Mitreden. Mitbestimmen. Aber wie?

Wie stehts um unsere Staatsform? Umfrage zum Internationalen Tag der Demokratie

Am 15. September feiern wir wie jedes Jahr den Internationalen Tag der Demokratie. Doch was bedeutet sie uns eigentlich? Mit dem Begriff „Demokratie“ verbinden Menschen unterschiedliche Verfahren: In einer repräsentativen Demokratie treffen im Deutschen Bundestag, in den Landtagen oder in den Gemeinderäten gewählte Repräsentant:innen verbindliche Entscheidungen für die Gesellschaft. In einer direkten Demokratie hingegen entscheidet die Bevölkerung selbst – beispielsweise durch Bürger- oder Volksentscheide. Was wünschen sich die Menschen hierzulande? Sind sie demokratiemüde? Wollen sie sie abschaffen, wie es nach den Wahlerfolgen der AfD oft scheint? Der Kommunikations- und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Frank Brettschneider analysierte in einer repräsentativen Umfrage Rechtspopulismus, Verschwörungserzählungen, Demokratiezufriedenheit und Vertrauen in politische Institutionen. Im Auftrag der Forschenden befragte forsa im August 2026 insgesamt 4.059 Bundesbürger:innen ab 16 Jahren.

Die gute Nachricht

Eine Mehrheit bevorzugt die repräsentative Demokratie mit Dialog-Elementen. Die Ergebnisse des Demokratie-Monitors zeigen: Knapp zwei Drittel der Befragten in Deutschland wünschen sich eine Demokratie, in der zwar grundsätzlich die gewählten Politiker:innen die Entscheidungen treffen. Zuvor sollten sie aber die Bürger:innen anhören und deren Empfehlungen in ihre Überlegungen einbeziehen. Dieser Wunsch ist seit 2021 sehr stabil.

Nur fünf bis 14 Prozent fänden eine repräsentative Demokratie ohne vorherigen Dialog besser. Zwischen 14 und 16 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, wichtige politische Entscheidungen direkt von der Bevölkerung treffen zu lassen, zum Beispiel durch Volksentscheide. Weitere 13 bis 17 Prozent bevorzugen eine direkt-demokratische Variante, die aber um einen vorangehenden Dialog ergänzt werden sollte.

„Die Bürgerinnen und Bürger wollen gar nicht unbedingt selbst entscheiden. Sie wollen aber transparent und verlässlich informiert werden und mitreden können“, fasst Prof. Dr. Brettschneider die Ergebnisse zusammen. Das gelte gleichermaßen für die Bundes-, Landes- und kommunale Ebene.

Dabei zeigt sich über die Parteigrenzen hinweg ein bemerkenswert einheitliches Bild: Anhänger nahezu aller Parteien bevorzugen auf allen drei politischen Ebenen eine repräsentative Demokratie mit Dialog-Elementen. Das gilt auch für Menschen, die keiner Partei nahestehen. Eine Ausnahme bilden die Anhänger:innen der AfD: Mehr als 60 Prozent von ihnen bevorzugen Volksentscheide. „Je unzufriedener Menschen mit dem Funktionieren der Demokratie auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene sind, desto eher sprechen sie sich für die direkte Demokratie aus“, stellt Prof. Dr. Brettschneider fest.

Dialogische Bürgerbeteiligung auf kommunaler Ebene besonders gefragt

Bei der sogenannten dialogischen Beteiligung gibt der Bund, das Land oder die Stadt bzw. Gemeinde ihren Bürger:innen die Möglichkeit, sich bei Veranstaltungen oder im Internet an der Planung von Vorhaben und Projekten zu beteiligen. Dieses Verfahren findet eine Mehrheit sehr wichtig. Besondrs in Städten ist die Zustimmung hoch: 87 Prozent bewerten dialogische Beteiligung dort als bedeutsam. Auf Landesebene sind es 74 Prozent, auf Bundesebene 67 Prozent.

Allerdings merkt Prof. Dr. Frank Brettschneider an: „Auch wenn die Mehrheit der Menschen dialogische Beteiligung wichtig findet, so würden doch nicht alle aktiv an entsprechenden Formaten teilnehmen. 20 Prozent haben daran kein Interesse. Weitere 40 Prozent wollen sich selbst nicht konkret einbringen, aber über den weiteren Verlauf informiert werden. Die übrigen 40 Prozent sind bereit, sich aktiv an dialogischen Beteiligungsverfahren zu beteiligen.“

„Von Demokratie-Müdigkeit kann also keine Rede sein“, betont Prof. Brettschneider. „Die Ergebnisse der Partizipationsforschung sind eindeutig: Damit sich Menschen an Politik beteiligen, müssen drei Voraussetzungen gegeben sein. Sie müssen wollen, sie müssen können und sie müssen gefragt werden.“

Tatsächlich geben 39 Prozent der Befragten an, in den letzten zehn Jahren mindestens einmal an einem Beteiligungsformat teilgenommen zu haben. Die meisten davon in der eigenen Stadt oder Gemeinde. Dabei waren die Menschen allerdings nur zu einem Drittel mit dem Ergebnis zufrieden, wobei eine Mehrheit den Ablauf des Verfahrens aber gut fand.

Dabei besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Bewertung von Beteiligungsverfahren und dem Vertrauen in kommunale Institutionen: Wer mit dem Ablauf und dem Ergebnis eines Verfahrens zufrieden ist, vertraut auch den kommunalen Institutionen stärker und bewertet das Funktionieren der kommunalen Demokratie positiver. Umgekehrt misstrauen diejenigen, die mit dem Verfahren und mit dem Ergebnis unzufrieden sind, auch den kommunalen Institutionen und sind am unzufriedensten mit dem Funktionieren der kommunalen Demokratie.

„Gelungene Dialogverfahren steigern das Vertrauen in die beteiligten politischen Institutionen. Sie stärken die repräsentative Demokratie“, stellt Prof. Brettschneider fest. „Einmal mehr zeigt sich: Die kommunale Ebene ist eine tragende Säule der Demokratie.“ Auf dieser Ebene sei auch die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie insgesamt am höchsten: 59 Prozent der Befragten sind zufrieden, 15 Prozent unzufrieden und 26 Prozent antworten mit „teils/teils“.

Von denjenigen, die bereits an einem Beteiligungsverfahren teilgenommen haben, bewertet knapp die Hälfte Bürgerbeteiligung als Schritt in die richtige Richtung. Nur 19 Prozent haben den Eindruck, es habe sich um eine reine „Show-Veranstaltung“ gehandelt.

Neben der dialogischen Bürgerbeteiligung gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, sich politisch zu engagieren. Am häufigsten genutzt wird die Teilnahme an Wahlen: 72 Prozent der Befragten geben an, in den vergangenen zehn Jahren mindestens einmal gewählt zu haben.

69 Prozent haben sich am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis zu politischen Themen geäußert. 66 Prozent haben eine Unterschriftensammlung unterschrieben. Jeweils 35 Prozent geben an, in den letzten zehn Jahren an einer genehmigten Demonstration teilgenommen oder sich an einer Online-Protestaktion beteiligt zu haben. 26 Prozent haben eine:n Politiker:in in ihrer Gemeinde oder Stadt kontaktiert, jeweils 15 Prozent eine:n Landtags- oder eine:n Bundestagsabgeordnete:n.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: LizzyNet - Stand: 15. September 2026