Schweigen ist nicht immer Gold

US-Studie: Selbst Smalltalks machen glücklicher als gar nicht zu reden

Wer es hasst, auf Parties immer nur oberflächliche Gespräche zu führen und glaubt, dadurch unglücklicher zu werden als wenn er oder sie gar nicht redet, wird durch eine neue Studie eines Besseren belehrt. Ihr Ergebnis: Small Talk ist offenbar nicht so schlimm wie bisher gedacht. Aber tatsächlich sind Menschen, die tiefgreifendere Gespräche führen in der Regel glücklicher, so die Untersuchungsergebniss von Psycholog_innen an University of Arizona.

In einer Studie mit 486 Personen trugen diese vom Aufwachen bis zum Schlafengehen ein so genanntes EAR (Electronic Activated Recording)-Gerät, das den ganzen Tag über für kurze Zeitintervalle eingeschaltet wurde, um Momente der täglichen Interaktionen festzuhalten. Die aufgezeichneten Gespräche wurden dann vom Forschungsteam kodiert, um festzustellen, ob es sich um Smalltalk oder ernstere Gespräche handelte. Dabei definierten die Forscher_innen Smalltalk so, dass die Gesprächspartner nach dem Gespräch noch genauso viel - oder wenig - übereinander wissen wie vorher, während in einem inhaltlichen Gespräch echte, aussagekräftige Informationen ausgetauscht wurden. Wichtig sei, dass es sich um ein beliebiges Thema handeln kann - ob Politik, Beziehungen, Wetter - es müsse nur über eine triviale Ebene hinaus gehen. Zusätzlich nahm jede_r Studienteilnehmer_in an einer Umfrage zu seiner Lebenszufriedenheit sowie zur Beurteilung seiner Persönlichkeit teil.

Inhalt macht glücklich
Heraus kam, dass die Proband_innen, die mehr inhaltliche Gespräche geführt hatten, sich selbst als glücklicher beschrieben, egal ob sie eher introvertiert oder extrovertiert waren. "Wir hatten erwartet, dass die Persönlichkeit einen Unterschied machen könnte; dass Extrovertierte zum Beispiel mehr von sozialen Interaktionen profitieren könnten als Introvertierte oder dass inhaltsvolle Gespräche enger mit dem Wohlbefinden von Introvertierten als von Extrovertierten verbunden sein könnten, und waren sehr überrascht, dass dies nicht der Fall zu sein scheint", sagte Hauptautorin Anne Milek von der University of Arizona.

Andererseits fanden die Forscher_innen auch heraus, dass oberflächlicher Smalltalk nicht notwendigerweise negativ mit dem Wohlbefinden zusammenhing. Damit widersprechen sie früheren Studienergebnissen, die Smalltalk für unglücklichmachend hielten. "Wir glauben jetzt nicht mehr, dass es einen unbedingten Widerspruch zwischen Small Talk und substanziellen Gesprächen gibt. Smalltalk hat nicht glücklicher gemacht, aber auch nicht unglücklicher", sagt Co-Autor Matthias Mehl. Es scheine eher an der Gesprächsmenge und -qualität zu liegen, ob uns ein Gespräch Wohlbefinden beschert oder nicht, so Mehl weiter.

Das glückliche Leben ist ein soziales
"Wir haben festgestellt, dass Menschen, die viel alleine sind, mit ihrem Leben unzufriedener sind und sich weniger wohl fühlen. Menschen, die mehr Zeit mit Interaktion verbringen und intensivere, bedeutendere Gespräche führen, sind zufriedener. Das glückliche Leben ist also eher ein soziales als ein einsames und das macht es sinnvoller."

Auch wenn Smalltalk keinen direkten Bezug zu unserem Wohlbefinden habe, sei er trotzdem wichtig, da solche Gespräche den Grundstein für substantiellere Gespräche legen könnten, so Mehl. "In jeder Pille steckt ein inaktiver Inhaltsstoff, und das ist eine schöne Metapher, denn man bekommt die Pille nicht ohne den inaktiven Inhaltsstoff", sagte Mehl. "Smalltalk ist ein notwendiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens, denn schließlich kann man nicht zu einem Fremden gehen und sofort ein tiefes, existentielles Gespräch anfangen, das verbieten uns soziale Normen."

Letzten Endes sei es aber schwer zu sagen, ob intensive Unterhaltungen die Menschen tatsächlich glücklicher machen, oder ob es so ist, dass glücklichere Menschen einfach intensivere Gespräche führen, sagte Mehl. Das müssten dann künftige Forschungen zeigen.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 11. Juli 2018
 
 
 

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