Nenn mich verrückt

Beitrag zum Schreibwettbewerb echt? jetzt! von Sarahhh1417, 20 Jahre

Es ist dieses Gefühl, das ich gerade habe, welches mich verstehen lässt, wieso manche Menschen solche Angst vor der Liebe haben.
Es ist nämlich dieses Gefühl, das sich mein Herz so klein zusammenzieht, dass man meinen könnte, es versuche sich in meinem Brustkorb ein Versteck vor sich selbst zu suchen. Es ist dieses Gefühl des Vermissens, welches ich noch nie so schlimm empfunden habe. Und dieses Mal kann ich nicht schliiimm sagen, sondern wirklich schlimm.

Denn mein Herz versucht sich in mir zu verstecken und zu dir zu rennen,
gleichzeitig.
Es versucht sich zu verstecken vor der sich ab und zu noch einschleichenden Angst, die mir klarmachen möchte, dass ich dir gefährlich viel Macht über mich gebe. Und gleichzeitig versucht es zu dir zu rennen, weil es sich noch nie so schön angefühlt hat, jemandem so viel Macht über mich zu geben, da du sie zu schätzen weißt.

Es ist wie das gläserne Herz im freien Fall in die Hände dieses einen Menschen, der es tatsächlich aufzufangen weiß.
Ich habe früher dieses Bild eines gläsernen Herzens in der Liebe nie verstanden.
Wieso sollte es aus Glas sein?
Wieso sollte ich Gebrechlichkeit so repräsentieren wollen?
Wieso sollte jemand anderes mein Herz halten?
Wieso sollte ich so viel Zeit nur dieser einen Person widmen?
Wieso sollte überhaupt jemand mein Herz halten wollen?
Wieso sollte ich jemandem so blind vertrauen?
Wieso sollte ich einem Menschen so viel Macht über mich geben wollen, wortwörtlich das zerbrechen zu können, ohne das ich nicht leben kann?

Durch dich fange ich an zu verstehen, dass einer anderen Person Macht über sich zu geben, Freiheit für sich selber bedeuten kann. Dieses Gefühl des freien Falls, des Vertrauens, das mir die Freiheit gewährt mal ich selber zu sein, ganz ungeniert. Das mir die Freiheit gewährt mich mal leiten zu lassen statt über Alles in meinem Leben die Kontrolle zu haben. Das mir die Freiheit gewährt zu fühlen von Kopf bis Fuß, vom Aufwachen bis wieder Einschlafen, von Herzschlag zu Herzschlag, von einem Herzen zu einem anderen Herzen. Von meinem Herzen zu deinem Herzen.
Mein Herz ist also gläsern in deinen Händen, da deine Macht darüber mir die Freiheit gibt zu fühlen, was Liebe eigentlich bedeutet. Jemandem so sehr zu vertrauen, jemanden so sehr reinzulassen, jemanden so oft zu sehen, mit jemandem so oft zu weinen, mit jemandem so oft zu lachen, mit jemandem so oft zu reden, mit jemandem so oft zu schweigen, mit jemandem so oft zu laufen, mit jemandem so oft zu stehen und mit jemandem nicht nur Hand in Hand, sondern Herz in Herz, durchs Leben zu gehen.

Diese Freiheit birgt Gefahren, denn ließest du mein Herz fallen, so würde es brechen. Ließest du mein Herz fallen, so fiele auch ich. Denn ließest du mein Herz fallen, so müsste ich dich nicht nur so wie jetzt bis zum nächsten Mal vermissen, sondern mir würde für immer etwas fehlen. Und gerade jetzt, da frage ich mich, wie verrückt es wohl klingt, nach nur so kurzer Zeit schon solche Worte an und über dich zu schreiben, doch auch das kann ich bei dir sein, unmöglich verrückt.

Und eben aus genau dem Grund gehe ich das Risiko eines gebrochenen Herzens ein, gehe ich den Schmerz des Vermissens ein, denn wenn ich bei dir bin, dann fühle ich mich lebendig.
Ich fühle mich interessiert.
Ich fühle mich interessant.
Ich fühle mich fragil.
Ich fühle mich sicher.
Ich fühle mich umsorgt.
Ich fühle mich gesehen.
Ich fühle mich umarmt.
Ich fühle mich geküsst. Ich fühle mich liebend.
Ich fühle mich geliebt. Und das Wichtigste überhaupt: Ich fühle, unzwar so tief wie noch nie.

Man könnte sagen, dass mein gläsernes Herz dank dem Licht, das wir erschaffen, Regenbögen von sich gibt. Wie ein Kristall in der Sonne, der kleine Regenbögen auf Alles in seiner Umgebung wirft. Diese kleinen vielleicht auch mal größeren Regenbögen, die Farbe in mein Leben bringen, die aber auch zeigen, aus wie vielen Farben und Facetten die Liebe bestehen kann.
Den guten und den schlechten Zeiten.
Den glücklichen und den traurigen Zeiten.
Den lauten und den leisen Zeiten.
Den schwachen und den starken Zeiten.
Den sonnigen und den regnerischen Tagen.
Den warmen und den kalten Jahreszeiten.
Dem Spektrum aus Emotionen, aus denen sich Liebe zusammensetzt, aus denen sich das Leben zusammensetzt.

Erklär mich gerne für verrückt, aber ich will dich nie mehr loswerden.
Erklär mich gerne für verrückt, aber du bist jeden Schmerz wert.
Erklär mich gerne für verrückt, aber Zeit mit dir möchte ich mir immer nehmen.
Erklär mich gerne für verrückt, aber ich will und kann nicht mehr ohne dich.
Erklär mich gerne für verrückt, aber du bist der, ohne den ich nicht sein kann.
Erklär mich gerne für verrückt, aber ich liebe dich.