Was schön ist, entscheidet unser Gehirn in Millisekunden

Studie entlarvt Reiz- und Reaktionsmuster unseres Gehirns

Wie oft habt ihr schon Selfies gepostet auf Facebook, Instagram, Twitter und vielen anderen sozialen Netzwerken? Und wie sehr habt ihr gehofft, dass dieses eine Bild viele Klicks oder Likes bekommt? Aber wie entscheiden die Betrachter_innen solcher Fotos, ob sie die abgebildete Person attraktiv finden oder nicht? Dieser Frage haben sich Psycholog_innen aus Bamberg, München, Jena, Wien und Salzburg in einer Studie gewidmet und dabei herausgefunden, dass die Einschätzung der Attraktivität weit weniger als eine Sekunde dauert. Und noch schneller schätzt man sogar ein, welches Geschlecht eine Person hat.

In einem neurowissenschaftlichen Experiment beurteilten 25 Versuchspersonen insgesamt 100 Portraitfotos hinsichtlich Geschlecht und Attraktivität. Die Hälfte der abgebildeten Personen war männlich, die andere Hälfte weiblich. Währenddessen maß das Forscherteam die elektrischen Gehirnströme mithilfe einer Elektroenzephalografie (EEG): Dabei bringt man Elektroden auf der Kopfhaut an und kann somit indirekt die Aktivität des Gehirns messen.

Zuerst verarbeitet das Gehirn das Geschlecht, dann die Attraktivität eines Gesichts
Das Besondere an der Studie war, dass die Forscher_innen zwei Aufgabentypen miteinander verknüpft hatten: die Bewertung von Geschlecht und Attraktivität. So konnten sie testen, ab welchem Zeitpunkt Informationen über Attraktivität und Geschlecht im Gehirn für eine Entscheidung bereitstehen. „Tatsächlich zeigte sich, dass Gesichtsinformationen nach etwa 200 Millisekunden weit genug verarbeitet wurden, um eine Entscheidung über die Attraktivität zu fällen“, sagt der neurokognitive Psychologe Prof. Dr. Florian Hutzler von der Universität Salzburg und Mitautor der Studie. „Geschlechtsinformationen werden sogar noch früher verarbeitet, nämlich bereits nach ungefähr 150 Millisekunden. Das heißt, zuerst wird das Geschlecht und dann erst die Attraktivität eines Gesichts verarbeitet.“

Allerdings konnten die Studien-Autoren keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen beiden Prozessen nachweisen, aber für sie liegt es nahe, dass die schnelle Entscheidung darüber, ob wir jemanden attraktiv finden, darauf beruht, welches Geschlecht erkannt wurde. Dies könne auch erklären, weshalb es häufig zu geschlechtsspezifischen Attraktivitätseinschätzungen kommt; weshalb also bestimmte Merkmale bei Frauen als attraktiv angesehen werden, bei Männern aber nicht - und umgekehrt. Kommt es auf den „ersten Blick“, das „spontane Gefallen“ an, lassen sich Menschen offensichtlich sehr stark von geschlechtsspezifischen Stereotypen leiten. Und dies würde erklären, warum diese frühen Urteile von vielen verschiedenen Personen geteilt werden.

Wenn ihr also für euer Selfie besonders viele Daumen und Herzchen erntet, spricht das nicht unbedingt dafür, dass es als originell und außergewöhnlich schön empfunden wurde, sondern dass ihr möglichweise nur ein Stereotyp bedient habt, was in den Gehirnen eurer Betrachter_innen zum schnellen Klick geführt hat ;-).

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 24. September 2018
 
 

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