„Plastikpiraten" finden viel Partymüll an deutschen Flüssen

Im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane untersuchten Jugendliche die Kunststoffbelastung deutscher Flüsse und Bäche. Die Plastikpiraten fanden mehr Müll als erwartet, darunter vor allem Plastikverpackungen und Zigarettenstummel.

Bild: BMBF Wissenschaftsjahr

Die Müllverschmutzung der Weltmeere durch Plastik stand 2017 immer wieder im öffentlichen Fokus – und war auch Schwerpunkt im Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane. Mit der bundesweiten Citizen-Science-Aktion „Plastikpiraten – Das Meer beginnt hier!" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung haben Jugendliche die Müllbelastung ihrer heimischen Bäche und Flüsse erforscht. In Deutschland gibt es dazu erst wenige Untersuchungen, obwohl der Großteil des Plastikmülls im Meer auf dem Wasserweg dorthin gelangt.
Die Kieler Forschungswerkstatt hat die Daten der Jungforscher_innen zusammen mit der chilenischen Universität Católica del Norte nun ausgewertet. Die traurige Bilanz ist, dass an fast allen untersuchten Gewässern Müll gefunden wurde: im Durchschnitt 0,66 Müllteile pro Quadratmeter Flussufer, umgerechnet entspräche dies 33 Müllteilen pro 50 Quadratmeter Klassenzimmer. Am häufigsten gefunden wurde „Partymüll": Plastik und Zigarettenstummel.

Insgesamt 349 Schulklassen und Jugendgruppen zwischen 10 und 16 Jahren gingen im Herbst 2016 und Frühjahr 2017 mit der Aktion „Plastikpiraten" auf Forschungsexpedition im ganzen Bundesgebiet. Die Jugendlichen beschäftigten sich dabei aktiv mit der Müllproblematik und sammelten gleichzeitig wichtige Daten für die Wissenschaft.

Plastikverpackungen, Glasscherben und Fahrräder

Am häufigsten fanden die jungen Umweltschützer_innen Plastikgegenstände wie Verpackungen und Flaschen, sowie Zigarettenstummel. Auch gefährlicher Müll wie Glasscherben, verrottete Speisereste, benutzte Hygieneartikel und scharfes Metall wurden von fast allen Gruppen gefunden. Unter den teilweise skurrilen Funden waren aber auch alte Fahrräder, Fernseher und ein bemooster Gartenzwerg. Eine alte „Capri-Sonne" konnte eine Jugendgruppe mithilfe des Haltbarkeitsdatums ungefähr datieren: Seit fast 20 Jahren war die Verpackung demzufolge schon unterwegs und damit älter als deren Finder.

Bild: Elbe-Jeetzel-Schule Dannenberg

Achtloses Liegenlassen ist Hauptursache des Mülls

Einzelne Müllteile und Müllansammlungen (mehr als drei Teile in unmittelbarer Nähe) führten die Jugendlichen in den meisten Fällen auf Flussbesucher_innen zurück. Statt den Müll beispielsweise nach Partys oder Picknicks ordnungsgemäß zu entsorgen, wurde er wohl einfach liegengelassen. Aber auch Müllsäcke und anderer Haushaltsmüll wurden in einigen Fällen illegal am Flussufer entsorgt. Die Funde zeigen anschaulich, dass auch die Menschen im umweltbewussten Deutschland zur Plastikmüllverschmutzung der Meere beitragen, auch wenn sie weit im Binnenland wohnen.

Bei den teilnehmenden Jugendlichen hat der persönliche Einsatz bereits in vielen Fällen zum Umdenken im Alltag geführt. „Beim Einkaufen mit den Eltern achten viele nun sehr darauf, Plastik soweit es geht zu vermeiden," berichtet Ellen Flemisch, Lehrerin an der Integrativen Montessori Schule an der Balanstraße München. Einen nachhaltigen Effekt konnte auch Lehrerin Karin Loritz von der Erich-Kästner-Realschule Offenburg bei ihren Schüler_innen beobachten: „Aus eigenem Antrieb haben sie ein ‚Green Team‘ gegründet. Sie verabreden sich privat und sammeln Plastikmüll ein."

Weitere Informationen zu den „Plastikpiraten", den Gesamtergebnissen und den Funden der einzelnen Gruppen gibt es unter:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 21. Dezember 2017
 
 
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