Auf den eigenen Blick kommt es an

KI analysiert Glücksfaktoren in romantischen Beziehungen

Welche Faktoren sorgen für eine glückliche Beziehung? Das Einkommen, das Alter, tolle Charaktereigenschaften, ein ähnlicher sozialer Hintergrund? Nichts von alledem, zumindest kommen zu diesem Schluss Forscher_innen der kanadischen Western University in einer Studie. Die Wissenschaftler_innen um Samantha Joel hatten 43 Datensätze von insgesamt 11.196 Paaren von einer künstlichen Intelligenz auswerten lassen. In den meist durch Befragungen erhobenen Daten fanden sich rund 2413 verschiedene Messungen/Aspekte zum Thema Zufriedenheit in einer romantischen Beziehung.

Sie wollten herausfinden, welche Faktoren für das Glücken und Bestehen einer Beziehung und die Zufriedenheit in und mit ihr verantwortlich sind und ob sich das irgendwie vorhersagen lässt. Dabei erwiesen sich vor allem solche Faktoren als besonders effektiv, die nicht den oder die Partner_in beschreiben, sondern den eigenen Blick auf die Beziehung wiederspiegeln.

Die subjektive Wahrnehmung der Beziehungsqualität spielt demnach die entscheidende Rolle: Das Gefühl, dem anderen nahe zu sein, das Gefühl, dass ihm oder ihr die Beziehung wichtig ist, von ihm oder ihr geschätzt zu werden und sexuell zufrieden zu sein. Dazu gehörte nicht nur die eigene Zufriedenheit, sondern auch der Eindruck, dass der oder die andere sexuell zufrieden ist.
Individuelle Merkmale traten dagegen im Vergleich eher in den Hintergrund.

Das Forschungsteam zeigte sich erstaunt darüber, dass persönliche Einschätzungen der eigenen Persönlichkeit wie etwa die Lebenszufriedenheit, Depressionen oder Liebenswürdigkeit vergleichsweise kaum ins Gewicht fielen, wenn das Gelingen oder Scheitern einer Beziehung vorhergesagt werden sollte.

Studienleiter Paul Eastwick fasste das Ergebnis so zusammen: „Es spielt keine wirklich Rolle, wer ich bin, sobald ich weiß, wer ich bin, wenn ich mit dir zusammen bin."
Die Studie ist der erste Versuch, maschinelle Lernalgorithmen zur Vorhersage der Beziehungszufriedenheit von Menschen einzusetzen. Insgesamt gelang mit Hilfe der ermittelten Erfolgsfaktoren trotzdem keine brauchbare Vorhersage, wie eine Beziehung weiterhin verläuft und ob sie sich verbessert oder verschlechtert. Das muss man dann vielleicht doch einfach dem Lauf der Dinge überlassen 😉.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 3. August 2020