Die Wahrheit über meine Klamotten

#GoTransparent-Kampagne fordert Bekleidungsindustrie auf, ihre Lieferketten offenzulegen

Für einige Bekleidungshersteller ist die Zeit der Geschenke auch nach Weihnachten noch nicht vorbei, denn den ganzen Januar über werden Aktivist_innen in europäischen Großstädten goldene Geschenkkartons an die Luxusmarke Armani, den Billig-Hersteller Primark und andere Marken übergeben. Inhalt der Geschenkeboxen sind insgesamt 70.000 Unterschriften von Menschen, die die großen Bekleidungsmarken und Einzelhändler Armani, Primark, Urban Outfitters, Forever 21 und Walmart auffordern, Transparenz zu ihrem Neujahrsvorsatz zu machen und die Fabriken zu veröffentlichen, die ihre Kleidung produzieren.

Die goldenen Geschenkkartons mit den Unterschriften sind der Höhepunkt der globalen #GoTransparent-Kampagne von Human Rights Watch, der Clean Clothes Campaign und dem International Labor Rights Forum. Die Kampagne führte einen globalen Minimal-Standard für Transparenz im Kleidungssektor ein – den „Apparel And Footwear Supply Chain Transparency Pledge“ (Kodex für Transparenz in den Zulieferketten der Bekleidungs- und Schuhinudstrie). Sie schaffte es, 17 Marken davon zu überzeugen, Informationen über ihre Zuliefererfabriken einschließlich Adressen und Anzahl an Arbeiter_innen zu veröffentlichen.

Besonders verschwiegen
Die #GoTransparent-Kampagne zielte vor allem auf die fünf Markenunternehmen Armani, Primark, Urban Outfitters, Forever 21 und Walmart ab, die als besonders verschwiegen über ihre Lieferkettendaten gelten und eine Verpflichtung zu einer transparenteren Lieferkette und die Unterzeichnung des Transparency Pledge ablehnten.

Die Informationen, die der Transparency Pledge offenlegen will, sind für Arbeiter_innen und Aktivist_innen unabdingbar, um Markenunternehmen auf Arbeitsrechtsverletzungen in ihren Lieferketten hinzuweisen. Denn Transparenz hilft, solch dramatische Zustände wie nach dem Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes in Bangladesch 2013 zu verhindern, als Arbeiter_innen und Aktivist_innen in den Ruinen nach Einnähern und Schildchen mit Hinweisen auf die Markenunternehmen suchten. Sie mussten ihr Leben riskieren, um aufzudecken, wer für die Tragödie verantwortlich war.

Trend zu mehr Transparenz in der Bekleidungsindustrie
Die fünf angesprochenen Unternehmen scheinen dem zunehmenden Trend zu mehr Transparenz in der Bekleidungsindustrie hinterherzuhinken. Vor einem Jahrzehnt begannen Universitäten in den USA mehr Transparenz von den Herstellerunternehmen ihrer Universitätskleidung zu fordern. Immer mehr globale Markenunternehmen leiten die notwendigen Schritte ein, um die internationalen Standards einer transparenten Lieferkette zu berücksichtigen. Einige Marken, die zuvor keine Informationen offenlegten, entschieden sich 2017 den „Transparency Pledge“ zu hundert Prozent umzusetzen – unter ihnen ASICS, ASOS, Clarks, New Look, Next und the Pentland Brands. ASOS fasst die Beweggründe dieser Marken zusammen: „Alle Wege weisen in Richtung Transparenz. Wenn unser Verhalten in der Modeindustrie nicht gut genug ist, um unseren Konsumenten davon zu erzählen, dann ist es einfach nicht gut genug.“

Was verbergen diese Marken?
Ben Vanpeperstraete von der Clean Clothes Campaign sagt: „Jede Marke die sich weigert, Informationen über ihre Lieferkette zu Teilen offenzulegen, sollte für Konsument_innen ein rotes Tuch darstellen. Was verbergen diese Marken? Wissen sie überhaupt, wo ihre Kleidung herkommt? Wenn Markenunternehmen die notwendigen Schritte umsetzen, um Arbeitsmissbrauch in den Lieferketten vorzubeugen, dann sollten sie ein großes eigenes Interesse daran haben, detaillierte Informationen über ihre Fabriken und Arbeiter_innen, die die Kleidung herstellen auch in der Öffentlichkeit mitzuteilen.“

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