Ich heiße Mia, bin 14 Jahre alt und versuche gerade nicht zu verückt wegen Lukas zu sein. Aber heute ist es endlich soweit, ich werde Lukas, den Jungen, den ich schon zwei Jahre lang mochte, gestehen, dass ich ihn mag. Ich zog mein schönstes T-Shirt und meinen kürzesten Rock an. Die Fahrt zur Schule dauerte ewig, weshalb ich meine Zeit mit Youtube Shorts vertrieb. Bevor ich ausstieg, kämmte ich noch mal meine langen braunen Haare.
Ich versuchte elegant in die Schule zu spazieren, stolperte jedoch über den blauen Teppich, der am Eingang meiner Schule lag. Mein Rock wirbelte fast auf, aber dann hängte sich in letzter Sekunde ein muskulöser Arm um meine Hüfte. Ich war wie gelähmt vor Schreck und konnte kein anderes Wort außer ein kitschiges: "Hi!“ rausquetschen. Aber dann spürte ich eine rauchig warme Stimme in meinem linken Ohr. Ich dachte, es wäre wieder einer dieser Träume, wo Lukas mich in den Arm nimmt, aber dann wiederholte er sich wieder "Hey, ich ich habe mich in dich verliebt, Mia." Auf einmal wurde die ganze Welt leise, ich schaute in seine hellgrünen Augen, die ich noch nie zuvor so nah gesehen hatte und fing an wie verrükt zu stottern. "Iiii Ich moe mag dich au auch se se sehr."Er warf mir noch ein süßes Lächeln zu, verschwand aber dann hinter einer Ecke.
Im Mathe Unterricht konnte ich mich gar nicht konzentrieren. Ich wunderte, ob er es überhaupt ernst gemeint hat, wann wir unseren ersten Kuss haben werden und ob jeder weiß, dass wir jetzt zusammen sind. Im Deutsch Unterricht konnte ich auch nicht besser aufpassen, da ich zu beschäftigt damit war, vorzustellen, wie seine Augen in der Sonne aussehen würden.
Nach dem Unterricht wartete er bereits vor meinem Schließfach. Er überreichte mir einen winzigen Zettel, warf mir noch einen vielsagenden Blick zu, und raste dann eilend davon. Wie angewurzelt blieb ich noch eine kurze Weile fragend stehen und machte mich dann auf den Weg nach Hause.
Als ich Zuhause ankam, erzählte ich meiner großen Schwester Lisa das Geschehen. Sie lobte mich nicht nur, sondern gab mir auch seine Nummer, die sie von der Cousine von Lukas bekommen hatte. Anscheinend hatte er meine Nummer schon zuvor gehabt, da er mir ein "Hey" geschrieben hatte. Ich speicherte ihn als "Honigbär" ein und hüpfte aufgeregt auf mein Bett. Wir schrieben uns, bis meine Augen langsam zuklappten.
Am nächsten Morgen zog ich wie vereinbart ein dunkelblaues Kleid mit Blümchen und Lukas ein hellblaues T-Shirt mit einer dunkelblauen Hose an. Als Lukas zu mir schritt, fing mein Herz an zu klopfen und Schmetterlinge flattern in meinem Bauch, als ich sah, wie gut er heute aussah. Er schaute mich an und ich schaute ihn an, dann auf einmal spürte ich seine sanfte Lippe auf meiner Wange, ich schloss meine Augen und genoss den Moment. Danach liefen wir Hand in Hand ins Klassenzimmer, da wir am letzten Tag vor den Sommerferien immer alle zusammen einen Film schauten. Ich tat so, als würde ich auf den Fernseher schauen, bewunderte aber seine schönen Hände. Als es Zeit war, uns zu verabschieden, schlüpfte ich ihm mein schwarzes Haargummi über seinen Arm.
Als ich Zuhause ankam, setzten meine Eltern mich und meine Schwester an den Esstisch, was nie etwas Gutes bedeutete. Als ich noch an Lukas dachte, sagte Mama irgendetwas mit Umzug und Papas Arbeit. Mein Herz rutschte mir in die Hose. Bevor ich irgendetwas sagen konnte, fing meine Schwester an, wie verrückt zu stottern: "Nein, nein Mama, Papa, wir können nicht umziehen!" Ich konnte mir nicht vorstellen, ohne Lukas zu leben, deswegen verschwand ich schweren Herzens in meinem Zimmer. Ich zog meine Decke über meinen Kopf und öffnete den Chat von Lukas und mir. "Hey Honigbär, ich ziehe um", schrieb ich, während mir Tränen übers Gesicht flossen. Er las die Nachricht, antwortete aber nicht.
Und so vergingen zwei Wochen. Lukas hatte mir immer noch nicht geantwortet, ich war jetzt am Strand und hatte schon längst wieder einen neuen Freund gefunden. Auch wenn ich noch nicht vollständig über ihn hinweg war, versuchte ich die Wunde in meinem Herzen so schnell wie möglich zu heilen, indem ich Hals über Kopf meine neue Beziehung mit Milo stürtzte.
Am Montag, dem Tag meiner Abreise, konnte ich einfach nicht mehr. Ich gestand ihm, dass ich eine Woche vor unserer Beziehung noch völlig verliebt in Lukas war und ihn nie wirklich geliebt hatte, sondern als Schmerzmittel benutzt hatte. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Er gab mir noch einen letzten Kuss auf die Stirn, bevor er mein Hotelzimmer endgültig verließ.
Autorin / Autor: Nicole C.