"Es gibt keine doofen Fragen"

Die Code Girls bieten einen Codier- und Programmierstammtisch für Mädchen und Frauen in Leipzig an. Im Interview mit LizzyNet erzählen sie von ihrer Motivation und ihrer Lust am Coden...

Die Codegirls

Motiviert von den Erfolgsgeschichten junger Programmiererinnen, beschließen Natalie und Julia, einen eigenen Codier- und Programmierstammtisch für Mädchen und Frauen in Leipzig anzubieten. Ihre Motivation: sich mit programmierbegeisterten Mädchen und Frauen zu treffen, um funktionale und ästhetisch ansprechende Seiten und Apps zu entwickeln. Inzwischen organisieren sie zahlreiche Workshops und halten Vorträge, sind aber weiterhin alle zwei Wochen im Social Impact Lab zu den "Office Hours" anzutreffen, wo sie jede Frage und Projektidee begeistert aufnehmen, egal ob es um die Verschönerung eines Blogs, um das Spinnen eines JavaScript-Codes oder um allgemeine Fragen rund ums Programmieren geht. Die Code Girls sind ein gemeinnütziges Projekt - sie haben Spaß am Programmieren und wollen, dass andere Mädchen das auch haben. LizzyNet erzählten sie, wieso sie sich als Code Girls engagieren.

Stellt ihr euch den Lizzys erstmal kurz vor?
Die Codegirls sind:
Natalie (30) hat Soziologie und European Studies studiert und arbeitet als Referentin in einem IT-Unternehmen.
Julia (27) hat Kommunikations- und Medienwissenschaften studiert und arbeitet als wissenschaftliche Angestellte am Deuschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung und Lucas (22), studiert Informatik.

Wie lange gibt’s die Codegirls schon und wie seid ihr auf die Idee gekommen, so eine Gruppe zu gründen?
Die Codegirls gibt es seit drei Jahren. Julia und ich haben damals unabhängig voneinander schon ein paar Online-Kurse gemacht, vermissten aber den persönlichen Austausch. Als wir Karten für ein Technologie-Festival in Berlin gewannen und dort die Rails Girls trafen, war klar: So was machen wir auch!

Was ist der Sinn und Zweck von Codegirls? Und was genau bietet ihr an?
Der Sinn der Codegirls ist ein ungezwungener Einstieg in die Welt des Programmierens für alle Mädels, die sich dafür interessieren, aber bislang noch keine Möglichkeit hatten, mal selbst was auszuprobieren. Unser Motto ist: Es gibt keine doofen Fragen. Wir stehen bei Fragen zur Verfügung, helfen mit Tipps und bieten Vorträge, zum Beispiel über HTML5, Softwareverwaltung mit Git oder Wordpress.

Was glaubt ihr, woran es liegt, dass Frauen und Mädchen bisher weniger programmieren als Jungs?
Unserer Meinung nach liegt es daran, dass Mädchen bereits in der Schule weniger in MINT-Fächern gefördert werden und bewusst oder unbewusst oft vermittelt bekommen: Naturwissenschaft oder Technik, das ist nix für Mädchen. Das zieht sich dann wie ein roter Faden durch die gesamte Laufbahn.

Haben Mädchen/ Frauen eurer Meinung nach einen anderen Zugang zum Programmieren?
Wir finden nicht, dass Frauen einen anderen Zugang zum Programmieren haben: Sie haben genauso viel Spaß daran wie Jungs und sie können genau so gut sein.

Wie habt ihr eigentlich persönlich den Zugang zum Coden gefunden?
Ich (Natalie) habe durch meinen Blog angefangen, ein bisschen am Code rumzubasteln und bin dann neugierig geworden, was eigentlich hinter all den Zeichen steckt - ich wollte wissen, wie eine Webseite funktioniert. Julia war einfach neugierig und sie hat ein paar Kurse bei codeacademy ausprobiert und entdeckt, dass Programmieren ziemlich spannend ist und viel Spaß machen kann.

Was ist euer Traumprojekt für die Zukunft?
Ein Traumprojekt im eigentlich Sinne haben wir nicht. Wir wünschen uns einfach, dass wir die Codegirls noch weiter ausbauen können, viele spannende Workshops anbieten und hoffentlich auch viele Teilnehmerinnen fürs Programmieren erreichen können.

Welchen Tipp habt ihr an Mädchen, die sich ans Programmieren begeben wollen?
Am einfachsten klappt der Einstieg mit Onlinekursen, wie zum Beispiel bei codeadademy. Die Lernsoftware Scratch vermittel wiederum auf spielerische Weise Grundelemente des Programmierens. Ansonsten mal in der Umgebung umhören, ob es Kurse oder Workshops für Anfängerinnen gibt. Toll sind zum Beispiel die Workshops der Rails Girls, wo Teilnehmerinnen innerhalb von zwei Tagen eine App bauen. Die finden in unregelmäßigen Abständen in vielen deutschen Städten statt. Außerdem erscheint am 9. März 2016 unser erstes Buch "We love Code. Das 101 des Programmierens", das ebenfalls einen prima Einsteig in das Thema bieten wird.

Vielen Dank für das Interview!

Mehr Infos im Netz findet ihr unter

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: Dezember 2015