Einfach mal löschen

Im Forschungsprojekt Dare2del wird ein Assistenzssystem entwickelt, das beim digitalen Entrümpeln helfen soll

Wenn der Kleiderschrank aus allen Nähten platzt, die Bücher und Kramkisten sich im Flur stapeln oder wir im Küchenschrank noch Konserven aus unserem Geburtsjahr horten, dann wissen wir, dass etwas getan werden muss. Ausmisten ist angesagt. Und wenn wir es nicht schaffen, stehen uns auch schon diverse Fernsehsender mit Entrümpelungsformaten, meterweise Ratgeberliteratur oder selbsternannte Ausmist-Expertinnen wie Marie Kondo zur Seite.
Nur bei unseren Daten sind wir da etwas kleinlicher. Jeder noch so belanglose Chatverlauf, die langweiligsten E-Mail-Neujahrsgrüße, jede fehlerhafte 15. Version einer Facharbeit, jedes unscharfe Foto mit abgeschnittenen Gesichtern wird gnadenlos aufgehoben. Wer weiß, ob man es nicht noch mal braucht, anschauen will oder jemand danach fragt. Kostet ja nichts, nur das bisschen Speicherplatz.

Zu viele Infos erschweren die Problemlösung
Ute Schmid, Professorin für Angewandte Informatik und Kognitive Systeme an der Universität Bamberg, kennt das Problem aus eigener Erfahrung und weiß, welche Probleme es nicht nur privat, sondern vor allem in Arbeitszusammenhängen bereitet: zu viele Infos erschweren die Problemlösung und auch das Auffinden von relevanten Informationen in dem riesigen Haufen von unnützen. Mitarbeiterinnen müssen darum dringend darin unterstützt werden, die "digitale Unordnung zu beseitigen (Stichwort: "Desktop Messie")." In ihrem Projekt dare2del (etwa: Wage es zu löschen) entwickelt sie darum in Kooperation mit Forscher_innen der Universität Erlangen ein digitales Assistenzsystem, das helfen soll, sich von unnötigem Datenballast zu befreien. Das System schlägt zu löschende Dateien vor, begründet die Auswahl, die Nutzer_innen können dem dann zustimmen. Weil das Horten von digitalen Informationen nicht nur das effektive Arbeiten erschwert, sondern auch Speicherplatz verschwendet, der Geld und Ressourcen kostet, können Unternehmen gleich mehrfach profitieren. Diese Aufgabe des bewussten Vergessens wird in dem Projekt als gemeinsame Aufgabe von Mensch und Künstlicher Intelligenz begriffen.

Bis ein marktreifes, unkompliziertes und erschwingliches Instrument für alle zur Verfügung steht, müsst ihr aber noch selbst Hand anlegen. Versucht es mal, denn das digitale Ausmisten kann sich lohnen. Von manchen Dingen kann und sollte man sich ruhig mal trennen und nicht alles, was man speichern kann, ist auch wirklich speichernswert. Es kann ebenso erlösend sein, 10 Jahre alte E-Mails zu löschen wie den Jahre lang nicht betretenen Keller zu entrümpeln.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 13. Januar 2020