Nicht nur unnötig, sondern schädlich

Studie: Schon Kinder verfallen dem Schönheitswahn und kleistern sich mit Kosmetik zu, die eigentlich für Erwachsene gedacht ist. Ein Trend, der aus medizinischer Sicht nicht unbedenklich ist, findet Dr. Anna-Theresa Seitz vom Universitätsklinikum Leipzig

Alle wollen schön sein. Denn - so hören wir immer wieder - Schöne haben es im Leben leichter. Sie sind beliebter, kriegen bessere Jobs, werden symphatischer gefunden, wie Studien immer wieder belegen. Wer das Gefühl hat, die Natur hätte beim eigenen Aussehen etwas mit Schönheit gegeizt, der greift zu all den Mittelchen, die in der Werbung und Medien wahre Wunder versprechen: ebenmäßige, reine Haut, glänzende Lippen und tiefschwarze Wimpern.

Foundation, Concealer, Contouring, Blush, Lipgloss und Mascara, also Kosmetikprodukte, die früher eher Erwachsenen vorbehalten waren, gehören heute zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Videos verschiedenster „Skinfluencer“ verbreiten sich rasant in sozialen Netzwerken wie TikTok oder Instagram. Der Handel spürt den derzeitigen Kosmetikhype und berichtet von zunehmend jüngeren Kund:innen. Fachleute wie Dr. Anna-Theresa Seitz vom Universitätsklinikum Leipzig (UKL) sehen diese Entwicklung kritisch.

Hautpflege als Social-Media-Trend

Die sozialen Netzwerke befeuern den Kosmetikhype unter jungen Menschen auch dadurch, dass sie die Nutzer:innen mit idealisierten Schönheitsbildern bombadieren. Das wirkt nicht nur auf Jugendliche und junge Erwachsene, sondern auch auf Kinder und lässt sie zu Kleidung und Kosmetikprodukten greifen, die nicht ihrem Alter entsprechen.

Aus medizinischer Sicht ist die intensive Nutzung von Kosmetik in jungen Jahren jedoch nicht unproblematisch. „Die Haut ist unser größtes Organ“, erklärt Dr. Anna-Theresa Seitz, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Universitätsklinikum Leipzig (UKL). „Sie schützt uns vor Umwelteinflüssen, Kälte und Krankheitserregern, spielt aber auch für die Sinneswahrnehmung und den Stoffwechsel eine wichtige Rolle. Wir nehmen ja zum Beispiel Sonnenstrahlen über die Haut auf, die für die Vitamin-D-Synthese in unserem Körper notwendig sind.“

Risiko aus Tiegel und Tube

Eine Schädigung der Haut kann diese Funktionen beeinträchtigen. Das gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche, denn deren Haut unterscheidet sich deutlich von der von Erwachsenen: Sie ist nicht nur dünner, sondern auch empfindlicher und reagiert entsprechend schneller auf reizende Inhaltsstoffe. Laut Frau Dr. Seitz setzen viele Jugendliche Produkte ein, die in ihrem Alter gar nicht notwendig sind, die auch gar nicht für ihre Haut geeignet, ja zum Teil sogar schädlich sind.

Aktuelle Untersuchungen bestätigen das. Demnach enthalten viele Kosmetikprodukte für jüngere Zielgruppen häufig Stoffe, die bedenklich sind. Besonders kritisch sehen Dermatolog:innen etwa Produkte mit Retinoiden, die einen Anti-Aging-Effekt versprechen. „Retinoidpräparate sind Vitamin-A-Säurepräparate, die die Verhornung der Haarfollikel normalisieren,“ erklärt Dr. Seitz. „Das nimmt man bei Akne, um die Haut anzuregen, sich neu zu bilden. Das kann aber sehr reizend sein.“ In der Folge können Betroffene trockene oder schuppige Haut, Pickel, Pusteln oder Ausschläge entwickeln. „Überpflegung“ kann zudem zu Allergien führen oder zu dauerhaften Sensibilisierungen gegen bestimmte Inhaltsstoffe.

Weniger ist mehr

Um das zu verhindern, raten Dr. Seitz und ihre Kolleg:innen von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des UKL, altersgerechte Kosmetikprodukte bewusst zu verwenden. Gesunde Haut brauche meist nur eine einfache Pflege und Reinigung. „Was wir auf jeden Fall empfehlen, ist ein täglicher Lichtschutz, der an den jeweiligen Hauttyp angepasst ist. Wenn man zum Beispiel zur Akne neigt, dann ist ein nicht so fettiger Lichtschutz ratsam, bei sehr trockener Haut oder gar einer Neurodermitis sollte man ein Produkt verwenden, das Feuchtigkeit spendet.“ Außerdem sollten Kinder und Jugendliche Kosmetika nicht ständig wechseln und darauf achten, dass sie möglichst frei von Duft- und Konservierungsstoffen sind. Eine kurze Internetrecherche oder spezielle Apps können dabei helfen. „Mit CodeCheck zum Beispiel kann man den Strichcode von Produkten scannen und erfährt dann, welche Inhaltsstoffe drin sind, ob sie unbedenklich oder problematisch sind und warum. Besser wäre natürlich, wenn die Industrie dazu verpflichtet werden könnte, transparenter zu sein und beispielsweise Altersangaben für bestimmte Inhaltsstoffe anzugeben.“

Eltern und anderen Bezugspersonen raten Expert:innen wie Dr. Seitz, sich selbst zu hinterfragen: Wie sieht meine eigene Körperpflege aus, welches Schönheitsideal vertrete ich und welche anderen Werte propagiere ich? „Wichtig wäre auch, die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken, so dass sie beispielsweise in der Lage sind, mit Filtern optimierte Bilder und Videos auf Social Media zu erkennen.“ Realistische Vorbilder zu haben sei wahrscheinlich immer noch der beste Weg hin zu einem gesunden Körper- und Hautgefühl.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: LizzyNet - Stand: 19. August 2026