00:49 Uhr
Beitrag zum Schreibwettbewerb echt? jetzt! von K.K., 26 Jahre
Erneut sitze ich nachts am Schreibtisch. Die kleine Lampe steht vor mir und hüllt meine Finger beim Schreiben in ein warmes Licht. Es ist 00:49 Uhr. Hinter mir, in der absoluten Finsternis, läuft die Musik. Ihre Noten drehen und schwingen, tanzen und springen um mich herum. Ich höre dem Klavierstück in Dauerschleife zu. Nicht genug. Eine Taste wird hinuntergedrückt, dann die nächste. Ein Klang entsteht, vergeht, kehrt zurück. Es ist fast gleichgültig, ob ich aufmerksam zuhöre oder die Musik im Hintergrund laufen lasse. Sie verstummt nicht.
Es verändert sich nichts.
Tagsüber höre ich Lieder, höre dem Gesang, den Stimmen, den Worten anderer zu. Versuche, ihnen zu folgen, sie zu verstehen, das Gehörte umzusetzen. Richtig so? Ich bewege mich hin und her. Heute drehe ich mich. Morgen versuche ich zu schwingen. Übermorgen tanze ich. Am nächsten Tag springe ich. Jeden Tag ein neuer Versuch.
Doch nachts verändert sich nichts.
Wieder sitze ich hier. 00:49 Uhr. Mein gedimmtes Licht, meine Schreibutensilien und die Melodie. Hinter mir bewegen sich meine Gedanken durch die Dunkelheit, kreisen unaufhörlich, leise und ohne Ende. Ob ich ihnen zuhöre oder nicht – sie kehren immer wieder zurück. Das Klavier ertönt. Die Worte überschlagen sich. Was, wenn… Sätze brechen mittendrin ab. Immer dieselben Worte werden hinuntergedrückt, dieselben Tasten, dasselbe Klavierstück. Eine unaufhörliche Wiederholung. Ich glaube, ich muss die Platte wechseln. Gut genug? Vielleicht sollte ich ein anderes Stück hören. Schwerfällig stehe ich auf und kehre dem Licht den Rücken zu. Geradeaus, hin zur gegenüberliegenden Ecke. Dorthin, wo die Melodie der Finsternis entstammt. Ich komme dem Schallplattenspieler näher. Mit jedem Schritt wird es dunkler um mich. Und die Musik lauter. Stärker. Mächtiger. Die Klaviertasten werden nicht mehr hinuntergedrückt, sondern geschlagen. Der Anschlag erfüllt den Raum, trifft mich, stößt mich zurück. Mein Herz stolpert. Ich presse die Hände schützend auf die Ohren, ziehe die Schultern zusammen, mache mich kleiner. Der Schallplattenspieler steht direkt vor mir.
Noch ein Schritt.
Nur um eines zu erkennen:
Die Platte steht still.
Nicht genug.
Das Klavierstück klingt weiter…
Es ist 00:50 Uhr.
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