?
  • Zeitbedarf
    Schritt 1: 5 Min., Schritt 2: 45 Min., Schritt 3: 30
  • Methode
    Gruppenarbeit anhand eines Fragebogens (hier sehr ausführlich, kann auch entsprechend komprimiert werden)
  • Material
    Fragebogen, Schreibmaterialien, Taschenrechner

Ablauf

*Schritt 1*: Sensibilisierung für das Thema: Folie zum Anstieg der Verpackungen in Deutschland zeigen und das Vorhaben/Kampagne des Bundesministeriums für Umwelt vorstellen „Weniger ist mehr – nein, zur Wegwerfgesellschaft“.

*Schritt 2*: Die Schüler_innen erkunden mit einem vorgelegten (oder zuvor selbst entwickelten) Fragebogen den Supermarkt in Kleingruppen:
1. Team: Obst und Gemüse
2. Team: Getränke
3. Team: Snack zum Mittag
4. Team: Süßigkeiten, Chips und Kaffee
Evtl. weitere Gruppen bilden: Milchprodukte, Hygiene-Artikel, Fleisch, ...
Aus den nachstehenden umfassenden Fragebögen kann jeweils eine Auswahl an Fragen getroffen werden, wenn das Thema weniger intensiv bearbeitet werden soll.

*Fragebogen für das Team Obst/Gemüse*
1. Welches Obst/Gemüse ist in eine zusätzliche Verpackung eingehüllt?
2. Welche Verpackungsarten für Cherrytomaten und Möhren kannst du finden? Welche wiegt schätzungsweise am wenigsten?
3. Kannst du Informationen zum Verpackungsmaterial finden (wähle eine aus)? Wenn ja welche?
4. Ist das Obst/Gemüse platzsparend verpackt worden? Was fällt euch an der Verpackung auf?
5. Wozu dient die Verpackung eines verpackten Lebensmittels eurer Wahl ? (Schutzfunktion, Lagerfunktion, Lade- und Transportfunktion, Verkaufsfunktion, Werbefunktion, Garantiefunktion)
6. Ist die Verpackung sinnvoll, begründe. (Was würdet ihr vielleicht ändern?)
7. Welche Möglichkeiten gibt es loses Obst und Gemüse (z.B. Äpfel, Tomaten…) zu kaufen? (Tüten)
8. Neben den Obstregalen gibt es meist auch Kräuter. Suche die frischen Kräuter und notiere, wie sie angeboten werden. Welche Alternative hältst du für die beste?
9. Findest du zu folgenden Obst- und Gemüsesorten eine verpackungsfreie Alternative? Gurke, Äpfel, Banane, Salat, Orange, Zwiebel, Kartoffel. Vergleiche den Preis einer Obst- und Gemüsesorte, die es verpackt und unverpackt gibt.
10. Die EU-Verordnung gibt vor, dass Bio-Produkte entsprechend gekennzeichnet werden müssen. Natural Branding ist eine Alternative zu Plastikverpackungen. Welche „gebranntmarkte“ Produkte findest du?
11. Gebe mindestens drei sinnvolle Tipps, wie man beim Obst- und Gemüsekauf Verpackungsmaterial einsparen kann.

*Fragebogen für das Team Getränke*
(am besten vorher klären, ob der Supermarkt auch Getränke in Mehrweg anbietet, oder ein Getränkemarkt angeschlossen ist.)
Finde die Getränke Abteilung. Wo befindet sie sich im Supermarkt?
1. Supermärkte unterliegen einer Kennzeichnungspflicht für Einweg und Mehrweg seit dem 01.01.2019. Findest du sie? Wie gut erkennt man die Kennzeichnung?
2. Bei Getränken haben sich zwei Pfandsysteme durchgesetzt. Einweg- und Mehrweg. Einwegflaschen haben meist ein anderes Symbol als Mehrwegflaschen. Finde die Symbole für Einweg und Mehrweg und zeichne sie grob auf.
3. Wie viel Pfand ist jeweils zu zahlen?
4. Welche Getränkesorten sind eher in einer Mehrwegflasche und welche in einer Einwegflasche zu finden? Gibt es überhaupt Unterschiede?
5. Findest du Getränke, die ohne Pfandsystem zu kaufen sind? Welche sind es?
6. Unser Leitungswasser hat hervorragende Qualität. In kaum einem anderen Land ist das Leitungswasser so gut wie in Deutschland. Leitungswasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel, was man ohne Bedenken trinken kann. Am Tag sollte man etwa 2 Liter Wasser trinken. Berechne die Ausgaben für 1 Jahr wenn du a) Wasser aus dem Supermarkt kaufst in Glasflaschen, b) Wasser aus dem Supermarkt kaufst in Plastikflaschen und c) wenn du Leistungswasser nutzt (1 Liter = 0,2 Cent).
7. Wasserflaschen: Überwiegt das Einweg- oder Mehrwegsystem? Überprüfe!
8. Einwegflaschen werden zwar recycelt, es muss aber für jedes Getränk eine neue Verpackung produziert werden. Mehrweg-Glasflaschen werden bis zu 50-Mal genutzt, Mehrweg PET(Plastik)-Flaschen bis zu 15-Mal. Warum entscheiden sich dennoch so viele Kunden für das Einwegsystem?
9. Küre „the worst packaging“ bei den Getränken.
10. Begründe, weshalb diese Art der Verpackung aus 9 möglicherweise gewählt wurde, beziehe dich dabei auf die Kriterien einer Verpackung.
11. Stelle eine verpackungsarme Alternative zu Plastik in der Kategorie Getränke zusammen (Wasser und Saft).

*Fragebogen für das Team Snack zum Mittag*
1. Finde die Abteilung mit den to-go Cafebechern. Wo befindet sie sich?
2. Wie viele Sorten Cafe gibt es dort?
3. In Deutschland werden rund 140 000 To-go-Kaffebecher pro Stunde verbraucht. Berechne die Anzahl pro Tag.
4. Du hast mittags Hunger. Dafür eignet sich besonders Convenience food (Fertigessen). Convenience Food lässt sich je nachdem wie weit es verarbeitet ist in unterschiedliche Kategorien einteilen. Verzehrfertig: Suche die Abteilung mit Snacks, die du schnell auf die Hand essen kannst.
5. Wie sind die schnellen Mittagssnacks verpackt?
6. Findest du Alternativen im Supermarkt zu den angebotenen Snacks?
7. Küre das Lebensmittel („the worst“) welches am unnötigsten verpackt ist.
8. Stelle ein verpackungsarmes Mittagessen, was dir schmeckt, im Supermarkt zusammen (Getränk+Essen).
9. Europaweites Verbot von überflüssigen Einwegartikeln ab 2021. Welche Produkte verkauft der Supermarkt? Gibt es Alternativen zu Plastik?
10. Nachfüllbeutel, sind sie wirklich verpackungsärmer? (Berechnung)
11. An der Kasse findet man oft weitere Lebensmittel. Beschreibe welche und wie sie verpackt sind.
12. An der Kasse findet man auch meist Tüten zum Tragen der Einkäufe. Welche Möglichkeiten gibt es? Für welche würdest du dich entscheiden, begründe.
13. Beim Bäcker gibt es ebenfalls leckere Snacks zum Mittag. Welche Möglichkeiten hast du hier beim Essen eine verpackungsarme Alternative zu wählen?
14. Welche Möglichkeiten hast du bei den Getränken? Wie kannst du möglichst verpackungsarm „davonkommen"?

*Fragebogen für das Team Süßigkeiten, Chips und Kaffee*
Finde die Süßigkeiten und Chips Abteilung. Wo befindet sie sich im Supermarkt?
1. Welche Süßigkeiten liegen direkt auf der Augenhöhe bereit? Wie sind sie verpackt?
2. Schokoriegel und Schokoladentafeln, wie sind sie verpackt, was fällt dir auf, beschreibe kurz.
3. Gummitiere und Chips, wie sind sie verpackt, was fällt dir auf, beschreibe kurz.
4. Gehe für diese Aufgabe in den Gang mit Kaffee: Kaffee gibt es in vielen Variationen. Sie produzieren jedoch unterschiedlich viel Müll. Zähle Möglichkeiten, die du im Regal findest auf, wie man Kaffee zubereiten kann. Fällt es dir schwer, kannst du dir Hilfe holen.
5. 12.300 Tassen Alu-Kapsel-Kaffee werden pro Minute in Deutschland getrunken. Eine Kapsel enthält 5g Kaffee. Wie viel Müll entsteht in einer Stunde in g? (Du kannst auch in Kilogramm umrechnen, 1000g=1Kg)
6. 1 Liter Filterkaffee benötigt 1 Filter (2g) sowie 1/20 des Verpackungsgewichts (=10g). Für 1 Liter Kaffee aus Kapseln benötigt man 10 Kapseln (1 wiegt 5g). Berechne die jeweilige Gesamtmüllmenge.
7. Küre „the worst packaging“ bei den Süßigkeiten und Kaffee.
8. Begründe weshalb diese Art der Verpackung möglicherweise gewählt wurde, beziehe dich dabei auf die Kriterien einer Verpackung.
9. Stelle eine verpackungsarme Alternative zu Plastik in der Kategorie Süßigkeiten und Kaffee zusammen.


*Schritt 3*: Vorstellen der Ergebnisse im Plenum und den perfekten Einkauf planen, falls noch Zeit ist. Einkaufsliste verbessern anhand der Beobachtungen im Supermarkt.

Besuch von Universitäten oder Forschungseinrichtungen

Nicht überall ist eine Universität oder Forschungseinrichtung vor Ort, die sich mit Alternativen zu Verpackungen beschäftigt. Auch wird gerade in Zeiten der Corona-Pandemie eine Besichtigung schwierig sein. Eine Alternative dazu kann ein Videogespräch oder Online-Seminar mit Wissenschaftler_innen sein, in dem diese ihre Forschung erklären. Ob das möglich ist, muss jeweils im Einzelfall geklärt werden.
Hier eine Auswahl an Forschungseinrichtungen, die sich mit nachwachsenden Rohstoffen oder nachhaltigem Verpackungsdesign beschäftigen.

Besuch von Unternehmen/Start-ups

Zahlreiche Unternehmen und Start-ups bieten clevere Verpackungsalternativen teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen bzw. Abfallstoffen aus der Agrarindustrie an oder Mehrwegsysteme für Verpackungen. Auch hier muss im Einzelfall geklärt werden, ob eine Besichtigung oder ein Videogespräch möglich ist. Hier eine Auswahl:

  • mehrweg.org
    Interessant zum Thema Mehrweg ist auch ein Besuch in bei örtlichen Mineralbrunnen, die Abfüllanlagen haben oder im Getränke-Fachhandel.
Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 15. September 2020