Die Ruhe des geschäftigen Treibens

Beitrag zum Schreibwettbewerb echt? jetzt! von Elena Peiritsch, 24 Jahre

(Marienburger Straße, Berlin Prenzlauer Berg)

Die Straße hinauf.
Links fordern die Blumen selbstbewusst,
Was ihnen zusteht.
Geformt wie ein bunter Bilderrahmen
Laden sie mich zur Suche des Bildes ein.

Gefunden habe ich nichts -
Ist der Rahmen verrutscht?
Ein Rangeln um den rechten Blick.
Erkenne ich das Bild nicht?
Eine Suche ohne Finden - eine erfolgreiche Suche.
Eins ist gewiss: die Blumen haben bekommen, was ihnen zusteht.

Weiter hinauf.
Im schreienden Trubel der Straßen
Fordert auch die Sonne lärmend auf.
Dort ihre Ellbogen weit ausgefahren -
Tut sie es uns Unteren gleich?

Hier - im Stillleben der zufriedenen Geschäftigkeit -
Rückt sie wohlwollend alles ins schönste Licht.
Statt ausgefahrener Ellbogen die goldenen Arme weit geöffnet -
Welch strahlendes Selbst-Bewusstsein.

Schatten verwandelt stürmische Hitze
In friedvolle Wärme -umarmt mich, hält mich fest,
Trägt mich ziehend voran.
Schatten und Sonne im friedvollen Spiel
Gewähren mir meinen Weg
Bergauf auf dem holprigen Pflaster.

Vor dem Laden sitzt eine Frau
In der Einsamkeit des geselligen Treibens.
Auf dem Präsentier-Teller der Unsichtbarkeit
Bittet sie um Geld.
Was sie brauche -

Eine Frage getragen von dem Willen
Statt Geld Sichtbarkeit zu schenken.
„Essen für meine Kinder“
Erhobene Finger bauen die Brücke über den Strom, der uns trennt.
Was mögen ihre Kinder?
Nun ist sie sichtbar.

Die Straße hinauf.
Ich spüre das Leben um mich gelegt wie eine warme Decke
Lasse ich mich darin versinken.
Im Beisammen-Sein des Für-sich-Seins
Setze ich meinen Weg fort.

Die Suche verlässt unseren gemeinsamen Pfad -
das Finden schon auf der Suche
Nach meiner Gesellschaft.
Übrig bleiben das Finden und ich.
Der Rahmen ist verrutscht.

Autorin / Autor: Elena Peiritsch