Argumente statt FakeNews

Das Forschungsprojekt „ArgumenText“ hat einen Weg gefunden, konkrete Pro- und Kontra-Argumente zu beliebigen Themen aus dem Rauschen des Internets zu filtern

Wenn man im Internet nach konkreten Argumenten zu einer bestimmten Frage sucht, um zum Beispiel ein Thema fundiert zu recherchieren, klickt man oft die Suchmaschine nach kurzer Zeit wieder weg, wird man doch von einer schier unüberblickbaren Zahl an Suchtreffern fast erschlagen. Wissenschaftler_innen des Fachgebiets Ubiquitous Knowledge Processing (UKP) der TU Darmstadt forschten deshalb seit einiger Zeit an einem System, das nicht nur Schlagwörter sucht, sondern Sätze, die tatsächlich eine Argumentation beinhalten. Seit kurzem gibt es einen Demonstrator des Suchsystems. Wer nach dem Thema „Nuclear Energy“ forscht, bekommt nach wenigen Sekunden knapp hundert Argumente für und gegen Atomkraft angezeigt – von verschiedensten Internet-Seiten. Zum Vergleich: eine Google-Suche zum selben Thema erbringt rund 268 Millionen Treffer!

Neuronale Netze suchen Argumente
Für das Forschungsprojekt „ArgumenText“ werden die im Internet vorhandenen Texte mittels neuronaler Netze untersucht. Die Texte werden dann als für das Suchthema relevant oder nicht relevant eingestuft und anschließend auf Argumente abgeklopft. „Hier werden nicht nur einzelne Wörter gesucht, auch grammatische Strukturen, Kontexte und Semantik werden berücksichtigt, um zu entscheiden, ob eine Aussage ein ,Argument‘ ist oder nicht und ob es auf der Pro- oder der Kontra-Seite steht“, erklärt Dr. Johannes Daxenberger, der im Team von Professorin Iryna Gurevych als einer der zwei Projektverantwortlichen an "ArgumenText" arbeitet.
Die hinter ArgumenText liegenden Algorithmen entwickelt das Team im Fachgebiet selbst, aufbauend auf ersten Versuchen, die 2014 mit einem Korpus aus studentischen Aufsätzen starteten. „Die Herausforderung war, ein System, das auf einer Sorte Text trainiert war, auf beliebige Textformen übertragbar zu machen“, sagt Dr. Christian Stab, der zweite Projektverantwortliche. „In wissenschaftlichen Texten wird zum Beispiel völlig anders argumentiert als in Sozialen Medien.“

Entscheidungshilfe
Das Projekt wird zurzeit noch erprobt und soll sich zunächst hauptsächlich an Entscheider_innen aus der Wirtschaft richten, die bewerten müssten, ob sich der Einstieg in eine Innovation lohne. Die Argumentsuchmaschine eigne sich aber auch für Journalist_innen, die für Recherchen schnell und fundiert in Themen einsteigen müssten, erklärt Daxenberger. Bislang spuckt die Suche nur englishsprachige Artikel aus, aber in Kürze sollen auch deutschsprachige Texte einbezogen werden. Auch eine Echtzeitsuche über die ständig wachsende Zahl von Texten im Internet wird dann möglich sein.

Argument Mining, das Erkennen von sprachlichen Argumenten mit Mitteln der Informatik, werde in der Forschung der Digital Humanities immer wichtiger und sichtbarer, bilanzieren Daxenberger und Stab. Die TU war auf diesem Gebiet früh dabei. „Wir sind mit unserer Arbeitsgruppe gut und sichtbar etabliert“, sagt Professorin Iryna Gurevych, die Leiterin des UKP. Dafür arbeitet das Team am Fachgebiet interdisziplinär etwa mit dem TU-Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften, aber auch mit anderen Hochschulen aus dem Verbund der Rhein-Main-Universitäten zusammen.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 18. September 2018
 
 
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