Upcycling in den Ländern des Südens

Im Bereich des fairen Handels gibt es einige Handwerksbetriebe, die schon seit Jahren Upcyclingprodukte herstellen und in den Industrienationen verkaufen

Copyright: Hans-Klaus Weber

Einst waren sie Coladosen, Bierflaschen, Reissäcke, Ölfässer, Zeitungen oder Überreste aus Industrieproduktionen. Nun werden hieraus zu sozial verträglichen Bedingungen hergestellte praktische Produkte in einem pfiffigen Design. Recycling kennt mittlerweile jeder… aber Upcycling? Was ist das? Upcycling setzt sich zusammen aus „up“, für hoch oder auf und „recycling“ für Wiederverwertung oder Wiederaufbereitung. Beim Upcycling werden Materialien verwendet oder umgestaltet wie Industrieabfälle, Über- oder Fehlproduktionen, die normalerweise direkt in der Müllverbrennung oder auf der Deponie landen. Dies unterscheidet Upcycling-Produkte von recycleten Produkten, wo gebrauchte Materialien, nachdem sie ihre ursprüngliche Aufgabe erfüllt haben, entsorgt und neu bearbeitet werden.

LizzyNet: Ihr habt mit der Firma "Inspired Handicraft & Accessories" ein Unternehmen aufgebaut, das Upcycling-Produkte aus den Ländern des globalen Südens in Deutschland vermarktet. Kannst du etwas zur Entstehung und Bedeutung der Upcycling-Wirtschaft in diesem Ländern erzählen?

Hans-Klaus Weber: Upcycling hat in den Ländern des globalen Südens eine ganz andere Rolle und Funktion als bei uns. In den südlichen Ländern dient Upcycling in vielen Fällen nicht nur der Sicherung von Einkommen, sondern auch der Erhaltung von Würde und Selbstbestimmung. Dies fängt bei Lumpensammlern an, die auch, aber nicht nur, bestimmte Reste sammeln und für kleine Upcycling-Betriebe sammeln und für geringes Entgeld verkaufen. Enstanden ist diese Idee, weil viele Menschen ansonsten keine Chance auf ein geringes Einkommen haben. Upcycling in den Ländern des Südens hat aber auch viel mit Wertschätzung zu tun. Upcycling Betriebe in diesen Ländern arbeiten oft als selbstbestimmte Kooperativen, die auch in ihren Dörfern oder Gemeinden zum Thema Abfallvermeidung aufklären.

LizzyNet: Sind die Produkte, die die Unternehmen herstellen, nur für die Konsument/innen in den reichen Industrienationen interessant oder gibt es auch Upcycling-Produkte, die die Produzent/innen selbst nutzen - zum Beispiel im Alltag?

Hans-Klaus Weber: Die Produkte, die in den Upcycling-Betrieben in den südlichen Ländern hergestellt werden, werden fast ausschließlich für den Verkauf in Industrienationen hergestellt. Für den Vertrieb im eigenen Land fehlt oftmals das entsprechende Wissen und die Zeit. Allerdings fördert die Arbeit in einer Upcycling-Kooperative auch die eigene Kreativität. So habe ich z.B. gesehen, dass auf privater Basis alte halbierte Wasserkanister als Pflanzenübertopf, alte Fahrradschläuche als Spanngurte auf Fahrrädern oder Lkw-Reifen als Abfallkorb benutzt werden.

LizzyNet: Denkst du, dass die Upcycling-Idee auf die Dauer ein einträgliches Geschäftsmodell für die Unternehmer/innen im globalen Süden werden kann, oder was müsste sich außerdem ändern?

Hans-Klaus Weber: Im Bereich des Fairen Handels gibt es einige Handwerksbetriebe, die schon seit Jahren Upcyclingprodukte herstellen, bevor dies bei uns zur Mode wurde. Es handelt sich hierbei oftmals um Betriebe mit rund rund 10 Beschäftigten, die auch zu Hause arbeiten, um die Familien nicht zu vernachlässigen. Für diese Betriebe und deren Familien bedeutet Kontinuität sehr viel. Außerdem sind sie sehr stolz, dass ihre Produkte im reichen Norden verkauft werden. Ich weiß nicht, ob ich mir wünschen soll, dass diese Betriebe größer werden sollen. Denn Wachstum weckt auch immer neue Begehrlichkeiten ......
Wenn sich etwas ändern soll dann eher hier bei uns. Ändern sollte sich meiner Meinung nach das Verständnis und die Wertschätzung für die Bedingungen, unter denen Upcycling-Produkte in den Ländern des globalen Südens gefertigt werden.

LizzyNet: Vielen Dank für das Interview!

Hier geht`s zum Facebook-Auftritt des Unternehmens

Autorin / Autor: Redaktion/ Hans-Klaus Weber - Stand: Januar 2017
 
 
 

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