Oma bitte bleib

Beitrag zum Schreibwettbewerb echt? jetzt! von Jule Patzelt, 19 Jahre

Scheiß Kopf, der dafür sorgt, dass Dinge in Vergessenheit geraten.
Aber klar ich kann dir wieder meinen Namen verraten.
Genau wie vor 10 Minuten bereits schonmal
Fragst du wer bist du nochmal?

Und jedes Mal zwing ich mich still zu bleiben,
will nicht an deiner Würde rütteln, nicht an dir reiben.
Ich lächle, obwohl etwas in mir zerbricht,
weil Liebe auch dann bleibt, wenn Erinnerung es nicht.

Du wusstest immer wer ich bin,
Kanntest mein Herz, kanntest meinen Sinn.
Doch nun vergisst du nicht nur mich
Sondern gestern, heute und so langsam auch dich.

Ich seh es in deinen suchenden Augen,
wie Fragen an deinem Innersten nagen.
Als würdest du fallen, ganz ohne Halt,
in eine Welt, die still ist und kalt.

Nun zieht durch deinen Kopf dieser Nebel so dicht,
er verschluckt jede Spur, jede Erinnerung, jedes Gesicht.
Du vergisst alles stück für stück.
Ich will dich doch einfach nur wieder zurück 

Doch der Nebel zieht weiter. Es bleibt nicht bei Namen,
Es geht weiter du verlierst den zeitlichen Rahmen.
Du fragst mich dasselbe wie vor zwei Minuten auch.
Ich antworte ruhig,
doch da ist dieses ziehen im Bauch.

Die Zeit dreht Kreise nur für dich,
für mich geht sie weiter – erbarmungslos, Stich für Stich.
Ich sitze neben dir und spüre dabei,
wie Abschied wächst, obwohl du noch hier seist.

Doch selbst damit ist noch nicht Schluss. Jetzt erkennst du mich nicht mehr.
Ich will dich in den Arm nehmen. Ich vermisse uns doch so sehr.
Doch du denkst ich sei fremd. Der Nebel hat das uns gestrichen
und du bist wie vom wind weggewichen.

Dein Blick wird vorsichtig, fast scheu,
als wär zwischen uns eine Wand ganz neu.
Ich stehe vor dir und bin doch fort,
verloren an einem unsichtbaren Ort.

Deine Uhr tickt leise an der Wand.
Als nähme sie dich bei der Hand.
Doch führt sie dich nicht mehr zu mir.
Sie schließt ganz langsam deine Tür.

Und ich bleibe draußen, Tag für Tag,
weil ich dich trotzdem lieben mag.
Auch wenn dein Kopf dich von mir trennt,
und du nicht mehr weißt, wie man mich nennt.

Vielleicht ist Zeit ein stiller Dieb,
der nimmt, was ich am meisten lieb.
Doch was du warst und was du bist,
bleibt in mir, auch wenn du mich vergisst.

Und wenn dein Weg im Nebel endet,
kein klarer Gedanke sich mehr wendet,
dann trag ich dich durch Raum und Jahr –
so wie du mich getragen hast, immer da.

Denn auch wenn alles an dir zerfällt,
du bleibst mein Zuhause, meine Welt.
Und selbst wenn dein Erinnern bricht –
Meine Liebe zu dir vergisst dich nicht.

Autorin / Autor: Jule Patzelt