Keine Seife, keine Papierhandtücher

Hände waschen unmöglich - In Schulen können wichtige Hygienemaßnahmen zum Schutz vor Corona nicht immer umgesetzt werden

Das Corona-Virus breitet sich immer weiter aus und vielerorts wird diskutiert, ob vorbeugende Schulschließungen sinnvoll wären, um das Fortschreiten der Erkrankungszahlen zu bremsen. Für viele Schüler_innen klingt das erst mal nach extralangen Ferien, für jene, bei denen wichtige Prüfungen anstehen, wäre das allerdings eine Katastrophe. Und natürlich würde das öffentliche Leben noch stärker zum Erliegen kommen. Eltern müssten zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen oder ihnen bei ihren digital überreichten Aufgaben zu helfen. Schulveranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen, Schulfeste würden entfallen. Bisher werden Schulschließungen darum nur im Notfall verhängt. Erforderlich ist aber unbedingt, dass hygienische Maßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen auch in der Schule durchgehalten werden. Aber wie eigentlich? Der schlechte Zustand vieler Schultoiletten steht seit Jahren in der Kritik - ganz ohne Corona: Zu selten gereinigt, keine Seife, fehlende Papierhandtücher oder gleich ganz geschlossen.
In Schulen geben sich täglich Hunderte von Schüler_innen mit ungewaschenen Händen im wahrsten Sinne des Wortes die Klinke in die Hand. Es ist leicht vorstellbar, dass dies im Falle eines Erkrankungsfalls in der Schule schnell zur rasanten Ausbreitung führen könnte.

Grob fahrlässig?
Der Bundeselternrat hat bereits Anfang März in einer Stellungnahme auf die unzureichende Umsetzung von Hygienemaßnahmen an der Schule hingewiesen. "Wir  beobachten mit großer Sorge,“  so der  Vorsitzende  des  Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, „dass bundesweit die Umsetzbarkeit und Umsetzung dieser Maßnahmen an vielen Schulen nicht gewährleistet ist. Es wird uns beinahe täglich berichtet, dass zwar in fast jedem Klassenraum Waschbecken  zur  Verfügung  stehen,  bis  auf wenige Ausnahmen aber keinerlei Seife und Papierhandtücher verfügbar sind. Seife und elektrische Händetrockner (die übrigens für die optimale Virenverbreitung sorgen!) gibt es – wenn überhaupt - nur auf den Toiletten.“
Der Bundeselternrat fordert darum die Schulträger auf, gemeinsam mit den Gesundheitsämtern umgehend für die Bereitstellung von ausreichend Seifen, Desinfektionsmitteln und Papierhandtüchern und für genügend Reinigungspersonal zu sorgen. Andernfalls sei die Fürsorgepflicht des Staates, die aus der herrschenden Schulpflicht resultiert, grob fahrlässig verletzt. Zudem sollte in Eingangsbereichen von Schulen auf das richtige Händewaschen hingewiesen werden.

Händewaschen ist was ganz Neues!
Das Problem der mangelnden Hygiene auf Schultoiletten ist tatsächlich ein alter Hut, der nun allerdings eine ziemliche Brisanz erfährt. Angesichts der leeren Seifenregale in den Supermärkten fragt man sich aber auch, ob überhaupt irgendjemand vor dem Ausbruch des neuartigen Corona-Virus sich je die Hände gewaschen hat, und ob Kindern und Jugendlichen das von irgendwem vorgelebt wurde. Auch in dieser Hinsicht gibt es sicher einigen Nachholbedarf!

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 12. März 2020