Zu klein, zu groß, immer falsch

Forscher_innen haben Frauen weltweit zur Zufriedenheit mit der Größe ihrer Brüste befragt. Wozu eigentlich, fragen wir uns.

Die Wissenschaft hat mal wieder was festgestellt. 71% aller Frauen weltweit sollen angeblich unzufrieden mit der Größe ihrer Brüste sein. Professor Viren Swami von der britischen Anglia Ruskin University (ARU) will bei weltweiten Befragungen von 18.541 Frauen in 40 Ländern herausgefunden haben, dass 48% Prozent der befragten Frauen gerne größere Bürste hätten, 23 % kleiner und nur 29% seien mit der Größe ihrer Brüste zufrieden gewesen. Das durchschnittliche Alter der Befragten lag bei 34 Jahre. Der Studie zufolge hätten Frauen in Brasilien, Japan, China, Großbritannien und Ägypten die größte Unzufriedenheit. Große Brüste werden vor allem in Indien, Pakistan, Ägypten, im Libanon und Großbritannien gewünscht, kleine unter anderem im Japan, Deutschland, Österreich und Malaysia. Dies sei von großer gesundheitspolitischer Relevanz, weil die betroffenen Frauen sich nicht nur unwohler fühlen würden, sondern ihre Brüste auch weniger intensiv selbst untersuchen würden.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin Body Image veröffentlicht.

Wozu das Ganze?
Die Frage ist allerdings, welchen Sinn diese Studie haben soll, außer dass unweigerlich das Thema "operative Veränderung der Brustgröße" in den Sinn rückt? Hätte man Menschen (statt nur Frauen) befragt, wie zufrieden sie mit der Größe ihrer Hände, Füße, Ohren, Nase oder ihres Bauches sind, dann wäre mit Sicherheit etwas Ähnliches herausgekommen. Zahlreiche Menschen werden ihre Bäuche, Füße und Nasen zu groß, ihre Finger und Beine zu kurz, ihre Augen und Münder zu klein finden. Ob sie sie diese Körperpartien infolgedessen auch nicht so gerne stundenlang befühlen und untersuchen wollen, sei dahingestellt. 

Also wirklich!
Warum verschwenden Wissenschaftler_innen ihre kostbaren Kapazitäten mit einer weltweiten Befragung zur Zufriedenheit mit der Brustgröße? Selbst wenn die Studie zu Tage gebracht hat, dass unzufriedene Frauen sich seltener selbst untersuchen und damit möglicherweise einen beginnnenden Brustkrebs nicht erkennen, ist nichts gewonnen. Interessanter wäre wohl, wie eine solche Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper entsteht, wie man sie verhindern kann und wie man solchen merkwürdigen Schönheitsidealen etwas entgegensetzen kann.

Problem verschärft
Eine Studie, die aufzeigt, dass scheinbar die ganze weibliche Weltbevölkerung nichts Besseres zu tun hat, als sich mit der Größe ihrer Bürste zu beschäftigen, verstärkt wohl eher noch den Eindruck, dass mit den meisten Brüsten (oder Frauen) irgendwas nicht in Ordnung ist. Insofern möchte man den Forscher_innen gerne zurufen, sich doch bitte sehr anderen, ebenso wichtigen Themen zuzuwenden - etwa dem Zusammenhang zwischen der Bauchdicke und der Prostataselbstuntersuchung bei Männern oder ob eine pickelige Haut die notwenige Beobachtung verdächtiger Hautmale verhindert.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion / Presseinformation - Stand: 12. Februar 2020