Wie sich die FFF-Bewegung verändert

Internationales Forschungsteam befragte Klimaaktivist_innen während des dritten globalen Klimastreiks im September 2019

Jede politische Bewegung vreändert sich im Laufe der Zeit, nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Zusammensetzung ihrer Anhänger_innen. So ist es auch bei den #FridaysForFuture (FFF)-Protesten. Nun liegen die Ergebnisse vor, die ein internationales Forschungsteam während des dritten globalen Klimastreiks im September 2019 aus einer Online-Befragung von über 3.000 Personen in insgesamt 19 Städten von Melbourne bis New York gewonen hat. Die Ergebnisse ermöglichen es nun, einen direkten Vergleich zwischen den beiden globalen Streiks im März und September 2019 zu ziehen.

Mehr Frauen im internationalen Vergleich – Mehr Männer in Deutschland
In der neuen Studie zeigen die Forscher_innen, dass Frauen im internationalen Vergleich weiterhin die Mehrheit bei den Teilnehmenden stellen. In beiden Erhebungswellen lag der Frauenanteil bei knapp 60 Prozent – bei den bis 19-Jährigen stieg dieser sogar von 63 auf 71 Prozent. Allerdings sind die Tendenzen in den einzelnen Ländern teilweise gegenläufig. So waren die FFF-Proteste in Deutschland, entgegen dem internationalen Trend, im September 2019 nicht mehr von Frauen dominiert gewesen. Hier gab es offenbar einen Anstieg des Männeranteils von 40 Prozent im März auf 51 Prozent im September.
Beim Bildungsstand der Aktivist_innen lag Deutschland im internationalen Trend: Über 70 Prozent der erwachsenen Befragten hatten einen Hochschulabschluss, sowohl international als auch bezogen auf die Bundesrepublik.

Zunehmend ältere Teilnehmer_innen
Auch in der Altersstruktur zeigte sich eine Veränderung: War die Hälfte der Protestierenden im März jünger als 21 Jahre, so lag der Wert im September bereits bei 28 Jahren. Das Durchschnittsalter stieg gegenüber der Vorgängeruntersuchung von 30 auf knapp 33 Jahre.
In Deutschland gab es sogar eine noch deutlichere Verschiebung im Altersdurchschnitt: von knapp 26 Jahren im März auf über 34 Jahren im September. Der Aufruf der FFF-Bewegung an die Erwachsenen, sich dem Klimastreik anzuschließen, scheint offenbar in Deutschland besonders wirksam gewesen zu sein, folgern die Forscher_innen.

Geringerer Einfluss des „Greta-Effekts“
Dafür, dass die Bewegung inzwischen fest etabliert ist, spricht der Umstand, dass Greta Thunberg zwar auch im September 2019 weiterhin das Interesse an den Klimastreiks sowie die Teilnahmebereitschaft wesentlich prägte, dieser Einfluss jedoch geringer ausfällt als noch in der ersten Befragungswelle vom März 2019. Damals hatten knapp über 40 Prozent angegeben, dass Greta Thunberg ihre Teilnahme am Klimastreik beeinflusst. Im September lag dieser Wert nur noch bei einem Drittel. Diese Tendenz fiel in Deutschland sogar noch deutlicher aus. Gaben im März noch 39 Prozent der Befragten an, Greta Thunberg habe ihre Teilnahme an dem Protest beeinflusst, traf das im September nur noch auf 25 Prozent zu.

Frust und Wut überwiegen – Schwindende Hoffnung
Für die Mobilisierungskraft einer Bewegung spielt vor allem die emotionale Ebene eine wesentliche Rolle. Die neue Untersuchung zeigt ein Übergewicht von emotionalen Einstellungen wie Frust, Wut und Machtlosigkeit – Emotionen also, die eine Teilnahme an den Protesten befördern. Diese Emotionen überwogen bereits in der Vorgängerstudie und sind daher nach wie vor wesentliche Triebfedern für den Erfolg der FFF-Bewegung – das gilt auch für Deutschland.
Das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das dazu führen kann, dass weniger zu den Demonstrationen kommen, spielte zwar weiterhin eine untergeordnete Rolle, allerdings war ein Anstieg zu beobachten. So gaben im März 2019 über 26 Prozent der Befragten an, ziemlich beziehungsweise sehr hoffnungslos zu sein, im folgenden September waren es schon knapp 35 Prozent (auch hier lag Deutschland im internationalem Trend mit einem Anstieg von 25 auf 34 Prozent).

Hintergrund: Internationale FFF-Forschung
Die Professur Kultur- und Länderstudien Ostmitteleuropas hat in der Septemberstudie in zwei Städten befragt. In Warschau gemeinsam mit dem Institut für Philosophie und Soziologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften sowie in Chemnitz gemeinsam mit dem Institut für Protest- und Bewegungsforschung. Gefördert wurde die Untersuchung in Warschau durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie in Chemnitz durch Weiterdenken, die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen.

Quelle:

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Autorin / Autor: Pressemitteilung/ Redaktion - Stand: 25. Februar 2020