Sommerferien bald nur noch 4 Wochen?

Pilotprojekt zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll 2016 in NRW starten

Sechs Wochen Sommerferien, zwei Wochen an Ostern, an Weihnachten und im Herbst. Insgesamt haben deutsche SchülerInnen 75 Werktage frei. Demgegenüber haben ArbeitnehmerInnen oder Auszubildende gerade mal 24-30 Werktage frei. Für berufstätige Eltern kann das unter Umständen eine belastende Situation sein. Nicht alle Schulen bieten eine durchgehende Ferienbetreuung an, und viele Eltern können sich nicht zusätzlich zu den gemeinsamen Ferien teure Feriencamps oder Kinder- und Jugendfreizeiten leisten. Also hängen so manche Kinder tagelang alleine zu Hause rum, müssen sich selbst verpflegen und üben sich im Dauerglotzen.

"Das macht auch Eltern bei der Arbeit unproduktiv", beklagt Dr. Klaus Münch vom Arbeitgeberversand NRW, der die Initiative "Kurze Ferien, starke Eltern" angekurbelt hat. "Eltern sorgen sich, was der Nachwuchs macht, müssen Verabredungen für ihre Kinder koordinieren und werden ständig angerufen. Sie sind manchmal kaum in der Lage, sich auf ihre eigentliche Arbeit zu konzentrieren! Das schwächt die Betriebe. Das schwächt die Karriereaussichten der Eltern. Das ist für alle Seiten unbefriedigend", sagt der Vorsitzende in einer Pressekonferenz.

"Ein untragbarer Zustand", kritisiert auch der Verein Berufstätiger Eltern e.V., die sich schon lange für eine Anpassung der Schulferien an die der Arbeitnehmer_innen stark machen.
Unterstützung gibt es auch von Seiten der Politik. Die Ferienproblematik wird seit Jahren immer wieder diskutiert, nun sollen Tatsachen geschaffen werden.
Die aktuelle Initiative wurde Ende letzten Jahres vom Arbeitgeberversand NRW und dem Verein Berufstätige Eltern e.V. ins Leben gerufen und hat mittlerweile viele Befürworter gefunden. Dem Landtag liegt nun bereits ein Gesetzesentwurf zur Abstimmung vor und 2016 startet ein erster Pilotversuch.

Pilotversuch 2016 in NRW
Eltern aus NRW können ab sofort eine Sommerferienverkürzung für Kinder der Stufen 1-10 im Jahr 2016 beantragen. Gehen pro Bezirk mehr als 30 Anträge ein, wird der Versuch in den jeweiligen Regierungsbezirken umgesetzt. Die Entscheidung fällt im Januar 2016, damit Eltern ihre Ferienplanung entsprechend anpassen können.
Die Schulferien starten in den betroffenen Bezirken dann zwei Wochen später und Schüler_innen besuchen in dieser Zeit eine Ferienakademie in den Räumlichkeiten der Schule. Der speziell konzipierte Ferienunterricht soll ohne Hausaufgaben und Klausuren auskommen und sich durch innovative Unterrichtsformen (z.B. Freiluftunterricht, Exkursionen, Betriebsbesichtigungen) und lebensnahe Themen auszeichnen. Für den Ferienunterricht sollen externe Lehrkräfte (Eltern, Rentner, 1-Euro-Kräfte, Förster) gewonnen werden, um den regulären Unterricht personell nicht zu belasten. 

Die Schülervertretungen und Eltern werden nach den Osterferien per Rundschreiben über das Vorhaben informiert. Anträge für die Ferienverkürzung können ab sofort auf den Seiten des Schulministeriums heruntergeladen werden. Aber das müsst ihr ja nicht weitersagen ;-).

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Der Antrag auf den Seiten des Ministeriums

Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 1. April 2015