T.E.E.N.

Beitrag zum Schreibwettbewerb echt? jetzt! von Pénélope_13, 13 Jahre

Tief in mir drin weiß ich eigentlich schon, dass ich es nicht tun kann. Ich wünschte, ich wäre mutiger. Ich spüre immer noch ihren Kopf auf meiner Schulter. Ich spüre immer noch ihre Finger auf meiner Haut, als sie mir eine Strähne hinters Ohr schiebt, um mir einen Zopf zu flechten. Ich spüre immer noch das Prickeln in meinem Bauch als sie mir sagt, dass sie mich lieb hat. Und obwohl ich weiß, dass das alles nur freundschaftlich gemeint ist, kann ich meine falschen Hoffnungen nicht unterdrücken.
Du schaffst das, sage ich mir, immer und immer wieder. Du schaffst das, du schaffst das, du schaffst das!
Ich muss es ihr eh irgendwann sagen. Jetzt, wo wir zu zweit sind, ist die perfekte Gelegenheit dafür.
Aber wie gesagt habe ich eigentlich eh schon gewusst, bevor wir uns verabschiedet haben: Ich schaffe das nicht.

Ernsthaft?!“, entfährt es mir. (Modern Dance ist mein Hobby. Es hilft mir, den Kopf von Emotionen freizukriegen. Und ich werde nicht zulassen, das Mikael es mir auch noch klaut.) „Er soll sich gefälligst sein eigenes Hobby suchen!“, rufe ich verzweifelt und starre Mama entsetzt an. „Adelaide, ma chérie! Mikael kann doch so gut tanzen!“
Ich balle die Hände zu Fäusten. „Ich bin diejenige, die seit fünf Jahren an einer Tanzschule ist und Modern Dance und Hip Hop macht, nicht… er!! Das sagst du doch nur, weil er keine anderen Hobbys hat und ständig am Handy rumhängt!“, wütend verschränke ich die Arme vor der Brust.
„Adelaide! Sag so etwas nicht über deinen Bruder! Siehst du denn nicht, wie schön er tanzen kann? Wie expressiv er seine Arme zu…“ Ich beiße die Zähne zusammen und versuche wegzuhören. „Bitte Mama, ich kann das nicht mehr. Er kann doch schon besser Hip Hop und Skateboard fahren als ich, obwohl es meine Hobbys sind. Bitte! Ich will nicht, dass das auch noch mit Modern Dance passiert.
Immer klaut er mir meine Hobbys, nur weil er keine eigenen hat!“ Mama hält inne. „Mais, ma chérie! Niemand sagt, dass er besser ist als du, woher kommen denn diese Gedanken??“, fragt sie verwirrt. Ich sehe die Sorgenfalte, die sich zwischen ihre Augenbrauen gräbt. Ich fühle mich richtig elend. Als ich plötzlich anfange, zu heulen, sieht Mama wohl ein, dass es wirklich keine gute Idee ist, Mikael zu einer Probestunde in meinem Modern Dance Kurs anzumelden, denn sie nimmt mich sogleich in den Arm und es geht mir sofort besser, als sie mich ganz fest an sich drückt und flüstert: „Oh, ma chérie! Ich verstehe, Modern Dance bleibt deins, entschuldige“

Energisch zupfe ich am Ärmel meines hoodies. Zwei nervöse Augen blicken mir entgegen, als ich in den Spiegel schaue. Ich habe einen Pickel auf der Stirn, der nicht zu übersehen ist, da ist nichts zu machen. Selbst wenn ich meine Haare davorschiebe. Ich seufzte. Soll ich lieber doch das bauchfreie Oberteil anziehen? Oder sieht das komisch aus? Meine Brüste sind auch schon wieder gewachsen und das sieht man voll. Ich fühle mich hässlich, wie ich da stehe. Es macht mir Angst, wie mein Körper sich verändert, ohne dass ich etwas dagegen tun kann. Andererseits, ist es wirklich wichtig, was andere über mein Aussehen denken?

Nein. Hilfe. „Äh…, Klara?!“, stottere ich. Der Unterricht muss schon längst angefangen haben, aber das ist mir gerade sowas von egal. „Ja?“, kommt es aus der Toilettenkabine neben mir. Ich starre schockiert auf den roten Blutfleck in meiner Unterhose. Das Herz schlägt mir bis zum Hals, mir wird speiübel. „Ich.. äh…“, bringe ich hervor, „Ich hab gerade... meine... Tage gekriegt“ Ich fange an, zu schwitzen. Wie soll ich denn damit umgehen? Ich schlucke. Für den Bruchteil einer Sekunde sagt Klara nichts.
„Warte, Ada, ich komme zu dir“, höre ich dann. Ich schiebe mit zittrigen Fingern das Schloss meiner Klokabine auf. Klara kommt mit einer Binde in der Hand herein und schließt hinter sich ab.
„Alles gut, okay? Es ist völlig normal, schockiert zu sein, wenn man zum ersten Mal seine Tage hat.“
Ich nicke stumm, schaffe es nicht, die Tränen unterdrücken. In dem Moment bin ich jedoch echt froh, meine beste Freundin Klara an meiner Seite zu haben, die ruhig bleibt und mir erklärt, wie man die Binde einlegt. „Ich sag jetzt erstmal Herrn Seifert Bescheid und dann gehen wir zur Schulsozialarbeit, ja? Es ist alles gut“, beruhigt sie mich. Ich nickte wieder und bin überrascht und vor allen dankbar, mit wie viel Fassung sie diese Situation handhabt. Bevor ich ihr mit wackligen Knien aus den Schultoiletten folge, drückt sie mich fest an sich.

Autorin / Autor: Pénélope_13