Gefährlich anti-demokratisch!

Forschung: AfD-Wähler_innen haben Verschwörungsmentalität und hohe Zustimmung für anti-demokratische Aussagen

Wenn die AfD bei einer Wahl - anders als aktuell in Hamburg - mal wieder rekordverdächtige Wahlergebnisse zu verzeichnen hat, dann heißt es oft, die Wähler_innen wollten den etablierten Parteien ja bloß einen Denkzettel verpassen und seien nicht wirklich rechts, schon gar nicht radikal. Aufhorchen lassen da aber Daten aus Befragungen im Rahmen der Leipziger Autoritarismus-Studien, die zeigen, dass Wähler_innen der AfD durchaus deutlich rechtsextreme und antidemokratische Positionen befürworten. Die Forscher_innen befragten 2018 insgesamt 2.344 Personen im Alter zwischen 18 und 91 Jahren zu ihren politischen Einstellungen. In keiner anderen Wählergruppe waren rechtsextreme Einstellungen und Muslimfeindschaft weiter verbreitet als unter den Wähler_innen dieser Partei, sagt der Leiter der Studie, PD Dr. Oliver Decker. Auch in den hässlichen Kategorien Gewaltbereitschaft und Verschwörungsmentalität belegen AfD-Wähler_innen einen unrühmlichen ersten Platz.

Aus den Ergebnissen lasse sich ableiten, dass ein Großteil der Anhänger die AfD nicht trotz, sondern wegen ihrer antidemokratischen Positionen wähle, ergänzt die an der Studie beteiligte Wissenschaftlerin Julia Schuler. Jene Bundesbürger_innen, die zwar schon lange extrem rechte Einstellungen teilten - sei es Chauvinismus, Befürwortung einer Diktatur, Antisemitismus oder Ausländerfeindlichkeit - aber bis 2014 SPD oder CDU wählten, stimmten jetzt für eine Partei, die eine Programmatik entsprechend ihrer Einstellung umsetzt. Sie hätten in der AfD eine politische Heimat gefunden, so Decker. „Vor dem Hintergrund der Ereignisse der letzten Monate ist diese klare Positionierung gegen den demokratischen Zusammenhalt mit Sorge zu betrachten“, betont der Rechtsextremismusforscher. Die Ermordung des hessischen Politikers Walter Lübcke, das Attentat auf die Synagoge in Halle und die anschließenden Morde, wie auch der jüngste rassistische Terroranschlag in Hanau mit zehn Ermordeten seien durch dieselbe rechtsextreme Ideologie der Ungleichwertigkeit motiviert gewesen.

AFD-Wähler_innen: Rechtsautoritäre Diktatur bevorzugt
Konkret fanden die Forscher_innen heraus, dass AfD-Anhänger nicht nur mehrheitlich chauvinistischen und ausländerfeindlichen Aussagen zustimmten, sondern viele von ihnen auch eine rechtsautoritäre Diktatur bevorzugten und Demokratie ablehnten. Die Wissenschaftler_innen, unter ihnen auch ein Forscher der Universität Siegen, bescheinigten ihnen zudem ein hohes Maß an Antisemitismus, Sozialdarwinismus sowie einen „ausgeprägten Hang zur Verharmlosung des Nationalsozialismus“. 80,6 Prozent der AfD-Wähler_innen hätten angegeben, sich durch „die vielen Muslime“ fremd im eigenen Land zu fühlen. Mehr als 70 Prozent finden, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden. Ein Großteil stellte triftige Asylgründe wie Verfolgung im Heimatland infrage.

Gewaltbereitschaft, Antisemitismus und Verschwörungstheorien
Zudem war der Umfrage zufolge jeder fünfte AfD-Anhänger bereit zur Anwendung körperlicher Gewalt, um eigene Interessen durchzusetzen. Mehr als die Hälfte der AfD-Wähler findet Ressentiments gegen Juden mindestens teilweise verständlich. „Bei keiner anderen Partei nutzen die Anhänger so offen die Möglichkeit, ihren Antisemitismus zu äußern“, erläutert der ebenfalls an der Auswertung beteiligte Soziologe Dr. Johannes Kiess von der Universität Siegen. Über ein Drittel der AfD-Wähler befürchteten, dass hinter politischen und sozialen Ereignissen in der Welt geheime Organisationen mit großem Einfluss stecken. Decker betont, dass "erschreckend viele Wähler der AfD diese Verschwörungsmentalität und antidemokratische Einstellungen teilen".

Risiko weiterer rassistischer Terroranschläge groß
"Dass diese Motive in einigen Teilen der Bevölkerung geteilt werden, diese eine parlamentarische Repräsentanz haben und damit auch als legitim erfahren werden, macht das Risiko weiterer rassistischer Terroranschläge groß“, warnt Decker. Er und seine Kolleg_innen sehen die Vertreter_innen der AfD in der Verantwortung, sich sowohl inhaltlich, als auch in der Rhetorik für den demokratischen Zusammenhalt in einer pluralen und liberalen Demokratie einzusetzen.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung (idw) / Redaktion - Stand: 26. Februar 2020