Diese Geschichte schreibe ich für meinen beste Freund.
Ich weiß, dass es für dieses Verhalten keine Entschuldigung gibt, dennoch schreibe ich diese Geschichte für dich.
Ich möchte mich bei dir bedanken, für die Art wie du mit mir umgegangen bist und alles was du für mich getan hast. Ich werde dir immer dankbar sein und danke für diese wunderschöne Zeit mit dir.
Du hast nur das Beste verdient. Ich wünsche dir alles gute auf deinem Weg. Pass auf dich auf und verliere niemals deinen Glauben.
Ich hab dich lieb, Nick.
Es ist ein Jahr her, dass wir mit einander geredet haben.
Ein Jahr, dass wir telefoniert und geschrieben haben.
Ein Jahr, wo wir nichts voneinander gehört haben.
Ein Jahr lang, dass ich dich vermisst habe.
Ein Jahr, dass ich realisieren musste, dass ich schuld bin.
Ich weiß noch, es war Ende Januar, als ich dich angeschrieben habe, weil ich dir helfen wollte. Obwohl wir uns so fremd waren, habe ich mich bemüht, dich besser kennenzulernen, dein Stundenplan auswendig zu lernen, deine Hobbys zu kennen und was deine Wochenplan ist. Mitte Februar haben wir das allererste mal telefoniert, weißt du noch, wie wir eingeschlafen sind? Weißt du noch das Wochenende, als wir uns die Spitznamen "Nilpferd" und "Flamingo" gegeben haben? Ich hab am Samstag zufällig ein Nilpferd gefunden und gekauft. Ich hab es nach dir benannt und seit dem überall mit dabei. Bis heute liegt diese Nilpferd in meinem Bett und ist für mich da, wenn ich Nächte nicht schlafen kann. Wir haben jeden Tag geschrieben und ich habe gelernt zu vertrauen und über meine Probleme zu reden. Du bist mir so wichtig geworden, in so einer kurzen Zeit.
Es war Mitte April als ich dich weinend mitten in der Nacht angerufen habe, ich hatte schlecht geträumt. Davon geträumt, dass du gehst, und wie du mich hasst und mit mir nie wieder Kontakt haben willst. Damals wusste ich noch nicht, dass das bald in Zukunft passiert. Du bist sofort rangegangen und hast mich getröstet, es hat eine Ewigkeit gebraucht, dass ich mich beruhigte. Diese Art wie du mich beruhigt hast, hat niemand anderes geschafft. Wir konnten beide nicht schlafen, also hast du deine Playlist mir vorgesungen. All diese Lieder die du mir vorgesungen hast, liegen jetzt in meiner Playlist. Immer wenn diese Lieder abgespielt werden, denke ich an dich und diese Nacht. Kurz vor fünf bist du eingeschlafen, ich hab dir zugehört, wie du friedlich geschlafen hast. An diesem Tag habe ich eine Arbeit in Deutsch geschrieben und hab sie mit einer zZei bestanden, weil du zu mir gesagt hast, dass ich das schaffen werde und im Ende ist es nur eine Note auf einem Blatt Papier. Ich denke bis heute noch an diesen Satz, wenn ich mir zu viel Stress in Klassenarbeiten mache. Ich schaue mir deine Bilder an, falls ich nicht schlafen konnte, ich editierte Videos über unsere Freundschaft und hab angefangen von dir zu träumen. Und auch in der Prüfungsphase waren wir füreinander da. Auch wenn es bedeutete von jeden Tag telefonieren zu ein bis zweimal telefonieren in der Woche und von jede Stunde schreiben zu alle paar Stunden, aber das war okay, ich meine wir hatten beide viel zu tun und mussten lernen.
Kurz vor dem Sommer fanden wir beide den selben Freundeskreis, was am Anfang echt schön war. Nach der Zeit gab es immer mehr Streitereien, immer mehr Hilfe und man hat versucht zu helfen, aber kein Mensch kann auf einmal 5 Menschen gleichzeitig helfen. Es belastet. Man hat nicht mehr gelebt, sondern existiert und Aufgaben erledigt. Der Freundeskreis zerbrach und zu den meisten gibt es keinen Kontakt mehr. Beleidigungen und Drohungen fielen. Die ich bis heute noch bekomme, egal wie oft ich diese Nummern blockiere. Die Gruppe wurde aufgelöst und es wurde eine neue Gruppe erstellt. Jetzt waren wir nur noch zu viert, der engste Kreis. Nach der Zeit fiel mir auf, dass er weniger schrieb und sich weniger meldet. Ich wurde eifersüchtig, sehr eifersüchtig. Ich mochte ihn freundschaftlich wirklich sehr, aber es gibt eine Seite von mir, von der ich dachte, ich hätte sie unter Kontrolle. Ich schrieb ihm jede freie Minute und machte mir Sorgen, wenn er mal nicht antwortete. Telefonate wurden abgesagt oder verschoben. Ich schrieb ihm zeilenlange Texte, teilweise so lang, dass er sprachlos war und nicht darauf antworten konnte. Ich habe zu Dingen gegriffen, die ich nie greifen wollte. Ich habe alles versucht, um nur etwas Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich wollte so nie werden, aber ich konnte nicht damit aufhören. Nach der Zeit brach unser Kontakt ab und ich wusste nie wieso. Ich weinte Abende durch und hab überlegt wie ich damit aufhören kann, fand aber nie eine Lösung. Ich wollte nur das beste für ihn, stattdessen zerstörte ich ihn. Er hat mich lange ertragen und hat gehofft, dass ich damit aufhörte, dass ich mir Hilfe hole, aber ich tat es nicht. Wir hatten nur noch Kontakt in der Gruppe, bis er sie verließ. Damals habe ich das nicht verstanden, ich hatte geglaubt, er hasste mich. Heute weiß ich, dass er dass für seinen eigenen Schutz gemacht hat. Er wollte mich nicht verlieren, aber wäre er länger geblieben, hätte ich ihn in meiner kleinen Welt zerstört. Er wollte, dass ich mir Hilfe hole, dass ich rede und mich, sowie meine Gefühle und Körper kennenlerne und weiß, was ich machen muss, in bestimmten Situation. Ich habe mir keine Hilfe geholt, weil ich fest überzeugt war, dass ich das alleine schaffe. Ich habe gehofft, wenn ich ihm zeige, dass ich das alleine schaffe, dass er mir eine letzte Chance gibt. Ich hab es nicht geschafft. Das Jahr war so schlimm, dass ich glaubte ich würde es nicht überleben. Ich hatte meine letzte Chance.
Heute habe ich mir Hilfe geholt, ich habe Stunden verbracht, mich kennenzulernen, meine Grenzen zu kennen und was ich tun muss, in bestimmten Situationen. Und auch wenn es mir schwer fällt, hilft mir das.
Ich denke er wäre stolz auf mich. Ich wünsche ihm nur das Beste in Zukunft.
Keine Wörter oder Geschichten der Welt, könnte beschreiben, was ich gemacht habe und keine Entschuldigung würde es wieder gut machen.
Ich wünschte, ich hätte mir vorher Hilfe geholt, dann wäre das alles nie passiert. Mein Klassenlehrer hätte gesagt, aus Fehlern lernt man, aber das war kein Fehler, es war eine unkontrollierte Eifersucht, über die ich nicht gesprochen habe.
Ich glaube, wenn ich ihm erzählt hätte, wie ich mich fühle und was ich fühle , dann hätte er vielleicht Verständnis gehabt. Er wusste, dass es mir in der Zeit nicht gut ging, trotzdem wünschte ich ihm, er hätte mich so nie kennengelernt.