Sei ein Ehrenmann...

... und halt die Beine zam! Wiener Linien wollen mit Comics für Manspreading-Problematik sensibilisieren

In der U-Bahn brauchen sie in der Regel zwei Plätze für sich, denn ihre Beine sind so weit gespreizt, dass daneben - und manchmal auch auf Viererplätzen - kaum noch Platz für weitere Personen ist. Das zusammengesetzte Wort Manspreading (aus engl. man=Mann und dem Verb to spread=spreizen) bezeichnet das raumgreifende Verhalten von Männern im öffentlichen Raum, die beim Sitzen oder Stehen zwischen ihren Beinen einen unsichtbaren Basketball zu tragen scheinen. Viele stören sich daran, denn wer neben einem "Spreader" sitzen muss, muss sich selbst ganz schmal machen, um Körperkontakt zu vermeiden.

Männer machen oft ihre Anatomie dafür verantwortlich, Sozialwissenschaftler_innen interpretieren das Spreading als antrainiertes Verhalten oder Männlichkeitsgebahren, eine Studie will herausgefunden haben, dass gespreizte Beine den Mann attraktiv erscheinen lassen (aha!). Wie auch immer, es gibt zahlreiche Diskussionen über das Phänomen, das wahrscheinlich älter ist als öffentliche Verkehrsmittel, aber in ihnen besondere Probleme bereitet.

Darum haben nun die "Wiener Linien" eine Kampagne gegen das breitbeinige Sitzen gestartet und damit prompt für großes Aufsehen gesorgt. Mit kleinen Comics, die rücksichtsvoll und diskret ausschließlich als "Schummelzettel" im Netz geteilt, nicht aber in den Bahnen und U-Bahnstationen ausgehängt werden, heißt es: "Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!". Ein paar Bildchen illustrieren, was genau gemeint ist, den Comic findet ihr in den Auftritten der Wiener Linien in den sozialen Netzwerken.

Die Wiener Linien sind übrigens nicht die ersten Verkehrsbetriebe, die gegen breitbeiniges Sitzen mobil machen. In Madrid und einigen amerikanischen Großstädten hängen entsprechende Hinweisschilder durchaus auch direkt in der Bahn.

Dass derartige höfliche Hinweise gegen Manspreading nicht einfach so hingenommen werden, überrascht nicht wirklich. Wie zu erwarten, lässt der Protest nicht lange auf sich warten. Unter dem Facebook-Post finden sich neben vielen zustimmenden Antworten auch die besorgter Männer, die um die Gesundheit ihrer Hoden fürchten, eine starke Muskulatur zu Felde führen oder Sexismus gegenüber Männern beklagen. Und außerdem gäbe es ja auch die vielen Frauen, die Sitze mit ihren Shoppingbeuteln blockieren (Ein Phänomen namens "she-bagging").

Wie auch immer man zu dem Thema steht, ab und zu kann es nicht schaden, Verhaltensweisen zu thematisieren, von denen Menschen sich belästigt oder bedrängt fühlen. Vielleicht hilft das besser zu begreifen, dass der öffentliche Raum für alle da ist und weder die eigene Breitbeinigkeit noch die Einkaufstüten Anspruch auf einen zusätzlichen Sitz haben, auf dem ein anderer Mensch gerne sitzen würde.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 6. November 2019
 
 
 

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